Fakten und Zahlen


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Fakten und Zahlen

 
30.04.03 09:52

 Nicht vergessen: Jedes Finanzhaus verwendet seinen eigenen Jargon.

Auf ersten Blick scheinen manche Börsenanalysen in einer Fremdsprache geschrieben zu sein. Und nicht selten ist das auch wirklich der Fall - denn die Sprache der Finanzanalysten weist nicht nur besonders viele Anglizismen auf, auch ihre deutschsprachigen Begriffe haben es in sich. Wenn man ständig mit Begriffen wie Gearing, Quick Ratio, PE-Ratio usw. konfrontiert wird, kann es einem schon ordentlich schwindlig werden.

Jedes Maklerhaus verwendet seine eigene Sprache, hat Lieblingsbegriffe und setzt auf seine eigenen analytischen Techniken. Nachfolgend geben wir Ihnen einen Leitfaden durch diese Begriffe und deren Bedeutung.

Verschuldungsgrad ("Gearing")

Diese Verhältniszahl gibt die Relation zwischen den aufgenommenen Fremdmitteln eines Unternehmens und deren Eigenkapital wieder. Einfach ausgedrückt, spiegelt dieser Quotient die Fähigkeit eines Unternehmens, die von ihr aufgenommenen Schulden auch zurückzuzahlen. Und das ist etwas ganz wesentliches. Der normale Aktionär hat ein elementares Interesse daran, dass sein Unternehmen nicht untergeht, sondern dass die Aktien vielmehr an Wert zunehmen und er mit Dividenden rechnen kann. Wenn es zum Allerschlimmsten kommt und ein Unternehmen liquidiert wird, sind die Aktionäre diejenigen, die als letzte, nach allen anderen involvierten Parteien, aus der Liquidationsmasse bezahlt werden.

Deshalb sollten Sie sich davon überzeugen, dass das Unternehmen, in welches Sie investieren wollen, nicht überschuldet ist. Das Schicksal von Boo.com und von Clickmango sollte die Notwendigkeit einer solchen Aufmerksamkeit unterstreichen. Die nachfolgend dargestellten Verhältniszahlen ("Ratios") können zur Kurzdiagnose über die Verschuldenshöhe eines Unternehmens verwendet werden und als Richtschnur für die Beurteilung der Frage, ob ein Unternehmen seine Schulden auch zurückzahlen kann, gelten. Je höher der Quotient, desto größer sind die Risiken, die ein Unternehmen eingeht.

Fremdmittel-Eigenmittel-Quotient
("Debt-to-equity ratio")
 =   Verzinste Fremdmittel
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Eigenkapital

In der "altmodischen" Welt der herkömmlichen Industrien galt folgende Daumenregel: Wenn der Fremdmittel-Eigenmittel-Quotient höher als 1 ist, so ist der Verschuldungsgrad hoch. Dies gilt nicht länger, schon gar nicht für New Economy Unternehmen. Diese haben über lange Jahre hinweg mit astronomisch hohen Verschuldensquotienten zu kämpfen, bis ihre Erträge sich so entwickeln, dass sie auf eine Rückzahlung der Fremdmittel überhaupt hoffen können.

Hoch verschuldete Unternehmen können trotzdem sehr erfolgreich sein und ihren Aktionären gute Ertragsaussichten bieten. Das Geheimnis liegt hier darin, diese Ratios mit jenen zu vergleichen, die in der Branche üblich sind und die von den Mitbewerbern im Markt ausgewiesen werden.

Zinsabdeckungsgrad
("Interest Cover")
 =   Gewinn vor Zinsen und Steuern
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Zinsaufwand für Anleihen und Bankkredite

Dies ist ein besonderer Quotient, der die Fähigkeit eines Unternehmens anzeigt, den Zinsendienst auf die Fremdmittel in der Bilanz aus den im fraglichem Jahr erwirtschafteten Erträgen abzudecken.

Wie ein Unternehmensschiff über Wasser bleibt

In ähnlicher Weise ist die Fähigkeit eines Unternehmens zu beurteilen, die laufenden finanziellen Verpflichtungen bei Fälligkeit zu erfüllen. Hier kommen nun die folgenden Liquiditätsquotienten zum Einsatz.

Liquiditätskennzahl
("Current Ratio")
 =   gesamtes Umlaufvermögen
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kurzfristige Verbindlichkeiten

Das Umlaufvermögen enthält Aktiva wie etwa Wertgegenstände im Vorrat, Guthaben bei Banken und kurzfristig liquidierbare Kapitalanlagen. Kurzfristige Verbindlichkeiten sind etwa kurzfristige Kredite, offene Verbindlichkeiten, Überziehungen usw. Wenn der Quotient höher als 1 ist, so ist dies ein generell als ein gutes Zeichen zu betrachten. Dies heißt, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten zumindest einmal durch kurzfristig liquidierbare Aktiva abgedeckt sind.

Quotienten, die für Aktionäre von Bedeutung sind

Gewinn pro Aktie ("Earnings per Share", EPS)

Dieser Quotient erklärt sich quasi von selbst. Da wird der Gewinn nach Steuern, außergewöhnlichen Aufwendungen und allen anderen Belastungen vor Dividenden und die nicht ausgeschütteten Gewinne des Unternehmens durch die Anzahl der vom Unternehmen emittierten Stammaktien dividiert. Die Zahl verkörpert die für die Aktionäre zur Verfügung stehenden Erträge des Unternehmens.

EPS =  Erträge, die Stammaktionären zur Verfügung stehen (Gewinn nach Steuern usw.)
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Anzahl der Stammaktien

Dabei ist es wichtig, dass ein Unternehmen auch dann Dividenden ausschütten kann, wenn im fraglichen Geschäftsjahr kein Überschuss erzielt worden ist. Es ist sogar durchaus möglich, dass einbehaltene Gewinne aus Vorjahren zur Bedienung der Dividendenzahlungen verwendet werden, um das Vertrauen der Anleger in das Unternehmen zu fördern, insbesondere dann, wenn das laufende Jahr nicht den Erwartungen entsprochen hat.

Kurs-Gewinn-Verhältnis ("PE-Ratio")

Dies gibt das Verhältnis zwischen dem Börsenkurs der Aktien und den Unternehmenserträgen pro Aktie (EPS) an.

KGV =  Gegenwärtiger Kurs der Aktie
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Gewinn pro Aktie (EPS)

Dieser Quotient kann nur dann sinnvoll interpretiert werden, wenn man ihn mit den KGV vergleichbarer Unternehmen in derselben Branche vergleicht. Wenn, grob gesprochen, ein Unternehmen eine im Verhältnis zur Branche hohe PE- Ratio aufweist, so kann das ein Hinweis darauf sein, dass:

* Investoren das Wachstumspotential eines Unternehmens hoch einschätzen und daher bereit sind, einen hohen Kurs zu zahlen; oder,
* dass die Aktien überbewertet sind.

Wachstum kann gesichert werden, indem eine Firma hohe Anteile der erwirtschafteten Gewinne einbehält und sie in die Zukunft des Unternehmens investiert, womit die Basis für weiteres Wachstum gelegt wird. Wenn ein Unternehmen diese Strategie verfolgt, schüttet es nur geringe Dividenden aus, aber durch das gestiegene Vertrauen der Anleger sollte es trotzdem zu einem Kursanstieg und zu einer damit eingehender Verbesserung des KGVs kommen.
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