Stock-World: Herr Haffa, Gratulation zu den imposanten Geschäftszahlen des 1.
Halbjahres 1999. Mit über 1.100 Prozent Steigerung des Ergebnisses der
gewöhnlichen Geschäftstätigkeit und einem Umsatzanstieg um mehr als 800
Prozent wurden auch die kühnsten Analystenerwartungen übertroffen. In
welchem Bereich konnten Sie die größten Wachstumsraten verzeichnen?
Florian Haffa: Der größte Wachstumsbereich war im ersten Halbjahr der
TV-Bereich. Dort haben wir bereits in den ersten zwei Monaten des Jahres mit
den 20.000 zusätzlichen Episoden aus dem "Junior"-Deal ein Umsatzpotential
generiert, das mit seinen Vermarktungsmöglichkeiten auf das ganze Halbjahr
gewirkt hat. Der Deal hat zudem auch die Basis für zukünftiges Wachstum
geschaffen, ebenso wie das vereinbarte Joint-Ventures mit der Egmont Gruppe
für die Gemeinsame Etablierung der Marke "Junior" durch die Junior.Publishing
GmbH.
Stock-World: Wie sehen Sie die Aussichten für Ihr Unternehmen, diese
explosiven Steigerungsraten auch in Zukunft beibehalten zu können und wie
wollen Sie das erreichen?
Florian Haffa: Ich gehe davon aus, daß wir die Steigerungsraten in absoluten
Zahlen beibehalten können. Natürlich entspricht dies bei unserer aktuellen Basis
nicht mehr Steigerungsraten von 1.100%, vielmehr liegen aber eine Verdopplung
oder Verdreifachung im Bereich des Möglichen.
Stock-World: Für das Gesamtjahr 1999 haben Sie das Umsatzziel von 260
Millionen DM auf 325 Millionen DM angehoben; das Ergebnis nach Steuern wird
jetzt bei 114 Millionen DM erwartet. Werden die Gewinnschätzungen für die
Jahre 2000 und 2001 ebenfalls nach oben korrigiert?
Florian Haffa: Wir haben dieses Jahr das erste mal zu einem aktuellen
Geschäftsjahr Stellung bezogen mit unseren Prognosen von 325 Mio. DM Umsatz
bzw. 114 Mio. DM Ergebnis nach Steuern. Was in den Folgejahren zu erwarten
ist, das überlassen wir noch den Analysten. Ich gehe jedoch davon aus, daß
diese die Gewinnschätzungen nach oben korrigieren müssen.
Stock-World: Können wir in diesem Zusammenhang demnächst noch einige
Roadshows oder ähnliches erwarten?
Florian Haffa: Definitiv ja, life goes on! Mit der Pressekonferenz und der
Hauptversammlung ist unsere Arbeit nicht beendet, schließlich haben wir noch
einiges zu berichten. Und wenn Sie mal eine Woche bei uns verbringen
könnten, würden Sie erleben, daß wir beinahe täglich Investoren oder Analysten
bei uns im Hause haben!
Stock-World: Kürzlich wurde ad hoc bekanntgegeben, daß sich EM.TV an dem
größten deutschen Animationsstudio, der Hamburger TFC Trickcompany GmbH
beteiligen will. Welche Strategie verfolgen Sie mit diesem Schritt und können
Sie uns hinsichtlich der Höhe der Beteiligung und des Kaufpreises aufklären?
Florian Haffa: Wir haben uns ja bereits an den Yoram-Gross-Filmstudios in
Australien mit 50% beteiligt und haben gegenwärtig vor, uns an der Hamburger
Trickcompany zu beteiligen mit dem Ziel, dort die Mehrheit zu übernehmen.
Langfristig, d.h. in einigen Jahren, ist evtl. sogar eine Komplettübernahme
geplant. Die Trickcompany ist in Deutschland das beste, bekannteste und größte
Annimationshaus. Filme wie "Werner" und "Das kleine Arschloch" oder Serien
wie "Pipi Langstrumpf" und "Loggerheads" sind sehr erfolgreich. Unser
Engagement ist einerseits als strategischer Move im Hinblick auf Yoram Gross zu
verstehen. Auf der anderen Seite engagieren wir uns nun auch bei Constantin.
