Enron-Insolvenz:
Enormer Vertrauensschaden
wb - Die Pleite des amerikanischen Energiehändlers Enron zieht immer weitere Kreise. Marktteilnehmer erwarten einen schweren Vertrauensschaden für das Trading und einen Rückschlag für Deregulierung und Liberalisierung. Als Profiteure gelten die "alten Monopolisten" - in erster Linie Eon und RWE. Sie sind einen lästigen Konkurrenten los.
Industriekunden und vor allem Stadtwerke, die sich mit Enron zumindest Teilmengen im Handel gesichert haben, werden reumütig zu ihren alten Lieferanten zurückkehren. So sollen die Stadtwerke Peine 30 % ihres Gas-Bedarfs bei Enron gedeckt haben. Einen Versorgungsengpass oder gar Ausfall können sich die kommunalen Versorger nicht leisten. Sie werden, unterstützt von politischer Seite, nach diesem Ausflug in den freien Handel, wieder bei traditionellen Adressen kaufen.
Kurzfristig müssen sich einige Stadtwerke und Großkunden aus der Wirtschaft an den volatilen Märkten teuer eindecken - zum Teil schon per 1. Januar 2002. Zumindest auf kürzere Sicht profitieren davon die anderen Player über höhere Notierungen. Mit dem Wegfall der US-Gesellschaft geht dem Markt Liquidität verloren, das Angebot wird knapper und die Preise steigen. Nicht nur, wer jetzt für Enron einsteigt, sackt Windfall Profits ein.
Enron wird als "quirliger, innovativer, sehr aggressiver" Marktteilnehmer beschrieben. Der Enron-Anteil am deutschen Stromhandel (OTC und börslich) wird auf stolze 30 % geschätzt. Enron hat Pionierleistungen auf dem seit Frühjahr 1998 liberalisierten Strommarkt erbracht. Die Kraftwerkskapazität liegt über dem Stromverbrauch. Der Anteil des Handels dürfte bei unter 10 % des Gesamtmarktes liegen, doch gibt es darüber keine genauen Angaben, da Daten zum OTC-Volumen fehlen. Dies dominiert weiter gegenüber dem börslichen Geschäft.
Der Energiehandelsmarkt ist bisher sehr wachstumsstark. Noch deutlicher in Schwung kommen soll er, wenn die Liberalisierung in der EU überall an Fahrt gewinnt. So ist etwa Frankreich kaum dereguliert. Dort sitzt mit EdF Europas Nummer eins, zu der in Deutschland EnBW zählt, und die sich noch unter dem Schutz des Monopols europaweit mit Akquisitionen ausdehnt.
Als Gewinner der aktuellen Situation gelten das Trading von Eon, RWE und EnBW. Diese Händler können mit den Kraftwerkskapazitäten ihrer Konzerne im Hintergrund je nach aktuellem Preis im Vergleich zu den Grenzkosten ihren Bedarf aus eigenen Anlagen oder am Markt decken. Schon wird hierzulande genüsslich auf die Bilanzmanipulationen des US-Konzerns hingewiesen und im Gegensatz zu Enron die vorhandene "vertikale Wertschöpfungskette" der Ex-Monopolisten hervorgehoben. REW und Eon führen längst auch im Stromhandel.
Per definitonem muss ein reiner Händler offene Positionen eingehen und kann nicht, wie Produzenten, Energiederivate durch physische Gegenpositionen decken. Das Geschäftsmodell des Händlers, der zu Ultimo seine Positionen glatt stellen muss, besteht nun einmal darin, Energie auf dem Markt zu kaufen und zu veräußern. Die Versorger sind dagegen über ihre Kraftwerke und Kunden abgesichert.
Börsen-Zeitung, 1.12.2001
Enormer Vertrauensschaden
wb - Die Pleite des amerikanischen Energiehändlers Enron zieht immer weitere Kreise. Marktteilnehmer erwarten einen schweren Vertrauensschaden für das Trading und einen Rückschlag für Deregulierung und Liberalisierung. Als Profiteure gelten die "alten Monopolisten" - in erster Linie Eon und RWE. Sie sind einen lästigen Konkurrenten los.
Industriekunden und vor allem Stadtwerke, die sich mit Enron zumindest Teilmengen im Handel gesichert haben, werden reumütig zu ihren alten Lieferanten zurückkehren. So sollen die Stadtwerke Peine 30 % ihres Gas-Bedarfs bei Enron gedeckt haben. Einen Versorgungsengpass oder gar Ausfall können sich die kommunalen Versorger nicht leisten. Sie werden, unterstützt von politischer Seite, nach diesem Ausflug in den freien Handel, wieder bei traditionellen Adressen kaufen.
Kurzfristig müssen sich einige Stadtwerke und Großkunden aus der Wirtschaft an den volatilen Märkten teuer eindecken - zum Teil schon per 1. Januar 2002. Zumindest auf kürzere Sicht profitieren davon die anderen Player über höhere Notierungen. Mit dem Wegfall der US-Gesellschaft geht dem Markt Liquidität verloren, das Angebot wird knapper und die Preise steigen. Nicht nur, wer jetzt für Enron einsteigt, sackt Windfall Profits ein.
Enron wird als "quirliger, innovativer, sehr aggressiver" Marktteilnehmer beschrieben. Der Enron-Anteil am deutschen Stromhandel (OTC und börslich) wird auf stolze 30 % geschätzt. Enron hat Pionierleistungen auf dem seit Frühjahr 1998 liberalisierten Strommarkt erbracht. Die Kraftwerkskapazität liegt über dem Stromverbrauch. Der Anteil des Handels dürfte bei unter 10 % des Gesamtmarktes liegen, doch gibt es darüber keine genauen Angaben, da Daten zum OTC-Volumen fehlen. Dies dominiert weiter gegenüber dem börslichen Geschäft.
Der Energiehandelsmarkt ist bisher sehr wachstumsstark. Noch deutlicher in Schwung kommen soll er, wenn die Liberalisierung in der EU überall an Fahrt gewinnt. So ist etwa Frankreich kaum dereguliert. Dort sitzt mit EdF Europas Nummer eins, zu der in Deutschland EnBW zählt, und die sich noch unter dem Schutz des Monopols europaweit mit Akquisitionen ausdehnt.
Als Gewinner der aktuellen Situation gelten das Trading von Eon, RWE und EnBW. Diese Händler können mit den Kraftwerkskapazitäten ihrer Konzerne im Hintergrund je nach aktuellem Preis im Vergleich zu den Grenzkosten ihren Bedarf aus eigenen Anlagen oder am Markt decken. Schon wird hierzulande genüsslich auf die Bilanzmanipulationen des US-Konzerns hingewiesen und im Gegensatz zu Enron die vorhandene "vertikale Wertschöpfungskette" der Ex-Monopolisten hervorgehoben. REW und Eon führen längst auch im Stromhandel.
Per definitonem muss ein reiner Händler offene Positionen eingehen und kann nicht, wie Produzenten, Energiederivate durch physische Gegenpositionen decken. Das Geschäftsmodell des Händlers, der zu Ultimo seine Positionen glatt stellen muss, besteht nun einmal darin, Energie auf dem Markt zu kaufen und zu veräußern. Die Versorger sind dagegen über ihre Kraftwerke und Kunden abgesichert.
Börsen-Zeitung, 1.12.2001