ROUNDUP: EM.TV-Aktionäre kritisieren Gründer Thomas Haffa
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die Leid geplagten Aktionäre des Medienkonzerns EM.TV haben auf der Hauptversammlung vernichtende Kritik am zurückgetretenen Gründer Thomas Haffa geübt. "Das Überleben EM.TVs ist noch keineswegs gesichert", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vor 3000 Aktionären in München. Der Rücktritt Haffas wenige Tage vor der Veranstaltung sei "mehr als schäbig" und eine "Flucht aus der Verantwortung." Nach dem Rekordverlust von 2,7 Milliarden DM im vergangenen Jahr forderte sie eine Sonderprüfung.
Der designierte Vorstandschef Werner Klatten kündigte im Zuge der Sanierung des krisengeschüttelten Konzerns den Verkauf fast aller Beteiligungen an, die erst im vergangenen Jahr für Milliardensummen erworben worden waren. Er betonte zudem die Eigenständigkeit des Unternehmens. Der Aktienkurs von EM.TV legte zum frühen Nachmittag um 2,72 Prozent auf 3,78 Euro zu.
KLATTEN: DEUTLICHERE UNABHÄNGIGKEIT VON KIRCHGRUPPE WÜNSCHENSWERT
Klatten betonte, eine deutlichere Unabhängigkeit von der KirchGruppe sei wünschenswert. Die KirchGruppe finanziere nicht seinen Einstieg bei EM.TV. Von den Anteilseignern erhielt Klatten freundlichen Applaus. Bergdolt rief Klatten allerdings zu: "Es wird gemunkelt, Sie sind der Strohmann der KirchGruppe."
Bergdolt sprach sich gegen die vom Unternehmen vorgeschlagene Verschiebung der Abstimmung über die Entlastung des Vorstands aus. Die Entlastung müsse von der Hauptversammlung explizit abgelehnt werden. Auch Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) kritisierte: "Wir stehen vor dem Scherbenhaufen einer völlig überzogenen Expansionspolitik eines Vorstands, der jegliche Bodenhaftung verloren hat." Auch die Strategie Klattens sei "nicht sehr erhellend".
KLATTEN DEUTET MÖGLICHEN AUSSTIEG AUS FORMEL 1 AN
Nach dem Rücktritt Haffas in der vergangenen Woche hatte der "Spiegel"-Manager Klatten die Übernahme von 25,1 Prozent der EM.TV-Anteile angekündigt. Er soll auch den Vorstandsvorsitz übernehmen. "Wir benötigen Liquidität zur Finanzierung unserer Unterdeckung", sagte Klatten. Der Verkauf der Beteiligung an der Tele München Gruppe (TMG) und der Jim Henson Company ("Muppetshow") könne EM.TV Geld zum Abbau der Schulden verschaffen.
Auch bei der Formel 1 sei, vom Merchandising abgesehen, die Überlappung mit anderen Geschäftsfeldern gering. Damit deutete er erstmals an, dass EM.TV ganz aus der Formel 1 aussteigen könnte. In den kommenden Monaten wird wegen eines offenen Darlehens voraussichtlich bereits die Mehrheit an der Formel 1 an die KirchGruppe übergehen. EM.TV hielte dann nur noch gut 17 Prozent an der Formel 1. Klatten bekräftigte, er sei im Gegenzug an der Übernahme unterbewerteter Medientitel interessiert. Dem Vorstand sei bereits eine Reihe von Angeboten gemacht worden.
POSITIVES ERGEBNIS VOR STEUERN UND ZINSEN IM KERNGESCHÄFT 2003 ERWARTET
Nach den Milliardenverlusten im Jahr 2000 rechnet EM.TV in naher Zukunft noch nicht mit schwarzen Zahlen. Im Kerngeschäft erwarte er vor Steuern und Zinsen im Jahr 2003 ein positives Ergebnis, sagte Finanzvorstand Rolf Rickmeyer. ax/DP/hi
01.08. - 13:12 Uhr