Es ist also sehr naheliegend, daß wir in absehbarer Zeit unseren ersten Kinofilm
herausbringen, der dann unter der Marke "Junior" produziert wird.
Stock-World: Da wird also ein richtig schönes Paket geschnürt, bei dem nicht nur
Material eingekauft, sondern auch produziert wird. Bleiben wir beim Thema
Constantin: Können sie hier unseren Lesern einige Einzelheiten zur Beteiligung
und zum Börsengang nennen?
Florian Haffa: Wir werden uns an der KG mit 25% beteiligen, die gleichzeitig ja
auch 100% der AG hält. Die nun anstehende Bekanntgabe von Details zum
Börsengang ist jedoch Sache der Constantin, hier möchte ich nicht
vorweggreifen.
Stock-World: Aber der Preis, zu dem Sie bei Constantin eingestiegen sind, wird
ja sicherlich nicht der Börsenpreis
sein ...
Florian Haffa: Ich hoffe nicht, schließlich ist es ein pre-IPO-Investment! Nun im
Ernst, neben der strategischen Bedeutung ist es sicherlich auch finanziell
interessant. Meiner Einschätzung nach ist bei der Constantin ein riesiges
Kurspotential gegeben.
Stock-World: Wie sieht es denn eigentlich im Geschäftsbereich
Rechtevermarktung aus. Werden Sie Events wie die Snowboard-WM, Boxkämpfe
von Mike Tyson oder ähnliche Projekte auch zukünftig vermarkten?
Florian Haffa: Der Sport ist ein Bereich, der uns sehr interessiert, da setzen wir
unser Engagement in jedem Fall fort. Die Kooperation mit der FIS läuft über fünf
Jahre, darunter fallen auch die beiden Snowboard-Weltmeisterschaften 2001
und 2003. Mike Tyson soll am 2. Oktober wieder boxen. Und das ist ein kleines
"Schmankerl", das Sie Ihren Lesern mit auf den Weg geben können: denn wenn
dieser Boxkampf zustande kommt, dann reden wir über zusätzliche Umsätze.
Stock-World: Im Rahmen von "Junior.TV" streben Sie weiterhin auch die
internationale Vermarktung Ihres umfangreichen Programmstocks an. Wie sieht
die aktuelle Entwicklung aus? Befinden Sie sich in konkreten Verhandlungen –
wenn ja, mit wem? Können wir schon bald mit weiteren Abschlüssen á la SAT 1
rechnen?
Florian Haffa: Ich gehe davon aus, daß wir schon bald mit weiteren Abschlüssen
ähnlich SAT 1 rechnen können. "Junior" können wir in dieser Form nur einmal
plazieren, aber die Programme können wir sehr wohl auch an andere
Programmanstalten verkaufen. Und unser Ziel ist es natürlich, "Junior" auch
international zu plazieren, ich gehe davon aus, daß wir bald über internationale
Abschlüsse berichten können.
Stock-World: Im Zuge der Neuzusammensetzung des DAX-Indices ist EM.TV
dieses mal nicht berücksichtigt worden, wird jedoch für die nächsten Jahre als
heißer Kandidat gehandelt. Wie kommentieren Sie diese Spekulation und ist ein
Wechsel in den amtlichen Handel für Sie sinnvoll?
Florian Haffa: Es liegt ja nicht nur an uns, sondern auch an den entsprechenden
Gremien. Wir arbeiten daran, daß unser Unternehmen, der Umsatz und somit
auch unser Börsenkurs sich permanent weiterentwickeln. Und wenn wir alle
Voraussetzungen erfüllen, die notwendig sind, dann ist ein Segmentwechsel
unter Umständen interessant für uns. Und erst dann werden wir uns auch konkret
Gedanken darüber machen.
Stock-World: Ihr Kollege aus der Medienbranche, der Herr Thoma, hält Ihr
Unternehmen gemessen an den Umsätzen für überbewertet, wie er der
"Wirtschaftswoche" in einer vergangenen Ausgabe erklärte. Können Sie uns
hierzu ein kurzes Statement geben?
