Verhaltene Prognosen fürs laufende Jahr
Europas Großkonzerne verdienen prächtig
Während die europäische Politik zunehmend in Turbulenzen gerät, finden die führenden Industrie- und Dienstleistungskonzerne in Europa festeren Boden unter den Füßen. Die diesjährige Übersicht des Handelsblatts über die 500 größten börsennotierten Unternehmen in Europa liefert dafür einen deutlichen Beleg.
FRANKFURT/M. Nach der Wende im Vorjahr stieg der addierte Gewinn der europäischen Großunternehmen 2004 weiter, und zwar um rund 60 Prozent auf mehr als 370 Mrd. Euro. Die Zeit niedriger Erträge nach dem Einbruch von 2001 haben die Konzerne damit überwunden.
Analysten erwarten, dass viele Unternehmen noch weiter zulegen. Dafür sprechen eine starke Exportnachfrage und weitere Kostensenkungs-Programme. Goldman Sachs etwa kalkuliert für 2005 mit einem durchschnittlichen operativen Zuwachs von zwölf Prozent für europäische Firmen. Im ersten Quartal legten die Nettogewinne im Schnitt um knapp ein Fünftel zu.
Allerdings wird für einige Branchen die Luft dünner. „Die schwache Binnenkonjunktur dürfte besonders für Unternehmen im Konsumsegment weitere Gewinnsteigerungen schwierig machen“, erwartet Udo Rosendahl, Leiter Europäische Aktien bei der Fondsgesellschaft DWS. Auch für Chemie- Stahl- und Telekom-Firmen fallen die Prognosen verhaltener aus.
Im Vergleich dazu hatte das kräftige Wachstum der Gewinne in den beiden Vorjahren noch eine ausgesprochen breite Basis. Abgesehen von Einzelhandel, Bau und Pharma- branche verbuchten 2004 alle großen Industriezweige deutliche Ertragssteigerungen.
Stark verbessert haben sich vor allem die Gewinne in rohstoffnahen Branchen wie Chemie, Stahl sowie im Öl- und Energiesektor. Einen hohen Beitrag zum Gewinnwachstum lieferten ferner Banken und Telekom-Firmen. Die 70 deutschen Firmen unter den Top 500 haben ihren Gewinn 2004 im Schnitt zwar mehr als verdoppelt. Unter den 20 Spitzen-Verdienern in Europa sind aber nur zwei deutsche Firmen, die Deutsche Telekom und der Energieversorger Eon, vertreten.
Nicht zuletzt die Entwicklung im Telekom-Sektor erinnert daran, dass die Gewinndelle in den Jahren zuvor wegen Wertberichtigungen und Sonderabschreibungen so ausgeprägt war. Gemessen an operativen Erträgen und Cashflows wirkt der Turn-around der europäischen Großunternehmen dementsprechend weniger eindrucksvoll. Die Gewinne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) haben sich nach Daten des Informationsdienstes Bloomberg 2004 im Schnitt um knapp ein Fünftel verbessert.
Zudem offenbart eine nähere Analyse der Unternehmensdaten weiterhin gewisse Schwächen bei europäischen Firmen. So haben die Spitzenunternehmen im internationalen Vergleich zwar aufgeholt. Bei Umsatz- und Cashflow-Renditen liegen sie allerdings noch immer um einige Punkte hinter der US-Konkurrenz zurück.
Als gewisse Struktur-Schwäche der europäischen Unternehmenslandschaft lässt sich auch das hohe Gewicht von Finanz- und Energie-Sektor interpretieren. Banken und Versicherungen haben 2004 immerhin noch rund ein Drittel aller Gewinne der Top-500 Firmen erwirtschaftet. Demgegenüber sind die potenziellen Wachstumsbranchen Gesundheit und Informationstechnologie unterrepräsentiert. Angesichts der Flaute im Technologiesektor mag das in den vergangenen Jahren zwar kein großer Nachteil gewesen sein. Mittelfristig könnte sich der Mangel an Hightech-Firmen aber als herbes Defizit erweisen.
