EM.TV meldet 2,8 Milliarden DM Verlust Stufenweiser Rückzug aus gekauften Firmen
Werte akquirierter Firmen in Milliarden-Höhe abgeschrieben - Prüfung der Kaufpreise angekündigt
mic/els München - Die EM.TV & Merchandising AG meldet für das Geschäftsjahr 2000 einen Konzernverlust von 2,8 Mrd. DM. Vor allem Firmenwertabschreibungen von 2,0 Mrd. DM, die großteils für die erst im vergangenen Turnus erworbene Formel 1-Beteiligung und die Jim Henson Company fällig wurden, drückten das Ergebnis in den Keller. Der Verlust übertrifft damit den Umsatz von 1,34 Mrd. DM um rund 110 %.
Auf einer als Bilanzpressekonferenz deklarierten Informationsveranstaltung, bei der lediglich untestierte Zahlen und kein Geschäftsbericht vorgelegt wurden, gestand Vorstandsvorsitzender Thomas Haffa ein, dem operativen Geschäft sei nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt worden. Die interne Organisation habe man vernachlässigt, auch die Kontrollmechanismen seien nicht ausreichend gewesen.
EM.TV will für den angestrebten Turnaround die Kosten schon im laufenden Jahr stark reduzieren. Außerdem werde das Unternehmen sich nun auf das Kerngeschäft der Vermarktung von Kinder- und Jugendprogrammen konzentrieren, erklärte Haffa. Alle anderen Beteiligungen würden auf den Prüfstand gestellt. Die Tele München Gruppe werde wie bekannt aus kartellrechtlichen Gründen verkauft. Auch die Jim Henson Company erhalte einen anderen Eigentümer, wenn nicht ein Partner gefunden werde. Bei der Formel 1 zieht sich EM.TV auf das reine Merchandising zurück. Finanzvorstand Rolf Rickmeyer gab bekannt, dass sich der indirekt gehaltene Anteil an der Vermarktungsfirma SLEC bis September von 37,5 % auf gut 17 % verringere. Die Kirch-Gruppe wird demnach mit 57,75 % die Mehrheit erhalten.
Die Abschreibungen im vergangenen Geschäftsjahr, zu denen die Formel 1 auf Konzernebene mit 1,3 Mrd. DM den Löwenanteil beisteuerte, begründete Rickmeyer mit weltweit veränderten Marktbedingungen, Methodenwechsel zur Rechnungslegung IAS und konsequenter Anwendung des Vorsichtsprinzips. Diese Neubewertungen würden die Frage aufwerfen, auf welchen Informationen die damaligen Kaufentscheidungen beruhten: "Sie können überzeugt sein, dass wir diese Frage gemeinsam mit den damals beteiligte Banken, Gutachtern und Wirtschaftsprüfern besprechen werden." Er sagte nicht, woran dabei im Detail gedacht sei.
Die Verbindlichkeiten im Konzern werden mit 5,0 Mrd. DM angegeben. Finanzvorstand Rolf Rickmeyer sagte, die in der AG-Bilanz ausgewiesenen Bankdarlehen von 1,5 Mrd. DM seien durch Verkauf von 49,9 % der Anteile an der Formel 1-Holding Speed um rund 1,2 Mrd. DM reduziert worden.
Der EM.TV-Kurs legte bis gestern Abend um 6,7 % auf 5,60 Euro zu.
- Nebe nstehender Kommentar
- Weitere Berichte Seite 14
Börsen-Zeitung, 2.5.2001
Soviel aus der Börsenzeitung ... um es auf den Punkt zu bringen (alles meine pers. Vermutungen):
Die Kirch-Gruppe als in den 80er Jahren gewachsenes Amigo-Konstrukt unter Strauß, hat es auf mehr als 20 Milliarden Bankverbindlichkeiten gebracht (vielleicht sinds auch schon 30). Allein der Zinsdienst hierfür übersteigt alle "Gewinne" der Konzernbeteiligungen. EM.TV, mit dem Kirch-Zögling Haffa an der Spitze, hat für jenen Cash in der Konzerngruppe gesorgt, den die Banken seit 98 nicht mehr gegeben haben ... daß sich das mit einer ver32.000fachung des Kurses äußerst positiv entwickelt hat, gehört sicherlich zu den ungeplanten Treppenwitzen der (Börsen-)Geschichte.
Daß EM.TV fallengelassen wird, ist schon aus den obigen Worten wie "vorläufig" und "ungeprüft" zu ersehen. Die Tatsache, daß T. Haffa sein Haus in Kitzbühel nicht verkauft, wie urspr. angekündigt, und nach wie vor Mittwochs-Freundschaftsessen mit Kirch im mittäglichen Bayerischen Hof in München pflegt, läßt nur den Schluß zu, daß ein gewisses Maß an gemeinschaftlichem Cashing-Out geplant war und der Niedergang dieser Company keinen von beiden vor irgendwelche Gewissensbisse stellt.
Das Schlimme ist nach wie vor nicht die gesetzgeberische Laxheit, die soetwas ermöglicht, sondern vielmehr die akkumulierte Dummheit in diesem Land, die per Saldo immer noch dem Spruch folgt: "Millionen Fliegen können sich nicht irren, Sch .... usw."
