Einmal Grauen gefällig?


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JoBar:

Einmal Grauen gefällig?

 
11.10.02 12:51
( funktioniert besonders gut bei Besitzern von soliden Versicherungs-Aktien )

Ich habe lange gerätselt warum die "grundsoliden" Versicherer ( vermaledeite Münchener Rück, vermaledeite!) so abstürzen. Jetzt habe ich beim Surfen durch Zufall beim Untersuchung mit Details dazu gefunden. Hier einige high lights:

*** Ein Großteil des deutschen Finanz- und Versicherungs-Establishments wurde von der seit März 2000 andauernden Börsenbaisse auf dem falschem Fuß erwischt. Als die Süddeutsche Zeitung zum Jahresende 2000 eine Befragung unter 35 Banken durchführte, rechneten die Bankanalytiker auf Sicht eines Jahres mit einem Stand des Dax von mindestens 6000 bis 7.700 Punkten. Am 28. Dezember 2001 notierte der wichtigste deutsche Aktienindex aber bei 5.160 Punkten.
Gerade im Jahr 1999 und im ersten Halbjahr 2000 haben deutsche Lebensversicherungen hohe Neuanlagen in Aktien getätigt. Im Jahr 2000 flossen 125 Milliarden Euro an neuen Kapitalanlagen zu 41% in Aktien. Die damals vielfach nahe den historischen Höchstkursen eingekauften Papiere haben seither rasant an Wert verloren

*** Das Beratungs- und Analyseunternehmen Tillinghast-Towers Perrin schlug ebenfalls Alarm. Im Mai 2001 untersuchten die Spezialisten die Finanzstärke deutscher Versicherer. Die damaligen Schätzungen gingen davon aus, dass die Bewertungsreserven, die am Jahresende 1999 14,4% betragen hatten, am Jahresende 2000 auf 11,2% und zum Ende des 1. Quartals 2001 auf 7,8% abgesunken waren. Die entsprechenden Dax-Werte lagen bei 6.955 Punkten, 6.433 Punkten und 5.829 Punkten. Aktueller Schätzungen von Tillinghast-Towers Perrin liegen derzeit nicht vor. Bei einem aktuellen Dax-Stand von 4.300 Punkten ließe sich die Tendenz einer neuen Berechnung jedoch schon vorab schätzen.

*** ( noch einen für die arme MLP und für die Buchwert-Gläubigen :-)
Der Versicherer Equitable hatte zukünftige Gewinne als Kapital verbucht. Insgesamt wurden auf diese Weise 500 Mio Pfund zusätzliches Kapital ausgewiesen. Equitable ist mit dieser optimistischen Bilanzierungspolitik nicht alleine: Auch Scottish Equitable, eine Tochter der niederländischen Aegon-Gruppe, und Scottish Mutual, ein Ableger der britischen Großbank Abbey National, bilanzieren auf diese Weise.

Die ganze Studie gibt's bei  
www.falkenstein-ag.de/data/Downloads/ lv-studie-Falkenstein.pdf
Das Executive Summary habe ich gleich mal angehängt.

MfG

J

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* Stille Reserven ade -

Die Versicherungsbranche ist unter Druck. Stille Reserven und Fettpolster aus der Zeit des Börsenbooms sind verschwunden. Zwischen 1994 und 2000 hatten deutsche Versicherer ihren Aktienanteil von 12,7 auf 26,4% der gesamten Anlagen hochgeschraubt. Von den 125 Mrd Euro Prämieneinnahmen im Jahr 2000 flossen 41% in Aktien – vielfach zu Kursen nahe den historischen Höchstständen. Nach einer Studie der WestLB hatten die kleineren deutschen Versicherer per 18. September 2001 rund 80% ihrer stillen Reserven verbrannt. Für die gesamte Branche schätzten die Düsseldorfer Analysten einen Rückgang der stillen Reserven um 51,8%.


* Jeder Besitzer einer deutschen Lebensversicherung muss mit Einschnitten rechnen

Im Jahr 3 nach dem Ende der Börsenhausse fällt der Kassensturz bei deutschen
Lebensversicherern ernüchternd aus. "Alle Lebensversicherer müssen ihre
Überschussbeteiligungen senken", prophezeit Heijo Hauser, Geschäftsführer des
Versicherungsberaters Tillinghast-Towers Perrin. Der Rotstift wird sowohl Kapitallebens- als auch Rentenversicherungen treffen. Einzelne Versicherungsnehmer mussten bereits zusehen, wie ihre Rückzahlungswerte um sechsstellige Beträge gekürzt wurden.


* Große Beliebtheit von Lebensversicherungen macht kritische Überprüfung des Sektors notwendig

Mit 85 Millionen Verträgen und einer versicherten Summe von 1,6 Billionen Euro sind Lebensversicherungen neben dem Eigenheim die beliebteste Anlageform der Deutschen. Versicherungsgesellschaften galten bislang als krisenfest und wachstumsträchtig. Doch die Börsenbaisse und die Kürzung der Überschussbeteiligungen wirft die Frage auf, ob die deutschen Sparer auf das richtige Pferd gesetzt haben. Die Beantwortung dieser Frage kann Auswirkungen
auf den gesamten Finanzplatz Deutschland haben.


* Enronitis auch bei deutschen Versicherern?