Quelle: HANDELSBLATT, Donnerstag, 16. Juni 2005, 09:35 Uhr
...be invested
Der Einsame Samariter
Europas Großkonzerne verdienen prächtig
Während die europäische Politik zunehmend in Turbulenzen gerät, finden die führenden Industrie- und Dienstleistungskonzerne in Europa festeren Boden unter den Füßen. Die diesjährige Übersicht des Handelsblatts über die 500 größten börsennotierten Unternehmen in Europa liefert dafür einen deutlichen Beleg.
FRANKFURT/M. Nach der Wende im Vorjahr stieg der addierte Gewinn der europäischen Großunternehmen 2004 weiter, und zwar um rund 60 Prozent auf mehr als 370 Mrd. Euro. Die Zeit niedriger Erträge nach dem Einbruch von 2001 haben die Konzerne damit überwunden.
Analysten erwarten, dass viele Unternehmen noch weiter zulegen. Dafür sprechen eine starke Exportnachfrage und weitere Kostensenkungs-Programme. Goldman Sachs etwa kalkuliert für 2005 mit einem durchschnittlichen operativen Zuwachs von zwölf Prozent für europäische Firmen. Im ersten Quartal legten die Nettogewinne im Schnitt um knapp ein Fünftel zu.
Allerdings wird für einige Branchen die Luft dünner. „Die schwache Binnenkonjunktur dürfte besonders für Unternehmen im Konsumsegment weitere Gewinnsteigerungen schwierig machen“, erwartet Udo Rosendahl, Leiter Europäische Aktien bei der Fondsgesellschaft DWS. Auch für Chemie- Stahl- und Telekom-Firmen fallen die Prognosen verhaltener aus.
Im Vergleich dazu hatte das kräftige Wachstum der Gewinne in den beiden Vorjahren noch eine ausgesprochen breite Basis. Abgesehen von Einzelhandel, Bau und Pharma- branche verbuchten 2004 alle großen Industriezweige deutliche Ertragssteigerungen.
Stark verbessert haben sich vor allem die Gewinne in rohstoffnahen Branchen wie Chemie, Stahl sowie im Öl- und Energiesektor. Einen hohen Beitrag zum Gewinnwachstum lieferten ferner Banken und Telekom-Firmen. Die 70 deutschen Firmen unter den Top 500 haben ihren Gewinn 2004 im Schnitt zwar mehr als verdoppelt. Unter den 20 Spitzen-Verdienern in Europa sind aber nur zwei deutsche Firmen, die Deutsche Telekom und der Energieversorger Eon, vertreten.
Nicht zuletzt die Entwicklung im Telekom-Sektor erinnert daran, dass die Gewinndelle in den Jahren zuvor wegen Wertberichtigungen und Sonderabschreibungen so ausgeprägt war. Gemessen an operativen Erträgen und Cashflows wirkt der Turn-around der europäischen Großunternehmen dementsprechend weniger eindrucksvoll. Die Gewinne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) haben sich nach Daten des Informationsdienstes Bloomberg 2004 im Schnitt um knapp ein Fünftel verbessert.
Zudem offenbart eine nähere Analyse der Unternehmensdaten weiterhin gewisse Schwächen bei europäischen Firmen. So haben die Spitzenunternehmen im internationalen Vergleich zwar aufgeholt. Bei Umsatz- und Cashflow-Renditen liegen sie allerdings noch immer um einige Punkte hinter der US-Konkurrenz zurück.
Als gewisse Struktur-Schwäche der europäischen Unternehmenslandschaft lässt sich auch das hohe Gewicht von Finanz- und Energie-Sektor interpretieren. Banken und Versicherungen haben 2004 immerhin noch rund ein Drittel aller Gewinne der Top-500 Firmen erwirtschaftet. Demgegenüber sind die potenziellen Wachstumsbranchen Gesundheit und Informationstechnologie unterrepräsentiert. Angesichts der Flaute im Technologiesektor mag das in den vergangenen Jahren zwar kein großer Nachteil gewesen sein. Mittelfristig könnte sich der Mangel an Hightech-Firmen aber als herbes Defizit erweisen.
Quelle: HANDELSBLATT, Donnerstag, 16. Juni 2005, 09:35 Uhr
...be invested
Der Einsame Samariter