Werte akquirierter Firmen in Milliarden-Höhe abgeschrieben - Prüfung der Kaufpreise angekündigt
mic/els München - Die EM.TV & Merchandising AG meldet für das Geschäftsjahr 2000 einen Konzernverlust von 2,8 Mrd. DM. Vor allem Firmenwertabschreibungen von 2,0 Mrd. DM, die großteils für die erst im vergangenen Turnus erworbene Formel 1-Beteiligung und die Jim Henson Company fällig wurden, drückten das Ergebnis in den Keller. Der Verlust übertrifft damit den Umsatz von 1,34 Mrd. DM um rund 110 %.
Auf einer als Bilanzpressekonferenz deklarierten Informationsveranstaltung, bei der lediglich untestierte Zahlen und kein Geschäftsbericht vorgelegt wurden, gestand Vorstandsvorsitzender Thomas Haffa ein, dem operativen Geschäft sei nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt worden. Die interne Organisation habe man vernachlässigt, auch die Kontrollmechanismen seien nicht ausreichend gewesen.
EM.TV will für den angestrebten Turnaround die Kosten schon im laufenden Jahr stark reduzieren. Außerdem werde das Unternehmen sich nun auf das Kerngeschäft der Vermarktung von Kinder- und Jugendprogrammen konzentrieren, erklärte Haffa. Alle anderen Beteiligungen würden auf den Prüfstand gestellt. Die Tele München Gruppe werde wie bekannt aus kartellrechtlichen Gründen verkauft. Auch die Jim Henson Company erhalte einen anderen Eigentümer, wenn nicht ein Partner gefunden werde. Bei der Formel 1 zieht sich EM.TV auf das reine Merchandising zurück. Finanzvorstand Rolf Rickmeyer gab bekannt, dass sich der indirekt gehaltene Anteil an der Vermarktungsfirma SLEC bis September von 37,5 % auf gut 17 % verringere. Die Kirch-Gruppe wird demnach mit 57,75 % die Mehrheit erhalten.
Die Abschreibungen im vergangenen Geschäftsjahr, zu denen die Formel 1 auf Konzernebene mit 1,3 Mrd. DM den Löwenanteil beisteuerte, begründete Rickmeyer mit weltweit veränderten Marktbedingungen, Methodenwechsel zur Rechnungslegung IAS und konsequenter Anwendung des Vorsichtsprinzips. Diese Neubewertungen würden die Frage aufwerfen, auf welchen Informationen die damaligen Kaufentscheidungen beruhten: "Sie können überzeugt sein, dass wir diese Frage gemeinsam mit den damals beteiligte Banken, Gutachtern und Wirtschaftsprüfern besprechen werden." Er sagte nicht, woran dabei im Detail gedacht sei.
Die Verbindlichkeiten im Konzern werden mit 5,0 Mrd. DM angegeben. Finanzvorstand Rolf Rickmeyer sagte, die in der AG-Bilanz ausgewiesenen Bankdarlehen von 1,5 Mrd. DM seien durch Verkauf von 49,9 % der Anteile an der Formel 1-Holding Speed um rund 1,2 Mrd. DM reduziert worden.
Der EM.TV-Kurs legte bis gestern Abend um 6,7 % auf 5,60 Euro zu.
- Nebe nstehender Kommentar
- Weitere Berichte Seite 14
Börsen-Zeitung, 2.5.2001
Soviel aus der Börsenzeitung ... um es auf den Punkt zu bringen (alles meine pers. Vermutungen):
Die Kirch-Gruppe als in den 80er Jahren gewachsenes Amigo-Konstrukt unter Strauß, hat es auf mehr als 20 Milliarden Bankverbindlichkeiten gebracht (vielleicht sinds auch schon 30). Allein der Zinsdienst hierfür übersteigt alle "Gewinne" der Konzernbeteiligungen. EM.TV, mit dem Kirch-Zögling Haffa an der Spitze, hat für jenen Cash in der Konzerngruppe gesorgt, den die Banken seit 98 nicht mehr gegeben haben ... daß sich das mit einer ver32.000fachung des Kurses äußerst positiv entwickelt hat, gehört sicherlich zu den ungeplanten Treppenwitzen der (Börsen-)Geschichte.
Daß EM.TV fallengelassen wird, ist schon aus den obigen Worten wie "vorläufig" und "ungeprüft" zu ersehen. Die Tatsache, daß T. Haffa sein Haus in Kitzbühel nicht verkauft, wie urspr. angekündigt, und nach wie vor Mittwochs-Freundschaftsessen mit Kirch im mittäglichen Bayerischen Hof in München pflegt, läßt nur den Schluß zu, daß ein gewisses Maß an gemeinschaftlichem Cashing-Out geplant war und der Niedergang dieser Company keinen von beiden vor irgendwelche Gewissensbisse stellt.
Das Schlimme ist nach wie vor nicht die gesetzgeberische Laxheit, die soetwas ermöglicht, sondern vielmehr die akkumulierte Dummheit in diesem Land, die per Saldo immer noch dem Spruch folgt: "Millionen Fliegen können sich nicht irren, Sch .... usw."