Rund um den Globus erhalten Sparer Hiobsbotschaften über Performance und Werthaltigkeit ihrer bislang als sicher eingestuften Altersvorsorgeanlagen. In England mussten über eine Million Versicherte der Equitable Life, der ältesten Versicherung der Welt, eine Kürzung ihrer Ansprüche um 16% hinnehmen. In der Schweiz wies die Swiss Life nach Abzug bestimmter Goodwill- und Akquisitionsposten per April 2002 ein negatives Netto-Eigenkapital aus. Im
deflationsgeplagten Japan sind seit 1997 bereits sieben Lebensversicherer in Konkurs gegangen.
Mit der Unruhe um die Bilanzierungsmethoden des Finanzdienstleisters MLP scheint die Aufräumarbeit unter Finanzdienstleistern auch den deutschen Markt erreicht zu haben. In Londoner Bankkreisen wird bereits darüber spekuliert, ob sich MLP zur Beruhigung seiner Situation durch einen „weißen Ritter“ übernehmen lassen muss. Es ist zu erwarten, dass sich die Diskussion um die Bilanzierungsmethoden und Sicherheit deutscher Finanzkonzerne bald auch
auf die Lebensversicherer ausdehnen wird.


* Solidität deutscher Versicherungsverträge hängt stark von Aktien und Anleihen ab

Die Börse spielt für die deutschen Versicherungsgesellschaften mittlerweile eine entscheidende Rolle. Ob es für deutsche Versicherungssparer bei einer Kürzung der Überschussbeteiligung bleibt oder weitergehende Kürzungen und Insolvenzen zu befürchten sind, wird maßgeblich durch die Entwicklung des Kapitalmarktes entschieden. Rund 96% der Anlagen von Lebensversicherern hängen von Börsenkursen und Zinsniveau ab. Das Absinken des DAX auf rund 3.800 Punkte im September 2001 hatte bei ersten Lebensversicherungen bereits zu einer
vollständigen Vernichtung aller stillen Reserven und zur Entstehung stiller Verluste geführt.


* Flucht in Unternehmensanleihen könnte sich als Bumerang erweisen

Um die rückläufigen Erträge im Aktienbereich und die niedrigen Renditen von Staatsanleihen auszugleichen, investieren deutsche Versicherer zunehmend in Unternehmensanleihen. Seit Enron und SwissAir ist jedoch selbst bei vermeintlich soliden Schuldnern erhöhte Vorsicht angebracht. In Europa stammen 70% aller Unternehmensanleihen aus dem Telekom- und Medienbereich. Setzt sich der gegenwärtige Trend der “erosionomics” (= langsam erodierende
Volkswirtschaften und Kapitalmärkte) fort, können die wachsenden Engagements bei
Unternehmensanleihen dazu führen, dass deutsche Lebensversicherer mit ihren
Renditenversprechen noch stärker in Bedrängnis geraten.


* Auch das Engagement in Kreditderivaten verdient Wachsamkeit

Das neue Sicherheitsdenken der Nach-Enron-Ära wirft weitere, in der Öffentlichkeit bislang unzureichend diskutierte Fragen auf. Der Enron-Konzern geriet aufgrund komplexer, nicht aus der Bilanz ersichtlicher Derivatgeschäfte in Konkurs. Auch deutsche Lebensversicherer investieren in Kreditderivate und übernehmen dabei Kreditrisiken, die Banken aus ihren Büchern entfernen möchten. Versicherungen können aufgrund weniger strenger Kapitalauflagen höhere
Kreditrisiken schultern als Banken. Eine solche regulatorische Arbitrage kann zu einer stabilitätsgefährenden Umverteilung und Konzentration von Risiken führen. Versicherer zählen mit rund 20% Marktanteil bereits zu den größten Marktteilnehmern des weltweit auf 2 Billionen US$ geschätzten Kreditderivatebereichs. Der gesamte Bereich wird auch von Regulierungsbehörden erst nach und nach erschlossen.


* Hinweise aus den USA, dass sich deutsche Versicherer auf der Suche nach höheren Renditen zu riskanten Derivatspekulationen verleiten lassen

Deutsche Lebensversicherer investieren derzeit noch in der Hoffnung auf höhere Renditen in Kreditderivate. Wenn aber jahrzehntelang im Kreditgeschäft erfahrene Banken Kreditrisiken abgeben, muss die Frage gestellt werden, ob die Käufer die Risiken in allen Fällen ausreichend erkennen und den Wert der Anlage korrekt bestimmten können. Eine für Finanzplanung, Finanzprodukte und Versicherungen zuständige Tochter von American Express hat sich bei ihrer
Suche nach höheren Erträgen bereits die Finger verbrannt: Amex Financial Advisors verlor mit Kreditderivaten, deren Funktionsweise die Amex-Mitarbeiter nicht richtig verstanden hatten, im Jahr 2001 rund 1 Mrd US$. Auf der verzweifelten Suche nach höheren Zinsen könnten sich auch deutsche Gesellschaften eine blutige Nase holen: Das amerikanischen Branchenmagazin “The
Banker” berichtete jüngst, dass deutsche Lebensversicherer als auffällig große Käufer besonders riskanter Tranchen des Kreditderivate-Bereichs beobachtet wurden.

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www.falkenstein-ag.de/data/Downloads/ lv-studie-Falkenstein.pdf
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