versuche es mal kurz zu machen, da ich gerade nicht so viel Zeit habe.
Vor 2 Jahren wollte ich mich gerade im Bereich Motorradzubehör und Bekleidung selbständig machen. Dabei konnte ich natürlich etwas hinter die Kulissen schauen. Es ist richtig, dass wir bei unserer derzeitigen Arbeitszeitentwicklung immer mehr Freizeit haben, ABER: wir haben deswegen i.d.R. nicht mehr Geld zum ausgeben. Die Neuzulassungen bei den Bikes sind zwar ganz ordentlich am steigen (leider, jeder D... meint er bräuchte jetzt eines), aber verdienen tut nicht der, der die Arbeit hat (Händler) sondern die Importeure, was ja auch zu einem gewissen Grade auf die Eurobike zutrifft. Das knappe Geld der Käufer wird nicht in Bekleidung, Zubehör etc gesteckt sondern zuerst mal in ein Bike. Wenn dann noch was übrig ist kommt ein schicker Helm und dann geht´s mit Handschuhen, Lederkombi und als letztes Schuhe dran (aus eigener Lebenserfahrung: ist eigentlich ein trauriger Schwachsinn, da im Fall der Fälle die Knochen die ersten sind, die dran glauben müssen ... und glaubt mir, Qualität macht sich hier mehr als bezahlt; schaut Euch aber mal die lieben Kollegen an, wie sie rumfahren). Vielleicht kommt vorher noch ein wenig Zubehör ans Bike, aber dann war´s das schon.
Wenn nun jemand in ordentliche Bekleidung investiert hat, dann braucht er, einen Sturz mal aussen vor, nicht gleich im nächsten Jahr ne neue Ausstattung. Das Bike wird aber bei einigen jährlich gewechselt. Hier entsteht zugegebenermassen dadurch ein Bedarf an Zubehör und wer Geld hat, braucht auch eine neue farblich zum Bike passende Bekleidung (freut den Händler, ist aber die Aussnahme). Was an Bekleidung am ehesten verschleißt sind Handschuhe, halten so je nach Nutzung 1 bis max. 3 Jahre. Die teuersten kosten derzeit so ca. 500,-DM (das non plus ultra, kauft sich aber keiner s.o.) und die billigsten (Qualität??) gibt´s im Ausverkauf für 10 - 15 ,-DM. Der durchschnittliche VKPreis liegt bei ca. 60-120 DM. Jetzt sag mir mal einer, wie da einer dran verdienen soll, wenn die Aufschläge mit Steuer bei ca. 1,4 - 1,8 liegen für den Einzelhandel. Dass die Eurobike und anderen Grosshändler daran verdienen liegt nur daran, dass sie eben viele Einzelhändler bundesweit beglücken und noch einige der Verkaufsketten (Louis, Hein Gericke, GoTo Helmstudio, etc.), welche aber teilweise ihnen gehören. Genau die und deren Grösse machen aber den Einzelhandel (freien Händler) kaputt, da sie den Preis diktieren (eben freie Marktwirtschaft siehe Woolworth und Konsorten = den Endverbraucher freut´s). Dass nun aber die Eurobike Difi übernommen hat, hat mich umso mehr überrascht. Difi war vor ca. 2 Jahren in einer Sanierungsphase, bei der nicht nur neue Vertriebskonzepte umgesetzt wurden, man sich von Motoport trennte sondern auch noch einige gute Leute die Firma verliessen, mangels Identifikation mit der neuen Marschrichtung. Dass nun diese Bemühungen selbst bei einem der 3 (offentlich habe ich keinen übersehen) grossen Marktbelieferer daneben gingen, überrascht mich. Jedenfalls hat Eurobike nun alle Hände voll zu tun, wenn sie Difi gewinnbringend eigenständig weiterlaufen lassen wollen. In die Äusserung, dass Difi zunächstmal eigenständig bleibt, kann man verschiedenes interpretieren (kein anspruch auf Vollständigkeit): Keine Kapazitäten (personell) um die Übernahme umzusetzen oder um den eigentlich guten Namen Difi am Markt zu halten. Oder aber auch, es ist gezielt, da die Eurobike ja nur eine Dachgesellschaft ist, unter der sich einige Markennamen tummeln (Hein Gericke, Schuh, ...) und es in die Struktur passt.
Alles in allem, so sehr mein Herz bei den Bikes hängt und ich gerne mein Geld damit verdienen würde, eine gesunde Menge Respekt, Misstrauen (im positiven Sinne) ist in dieser Branche angebracht. Ob damit DER Gewinn gemacht werden kann, glaub ich bei der derzeitigen Marktsituation und sozialen Entwicklung unserer Bevölkerung nicht.
Gruss
Timekeeper