Erst kaufen, wenn Aktien teurer sind


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calexa:

Erst kaufen, wenn Aktien teurer sind

 
08.03.03 14:34
Ein Tag aus einer anderen Zeitrechnung, dieser 7. März. An jenem Dienstag schloss der Dax bei 8064 Punkten, nachdem er im Handelsverlauf sogar die 8137 Punkte gekratzt hatte. Nichts schien den Höhenflug der Märkte zu stoppen: Allein die Aktie der Softwareschmiede SAP legte zwischen Januar und März 2000 rund 70 Prozent zu. Wer reich werden wollte, kaufte Aktien.

Heute sind die Aktionäre des Jahres 2000 zumindest reich an Erfahrung. Die zäheste Aktienbaisse seit 70 Jahren hat den Dax seitdem um rund 70 Prozent einbrechen lassen. Der "Wachstumsmarkt" Nemax 50 stürzte um 96 Prozent und in die Bedeutungslosigkeit.

Exakt drei Jahre, nachdem der Deutsche Aktienindex  die 8000 Punkte im Sturm genommen hatte, stürzte er am 7. März 2003 unter die 2400 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren. Die Verluste einzelner Dax-Schwergewichte auf Dreijahressicht sind atemberaubend, doch von Einstiegskursen spricht kaum jemand. Willkommen in der neuen Zeit.

Die Daten aus drei Jahren Aktienbaisse sind nicht nur etwas für Statistiker und Masochisten. Mehr als zwölf Billionen Dollar Vermögen sind seit März 2000 weltweit verbrannt. Der Ausverkauf grenzt ebenso an Hysterie wie der Kaufrausch vor drei Jahren, sagen Analysten.

Tiefkurse sind nicht gleich Kaufkurse

Doch Tiefkurse sind nicht gleich Kaufkurse. Wer sich angesichts des dramatischen Ausverkaufs und der scheinbar günstigen Bewertung vieler Aktien wieder an den Markt, muss die Gründe für den Kurssturz richtig einschätzen. Die Gründe für den Absturz liegen nicht nur in dem Ende des New-Economy-Hysterie. Auf das Platzen der Hightechblase im Frühjahr 2000 folgten weitere Nackenschläge, deren Folgen die Märkte noch heute beschäftigen.

Immerhin wurden nicht alle Märkte zerzaust. In den aufstrebenden Märkten China (plus 125 Prozent) und Russland (plus 115 Prozent) haben Anleger ihr Geld seit 2000 mehr als verdoppelt. Nemax (minus 96 Prozent), Dax und die US-Technologiebörse Nasdaq (jeweils minus 70 Prozent) rangieren dagegen auf Dreijahressicht unter den fünf schwächsten Märkten weltweit. Der US-Industrieindex Dow Jones hielt sich dagegen mit einem Verlust von "nur" 32 Prozent vergleichsweise stabil.

So long,
Calexa
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calexa:

Teil 2

 
08.03.03 14:35
Der Dax geriet nicht nur wegen der schwachen Konjunktur in Deutschland, sondern auch wegen der hohen Gewichtung von Technologie- und Finanztiteln zum Prügelknaben. Doch selbst mit Dax-Werten konnten Anleger zwischen März 2000 und März 2003 Gewinne einstreichen. Der Pharma- und Chemiekonzern Altana, dessen Börsenwert sich fast verdoppelte, steht mit Abstand an der Spitze der Krisengewinner im Dax 30.

Bei den Nebenwerten setzte der Kursrutsch mit Verzögerung ein. Erst als sich der Konjunkturabschwung beschleunigte, ging auch der Nebenwerteindex MDax  in die Knie. Die Konsequenz: Unter den im Dax 100 versammelten Werten schafften es mit Puma , Stada , Drägerwerk , Wella , Vossloh  und Schwarz Pharma  sechs weitere Werte, die Performance des Dax-Gewinners Altana  zu übertreffen.

Glücklich, wer die kleine Zahl der Kursgewinner im Depot hat. Für die Mehrzahl der Aktionäre ist es jedoch wichtiger, aus drei Jahren Bärenmarkt die Konsequenzen zu ziehen. Die Aktie ist auch nach drei Jahren Bärenmarkt nicht tot. Der Treppensturz seit 2000 hat verschiedene Stufen: Wenn die Stolpersteine aus dem Weg geräumt sind, gibt es Chancen auf Erholung.

Kehrtwende 2000: Die New-Economy-Blase platzt

Zehn Jahre lang waren die Kurse an den internationalen Aktienmärkten rasant gestiegen. Im März 2000 ging diese Mega-Hausse mit einem finalen Kaufrausch zu Ende. Die zusätzliche heiße Luft am Neuen Markt brachte den Ballon zum Platzen.

Da Werte der "New Economy" scheinbar keine Grenzen kannten, kletterten auch die im Dax notierten Werte aus Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) auf ungeahnte Fallhöhen.

