Euro mit spektakulärer Kursrally


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Euro mit spektakulärer Kursrally

 
24.11.06 13:15
HANDELSBLATT, Freitag, 24. November 2006, 12:59 Uhr
Devisenmarkt

Euro mit spektakulärer Kursrally


Spekulationen über weitere Zinserhöhungen im Euro-Raum und die erwartete Konjunkturschwäche in den USA haben die europäische Gemeinschaftswährung zwischenzeitlich über die Marke von 1,31 Dollar getrieben. Nun stehen die Chancen gut, dass der Euro ein neues Allzeithoch markiert. Allerdings gibt es, wichtige charttechnische Hürden zu überwinden.


Euro mit spektakulärer Kursrally 2929001
Euro mit spektakulärer Kursrally 2929001
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Euro mit spektakulärer Kursrally 2929001Der Euro kostet derzeit mehr als 1,30 Dollar.

HB FRANKFURT. Mit Kursen von mehr als 1,31 Dollar in der Spitze wertet der Euro zum Dollar am Freitag spektakulär auf. In den frühen Handelsstunden am heutigen Freitag notierte der Euro noch bei 129,50 Dollar. „Das Devisenpaar Euro/Dollar wurde seit mehr als sechs Monaten in einer relativ engen Range gehandelt - da war ein Ausbruch schon länger überfällig“, sagt ein Devisenanalyst. Die Marke von 1,30 Dollar bezeichnet er als ein „prominentes Level für Optionsbarrieren“, nach deren Überschreiten der Markt geradezu explodiert sei. In der Spitze hatte der Euro 1,3111 Dollar erreicht.

„Die Chancen sind gut, dass wir auf dem Weg an das Allzeithoch sind“, sagt Devisenanalystin Sandra Striffler von der DZ Bank voraus. Ende 2004 hatte der Euro mit Kursen von 1,3670 Dollar den höchsten Stand seiner Geschichte erreicht. “Alle wollten die 1,30 sehen. Mir ging die Bewegung aber etwas zu schnell“, urteilt Striffler.

Vor einem weiteren Euro-Anstieg stehen der Analystin zufolge aber gewichtige charttechnische Hürden. So sei der Euro am Vormittag genau an der oberen Linie des Aufwärtstrendkanals bei 1,3113 Dollar abgeprallt. Weitere Widerstände fänden sich nun bei 1,3125 USD und 1,3480 Dollar. „Daran wird der Euro noch zu knabbern haben“, sagt Striffler. Andererseits sei kaum damit zu rechnen, dass der Euro die 1,30 Dollar noch nachhaltig nach unten durchbrechen wird. Sie kündigte an, ihre Prognose für Euro/Dollar im Zuge dieser Entwicklung anzuheben.

Als fundamentale Gründe für die Euro-Aufwertung nennt Striffler die unerwartet positiven Konjunkturaussichten in Deutschland, wie sie etwa der jüngste ifo-Index zeichnete. „Endlich haben sich positive Daten in der Stimmung am Devisenmarkt auch ausgewirkt“, sagt Striffler.

Die erwartete Konjunkturschwäche in den USA könnte im kommenden Jahr am Devisenmarkt auch weiter tiefe Spuren hinterlassen. Denn die US-Notenbank (Fed) wird nach Einschätzung der meisten Analysten versuchen, mit niedrigeren Zinsen die Konjunkturlokomotive zumindest einigermaßen unter Dampf zu halten. Der Dollar dürfte dadurch weiter an Attraktivität verlieren, ein Anstieg des Euro auf sein Rekordhoch von 1,3667 Dollar, das er Ende 2004 aufgestellt hatte, scheint damit nicht mehr fern.

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„Die US-Konjunktur wird sich eintrüben, daher erwarten wir, dass die Fed 2007 kräftig an der Zinsschraube drehen wird“, sagt NordLB-Analyst Tobias Basse, der 2007 mit einem Rückgang der US-Zinsen auf 4,25 Prozent von derzeit 5,25 Prozent rechnet. Das US-Investmenthaus Goldman Sachs erwartet bis Ende 2007 gar einen Rückgang der US-Zinsen auf 4,00 Prozent. Damit würden die Notenbanker einen Teil der Zinserhöhungen der letzten zwei Jahre wieder rückgängig machen.

