USA schwören Rache
Washington: Die USA haben nach den verheerenden Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon Rache geschworen. US-Präsident George W. Bush, der nach offiziellen Angaben selbst das Ziel der Terroanschläge hätte sein sollen, kündigte am Mittwoch (Ortszeit) einen "monumentalen Kampf des Guten gegen das Böse" an. Bush sagte während eines Besuchs des demolierten Verteidigungsministeriums, er sei sehr traurig, aber "es macht mich auch zornig". Die Bundespolizei, die fieberhaft nach den Tätern fahndet, nahm Durchsuchungen in Massachusetts und in Florida vor. Auch in Hamburg wurden im Zusammenhang mit den Anschlägen in den USA Wohnungen durchsucht, wie die Polizei mitteilte. Bush, der von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld begleitet wurde, sagte bei seinem Besuch im Petagon: "Ich bin von dem Ausmaß der Zerstörung überwältigt." Rumsfeld sagte, der Anschlag auf das Pentagon habe aber wohl weit weniger als die bislang vermuteten 800 Opfer gefordert. "Nach allem, was wir gegenwärtig wissen, ist die zunächst verbreitete Schätzung wesentlich zu hoch" Aus Kreisen des Verteidigungsministeriums verlautete, dass rund 200 Mitarbeiter und 64 Passagiere sowie Besatzungsmitglieder des auf das Pentagon geprallten Flugzeugs vermisst würden. Über die Zahl der Opfer im World Trade Center gab es keine verlässliche Zahlen. Einstürzende Überreste des Komplexes brachten angrenzende Gebäude in Einsturzgefahr und erschwerten die Bergungsarbeiten. Feuerwehr und Polizei teilten mit, das Gebiet um das vom Zusammenbruch bedrohte One Liberty Plaza, in dem unter anderem die Zentrale der US-Technologiebörse Nasdaq untergebracht ist, sei geräumt worden. "Da ist eine Delle im One Liberty Plaza. Es steht kurz vor dem Einsturz", sagte ein Feuerwehrmann. In Florida und Boston durchsuchten Polizei und Angehörige des FBI mehrere Wohnungen und Geschäftsräume sowie ein Hotel. FBI-Chef Robert Mueller sagte, es habe noch keine Festnahmen im Zusammenhang mit den Flugzeugentführungen gegeben. Einige der Luftpiraten wurden nach Angaben von Justizminister John Ashcroft in den USA als Piloten ausgebildet. Die insgesamt vier Flugzeuge seien von jeweils drei bis sechs Luftpiraten gekapert worden, die unter anderem mit Messern gedroht hätten. Das vierte Flugzeug war in Pittsburgh abgestürzt. Die Ermittlungen im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in den USA erstrecken sich nach Polizeiangaben auch auf Hamburg. Wie die Polizei am Mittwochabend mitteilte, wurde im Hamburger Stadtteil Harburg eine Wohnung überprüft, in der zwei Personen gewohnt haben sollen, die in die Anschläge verwickelt sein sollen. Über die genaue Tatbeteiligung der beiden Männer könne noch nichts gesagt werden. Das Bundeskriminalamt habe die Ermittlungen übernommen. Der "Bild"-Zeitung (Donnerstagausgabe) sagte der Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz in Hamburg, Reinhard Wagner, es gebe in der Hansestadt ein Netz von Helfern des moslemischen Terroristen Osama bin Laden, die "in bin Ladens Logistik Funktionen haben, möglicherweise als Vermittler von Kontakten oder Wohnraum". Das US-Präsidialamt teilte mit, auch der Amtssitz des Präsidenten und sein Flugzeug Air Force One seien mögliche Anschlagsziele gewesen. "Es gibt wirkliche und glaubhafte Informationen, dass das Weiße Haus und Air Force One Ziele von Terrorakten waren, und dass das Flugzeug, das das Pentagon traf, auf das Weiße Haus gezielt hatte", sagte eine Sprecherin. Als Antwort auf die Terroranschläge in den USA hatte zuvor die NATO erstmals in ihrer Geschichte den Weg für einen gemeinsamen Militäreinsatz frei gemacht. Sollte sich erweisen, dass die Anschläge aus dem Ausland auf die USA gerichtet waren, seien die Voraussetzungen für den gemeinsamen Verteidigungsfall gegeben, sagte NATO-Generalsekretär George Robertson nach einer Sitzung des NATO-Rates in Brüssel. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte am Mittwochabend in Berlin, die Bundesregierung habe noch nicht entschieden, wie sich Deutschland an eventuellen Vergeltungssschlägen der USA beteiligen werde. Darüber "werden wir also noch zu entscheiden haben und dies in unserer eigenen Verantwortung." Es gebe keinen Automatismus für deutsche Militäreinsätze. Die NATO bereitet nach einem Bericht der britischen Zeitung Pläne für einen möglichen Angriff auf Afghanistan vor, falls sich bestätigen sollte, dass der dort vermutete islamische Extremist Osama bin Laden für die Anschläge verantwortlich sein sollte. In der Donnerstagausgabe hieß es unter Berufung auf NATO-Kreise, die regierenden Taliban kämen in diesem Fall unter erheblichen Druck, bin Laden auszuliefern, "oder die Konsequenzen tragen zu müssen".