Thomas Haffa: Ich weiß nicht, was den Herrn Thoma dazu bewegt hat, sich so
auszudrücken. Ich kann das nur darauf zurückführen, daß er sich schon länger
nicht mehr mit uns beschäftigt hat. Eines ist sicher: keine Art von Programm ist
so unvergänglich wie das Kinderprogramm. Das bedeutet, daß
Kinderprogramme nicht dem Alterungsprozess von Realproduktionen
unterliegen. Die ältesten Zeichentrickfilme sind nicht selten die erfolgreichsten,
wie Mickey Mouse, die Familie Feuerstein oder die Biene Maja belegen. So hat
z.B. die Biene Maja 1973 wesentlich weniger Geld eingebracht als heute. Und
unsere neuen Produktionen, die wir als Klassiker anlegen, sind nun Garant
dafür, daß wir die kommenden Jahre unsere Sendungen erfolgreich vermarkten
können. Ich spreche dabei nicht einmal von den neuen
Distributionsmöglichkeiten wie z.B. das Internet. Herrn Thoma fehlt offenbar
etwas Fantasie!
Stock-World: Dann wird EM.TV also in das Internetgeschäft einsteigen?
Thomas Haffa: Es ist ganz logisch, daß wir an dem Thema Internet nicht vorbei
können und auch nicht wollen. Die Frage ist, und daran arbeiten wir, welcher
der richtige Weg ist. Wir hätten viele Möglichkeiten, uns an existierenden
Unternehmen zu beteiligen, oder es ist denkbar, daß wir uns entsprechendes
Talent kaufen und es somit selber machen. Ich denke, schon bis Ende diesen
Jahres werden wir uns Klarheit über den Weg verschafft haben.
Stock-World: Nach einer Einschätzung der DG Bank vom 06. Juli, die die
EM.TV-Aktie mit "reduzieren" einstuft, mangelt es auf dem gegenwärtigen
Niveau an Kursphantasie. Weiterhin sei die Aktie zu teuer, die Zahl der
Kinobesucher im ersten Halbjahr 1999 um 17 Prozent rückläufig und die
Steigerungsraten für Werbeaufwendungen im Fernsehbereich mit rund 5
Prozent pro Jahr nur moderat. Ihr Kommentar dazu?
Thomas Haffa: Wie bereits erwähnt, haben Kinderprogramme den Vorteil, nicht
zu altern und sehr leicht international vermarktbar zu sein. Natürlich glaube ich
daran, daß es das Fernsehen zukünftig gibt, daß es Kinder gibt und diese auch
zukünftig Lust haben, in den Ferseher und das Internet zu schauen oder sonstige
Möglichkeiten des visuellen Empfangs nutzen. Also zählen die Punkte, die ich
Ihnen vorhin nannte und deshalb bin ich der Meinung, daß die Geschichte von
EM.TV nicht begrenzbar ist – bei aller Seriösität wird es schwierig, unser
Wachstum zu limitieren. Ein Fersehsender stößt schnell an Limits, um nochmal
auf Herrn Thoma zurückzukommen, nämlich spätestens dann, wenn die
Werbeindustrie nicht mehr zahlt. Aber was kann die Distribution von attraktiven,
nicht alternden Programmen limitieren?
Stock-World: Vielleicht können Sie abschließend unsere Leser mit weiteren
Neuigkeiten zu Ihrem Unternehmen erfreuen? Könnten in der nächsten Zeit
Übernahmen oder Kooperationen anstehen?
Thomas Haffa: Zunächst einmal steht unser Aktiensplit bevor, dieser wird am
Freitag sein und am Montag, dem 16.8. vollzogen werden. Und ich kann Ihnen
auch noch sagen, daß mein Bruder Florian gerade in Kalifornien unterwegs ist,
um dort Verhandlungen mit Unternehmen zu führen. Ich denke wir werden in
den nächsten Wochen mit aufsehenerregenden Meldungen herauskommen
können.
Stock-World: Herr Haffa, wir bedanken uns für dieses aufschlußreiche Gespräch.