Allein zwischen Januar und März 2000, in den letzten drei Monaten der zehnjährigen Börsenparty, stiegen Dax-Dickschiffe wie Siemens , T-Aktie  und SAP  jeweils um mehr als 50 Prozent. Auch aus diesem Grund fällt der prozentuale Kursverlust der TMT-Titel bis heute so dramatisch aus.

2001: 11. September, Terror und Rezession in den USA

Mit den Überbewertungen der hochgepushten TMT-Werte ist die dreijährige Talfahrt nicht allein zu erklären. Dass Analysten und Anleger nicht mehr nur von Wachstumshoffnungen und künftigen Umsätzen schwärmen, sondern auch wieder auf reale Geschäftszahlen schauen, rechtfertigt nicht das Ausmaß des Kurssturzes seit dem Jahr 2000.

Auch schon damals profitable Old-Economy-Unternehmen wie DaimlerChrysler  oder Fresenius Medical Care  haben seit März 2000 jeweils rund 50 Prozent an Marktkapitalisierung eingebüßt, obwohl sie inzwischen deutlich höhere Gewinne erwirtschaften.

Ein Abschwung der US-Konjunktur im Jahr 2001 war nach zehn Jahren Boom für viele Beobachter noch kein Grund zur Unruhe. Gesunde Abkühlung, Abbau von Überkapazitäten, hieß es. Mit den Terroranschlägen auf New York und Washington am 11. September 2001 veränderte sich die Welt jedoch politisch wie ökonomisch: Das Gefühl von Sicherheit und die Friedensdividende auf Aktie waren dahin. Die Menschen zeigten sich tief verunsichert, und die US-Wirtschaft glitt in eine kurze Rezession.
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calexa:

Teil 3

 
08.03.03 14:36
2002: Enron, Worldcom und die Folgen

Die US-Konjunktur hatte sich nach dem Einbruch im Herbst 2001 bemerkenswert rasch erholt, da sorgten die Bilanzskandale bei Enron, Worldcom & Co. für einen neuen Kurssturz. Was den Terrorpiloten nicht gelang, schaffte eine Gruppe geldgieriger Manager: Das Vertrauen in Corporate America zu erschüttern. Mit schärferen Bilanzierungsregeln steuert die Finanzwelt inzwischen dagegen, doch die Skepsis bleibt groß, nicht nur wegen des jüngsten Skandals beim niederländischen Einzelhandelskonzern Ahold.

Bilanzskandale, Terrorangst und die sich zuspitzende Irak-Krise sorgten dafür, dass sich neben den Anlegern auch die Verbraucher zurück hielten und die Gewinne der Unternehmen weit hinter den Erwartungen blieben.

Der private Konsum ist jedoch die wichtigste Stütze der US-Wirtschaft: Hält sich der Konsument zurück, kommt die Konjunktur nicht in Schwung.

2003: Ölpreisschock und drohender Krieg

Die Weltwirtschaft wackelt weiter. Wegen des drohenden Krieges im Irak ist der Ölpreis im Frühjahr 2003 auf 40 Dollar pro Barrel gestiegen und notiert mehr als 15 Dollar über dem normalen Niveau.

Das ist Gift für die Börsen und für die Konjunktur: Niemand mag für Aktien oder Konsumgüter Geld ausgeben, so dass auch die Unternehmen weiterhin auf die Bremse treten.

Der stete Abwärtstrend an den Börsen zwingt Versicherungen und Pensionsfonds, ihre Aktienquoten trotz niedriger Bewertungen weiter zu reduzieren. Vor allem die angeschlagenen Finanz- und Technologiekonzerne haben sich einen eisernen Sparkurs verordnet, entlassen Mitarbeiter und schlagen Beteiligungen los. Inzwischen nährt die Baisse die Baisse.

So long,
Calexa
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calexa:

Teil 4

 
08.03.03 14:36
Roach: USA droht erneute Rezession

Ölpreis-Schock und die wachsende Zurückhaltung der Konsumenten könnten dafür sorgen, dass die wichtigste Volkswirtschaft der Welt nach ihrer Mini-Rezession 2001 in diesem Jahr erneut in die Rezession abrutscht, fürchtet Stephen Roach, Chefökonom der Investmentbank Morgan Stanley. Da die USA derzeit die einzige Antriebskraft für die globale Konjunktur ist, dürfte ein neuer Rückschlag auch die anderen großen Volkswirtschaften empfindlich treffen.

Auch ein rascher militärischer Erfolg der USA im Irak wird die Schieflage der Weltwirtschaft nicht verändern. Im Jahr 1991, während des ersten Golfkrieges, erzielten neben den USA auch Europa, Japan und Ostasien deutliche Wachstumsraten. Heute ist Japan in der Deflation gefangen, und Deutschland steht kurz davor. Die globalen Indizes steigen und fallen mit den US-Märkten, sie sind im Bann des Konjunkturmotors USA.

So long,
Calexa
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calexa:

noch einmal up für Euch! o. T.

 
09.03.03 18:37
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