Anwalt des Ex-Ministers
"Man hat Wolf in eine Falle gelockt"
Vier Tage nach dem Selbstmordversuch von Brandenburgs Ex-Bauminister Jochen Wolf in der Untersuchungshaft hat sein Anwalt schwere Vorwürfe gegen die Justiz erhoben. Der Jurist stellte die Ermittlungsarbeit der Potsdamer Fahnder in Frage.
DPA
Ex-Bauminister Wolf: Vom Killer verraten
Potsdam - Am Freitag soll Jochen Wolf erneut einem Staatsanwalt vorgeführt werden. Es gehe um eine Nachvernehmung, sagte sein Anwalt Sven-Oliver Milke am Donnerstag. Wolf hat sich nach dem Suizidversuch vom Dienstag wieder erholt. "Er bereitet sich jetzt auf den Prozess vor", so der Anwalt weiter.
Der ehemaliger Bauminister von Brandenburg hatte nach eigenem Geständnis einen Killer für seine Ehefrau angeheuert. Allerdings habe er angenommen, dass sich der Auftrag erledigt habe, da sich der angebliche Killer nicht mehr meldete. Nachdem sich der Auftragsmörder jedoch bei der Potsdamer Polizei offenbart hatte, war Wolf am vergangenen Freitag am Bahnhof Zoo festgenommen worden.
Wer kam auf die Mord-Idee?
Unterdessen hat der Anwalt des Ex-Ministers schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsarbeit der Potsdamer Fahnder erhoben. Für ihn seien viele Fragen offen, die den Mittelsmann und den von Wolf gedungenen Killer betreffen. So habe Wolf geäußert, der Mittelsmann habe ihn erst auf die Idee gebracht, seine Ehefrau zu ermorden. "Merkwürdig ist auch, dass sich der Tatausführende schon im November bei der Polizei gemeldet hat. Seitdem ist nichts passiert."
Danach habe sich der Mann immer wieder bei Wolf gemeldet, der aber das Vorhaben längst aufgegeben und das vorausgezahlte Geld abgeschrieben habe. Die Arbeitsweise der Ermittlungsbehörden nannte Milke bedenklich. "Man hat Wolf in eine Falle laufen lassen." Milke wollte deshalb am Donnerstag die Ermittlungsakten einsehen.
Anwalt: Wolf ist wieder stabil
Den am vergangenen Dienstag unternommenen Selbstmordversuch bezeichne sein Mandant inzwischen als "Kurzschlussreaktion", ergänzte Milke. Der Anwalt erhob im Zusammenhang mit dem Suizidversuch Vorwürfe gegen die Justizvollzugsanstalt in Brandenburg an der Havel. Dort hatte sich der Ex-Politiker aus einem Einmalrasierer eine Klinge heraus gebrochen und sich die Pulsadern aufgeschnitten. Dies wurde jedoch erst nach Stunden bemerkt.
Nach Wolfs Aussage hatte ein Beamter am Dienstagmorgen gegen 5.30 Uhr die Vier-Mann-Zelle betreten, um die Anwesenheit der Häftlinge festzustellen. Dabei habe er nicht bemerkt, dass "Wolf schon am Verbluten war", sagte sein Anwalt. Ein Mitgefangener hatte Wolf schließlich in lebensbedrohlichem Zustand entdeckt und die Wachen erneut alarmiert.
Schlechte Haftbedingungen
Auch die allgemeinen Haftbedingungen sind nach der Meinung des Anwalts nicht angemessen. Wolf sei wegen Depressionen in psychologischer Behandlung, dementsprechende Notizen auf dem Aufnahmeersuchen der Staatsanwaltschaft seien bei der Einweisung in eine Vier-Mann-Zelle jedoch nicht berücksichtigt worden. Inzwischen seien aber offenbar auf Initiative des Justizministeriums Hafterleichterungen für seinen Mandanten in die Wege geleitet worden, sagte Milke. Er werde in eine Zwei-Mann-Zelle gelegt und gesondert zum Duschen geführt.
Und auch Wolfs ehemaliger Arbeitgeber kommt bei Milke nicht gut weg. Das Wirtschaftsministerium, wo Wolf als Angestellter arbeitete, hatte dem Ex-Minister am Mittwoch die Kündigung angedroht. Wolf war bis zu seiner Verhaftung als Beauftragter für außenwirtschaftliche Projekte tätig. Der Inhaftierte habe sich sehr über das Schreiben seines Dienstherrn aufgeregt. "Er war darauf vorbereitet, fand aber den Zeitpunkt sehr unsensibel", so Milke.
Das Schreiben sei ihm per Boten zugestellt worden, als er nach dem Selbstmordversuch in der Klinik lag. Nach Aussage von Ministeriumssprecher Dirk Reitemeier hat Wolf erst einmal Zeit, Stellung zu nehmen. Über die genaue Frist bestehe derzeit wegen des Suizidversuchs Wolfs keine Klarheit. Der Ex-Minister brauche erst einmal Ruhe.
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