Der Dollar hatte vor allem 2005 von dem wachsenden Zinsvorteil zum Euro profitiert. Dabei kaschierte der relativ hohe US-Zins das klaffende Leistungsbilanzdefizit der USA. Denn solange die Anlage in US-Dollar attraktiv bleibt, fließt Geld in die weltgrößte Volkswirtschaft und finanziert so den Fehlbetrag. „Wenn sich die US-Konjunktur aber abschwächt und die Zinsen sinken, wird die Frage der Finanzierbarkeit des hohen Leistungsbilanzdefizits wieder hochkochen“, sagt Stefan Bielmeier, Volkswirt bei der Deutschen Bank, der den Dollar Mitte 2007 bei 1,34 Dollar erwartet.

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Immobilienmarkt ist Zünglein an der Waage

„Da ist die Talsohle noch nicht durchschritten“, erklärt Rainer Sartoris, HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die bis vor kurzem extrem niedrigen Zinsen hatten an den US-Immobilienmärkten einen Boom ausgelöst. Verbraucher beliehen ihre Häuser, um damit andere Ausgaben zu finanzieren. Da nunmehr die Zinsen in den USA gestiegen sind, wird diese Art der Geldleihe teuer. „Die Amerikaner müssen sparen, das geht zu Lasten des Konsums, der rund zwei Drittel zur Wirtschaftsleistung beiträgt“, erklärt ein Analyst.

Eine langsameres Wachstum in den USA ist für viele eine ausgemachte Sache, wenn auch die Einschätzungen über das Ausmaß auseinanderdriften. Doch es gibt auch Gegenstimmen: So sagt Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud eine Wende zum Besseren für die US-Konjunktur voraus. Die Fed werde die Zinsen noch zwei Mal auf dann 5,75 Prozent erhöhen. Der Euro wird nach ihrer Einschätzung bis Herbst 2007 auf 1,15 Dollar fallen - und damit leicht unter das Jahresendniveau von 2005.

Renditen werden stagnieren

In der Euro-Zone gehen die Zinsprognosen für 2007 noch stärker auseinander. Nach der November-Umfrage von Reuters rechnet eine Mehrheit der Analysten bis Ende März 2007 mit einem Zinssatz von 3,75 Prozent. Allerdings rechnet fast ein Drittel damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nach der für Anfang Dezember erwarteten Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf dann 3,5 Prozent im nächsten Jahr die Zinsen stabil halten wird. Vereinzelt sagen einige Banken für Ende 2007 auch schon wieder die ersten Zinssenkungen voraus. „Deutschland hat 2006 das Beste gesehen“, erklärt NordLB-Analyst Basse.

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Die jüngste Entwicklung am Rentenmarkt scheint den Konjunkturpessimisten - also denen, die mit sinkenden Zinsen rechnen - Recht zu geben. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die für die Euro-Zone als Referenz gilt, ist seit einigen Wochen auf dem Rückmarsch. Bis Mai stieg sie auf 4,1 Prozent von 3,3 Prozent zum Jahresbeginn. Inzwischen liegt die Rendite mit 3,75 Prozent unter diesem Jahreshoch. Die Renditen der Anleihen mit zwei Jahren Laufzeiten sind dagegen deutlich stärker auf ebenfalls rund 3,7 Prozent von 2,8 Prozent zum Jahresanfang gestiegen. Der Abstand zwischen dem Zins für zehnjährige und zweijährige Anleihen ist damit extrem gering und hat sich an einzelnen Tagen auch schon mal umgekehrt. An dieser flachen Zinsstruktur wird sich Analysten zufolge 2007 nichts ändern. Einen Vorboten für eine Rezession sehen sie darin aber nicht.

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