EU-Kommissar Liikanen kritisiert Beschluss
Straßburg - Das Europäische Parlament hat die Angelegenheit über ein Jahr beraten. Nun ist man endlich zu einem Entschluss gekommen und damit zu einem Beschluss: Werbung, die unverlangt per E-Mail ankommt ("Spam"), wird nicht verboten, wohl aber die so genannten "Cookies".
"Cookies" ("Kekse") sind kleine Dateien, die beim Aufruf einer Internet-Seite auf dem Computer des Nutzers abgelegt werden. Dadurch können die Computer beim nächsten Besuch der selben Seite identifiziert werden. So lassen sich Internet-Dienste personalisieren. Etwa in der Form, dass beim wiederholten Aufruf einer Seite Produkte angeboten werden, für die sich der Nutzer des betreffenden Computers beim letztmaligen Besuch der Website interessiert hat. Der Beschluss des EU-Parlaments sieht nun eine so genannte "Opt-in"-Regelung vor: Cookies dürfen nur noch nach Einwilligung des Internet-Nutzers auf dessen Computer abgespeichert werden. Allerdings besitzen gängige Internet-Zugangsprogramme ohnehin eine Filterfunktion, mit der sich Cookies von Computern fernhalten lassen.
In einem anderen Bereich hingegen wurde, zum Missfallen von Verbänden und EU-Kommissar Liikanen, auf eine Opt-in-Regelung für Werbung verzichtet: E-Mail. E-Mail ist ein besonders effizientes Mittel des Direktmarketings. Im Gegensatz zu ihrem analogen Pendant, der Postwurfsendung, verursacht die E-Werbung weder Druck- noch Vertriebskosten; einmal verfasst, wird sie vieltausendfach versendet. Organisationen wie etwa der Deutsche Multimedia-Verband (DMMV) hatten, wie auch Liikanen, eine Opt-in-Regelung gefordert: Werbung nur nach Erlaubnis. Auf dieses so genannte "Permission Marketing" hält die Werbebranche große Stücke, wegen der großen Werbewirkung. Untersuchungen zufolge löschen mehr als 70 Prozent der Internet-Nutzer Spam-Mails, ohne sie zu lesen. Nur zwei Prozent tun dies mit angeforderter E-Mail-Werbung.
Allein für die USA erwartet das Marktforschungsinstitut Emarketer im kommenden Jahr 68,9 Milliarden Spam-Mails. Ein Problem auch für die Anbieter von Internet-Zugängen: Spam belastet die Leitungs-Infrastruktur. Und das Budget eines jeden Internet-Nutzers, den das Herunterladen von Spam-Mails laut einer EU-Hochrechnung im Schnitt 30 Euro pro Jahr kostet.
Laut Beschluss des EU-Parlaments sollen solche "unerbetenen Nachrichten", wie es in dem Beschluss heißt, verboten werden, die via Telefon, Fax oder SMS auf dem Handy eintreffen. Für E-Mail wurde keine derart klare Regelung beschlossen. EU-Kommissar Liikanen kritisierte den Beschluss. Vor dem Hintergrund, dass das mobile Internet allmählich zum Durchbruch gelangt und künftige Geräte Zwitter aus Handy und Minicomputer sein werden, könne man schlecht SMS-Spam verbieten und den Bereich E-Mails größtenteils ungeregelt lassen. "Wenn wir ein freundliches Klima für die Entwicklung von E-Commerce und mobilen Diensten der dritten Generation schaffen wollen", sagte Liikanen, "dann ist jetzt die Zeit sicherzustellen, dass das Aufkommen von drahtlosen Internet-Diensten nicht behindert durch gewaltige Mengen von Mail-Müll, für die der Verbraucher auch noch bezahlen muss".
Gruß Kostolmoney