Deutschlands Beitrag zur Kunst-Biennale - Eine U-Bahn für Venedig
Düsseldorf/Venedig (dpa) - Deutschlands diesjähriger Beitrag zur Kunst-Biennale von Venedig dürfte nicht wenig Schmunzeln hervorrufen: Ausgerechnet eine U-Bahn-Station für die Lagunenstadt wird der deutsche Pavillon bei der weltweit wohl wichtigsten Kunstschau präsentieren.
Doch in welcher Form sich das künstlerische Projekt vom 15. Juni an bis 2. November in den «Giardini» Venedigs präsentieren wird, darüber mag der Kurator des deutschen Pavillons, der Düsseldorfer Museumsleiter Julian Heynen, «aus verschiedenen Gründen» noch nicht reden. Fest steht: Die U-Bahn stammt aus dem Ideenfundus des 1997 gestorbenen Künstlers Martin Kippenberger, der posthum mit der Fotokünstlerin Candida Höfer den Pavillon «Germania» mit dem martialischen Säulen-Entree bestücken wird.
Der Multimedia-Artist Kippenberger, Maler, Zeichner, Objektemacher und Konzept-Künstler, strickte seit Anfang der 90er Jahre an der Idee eines weltweit gespannten «Metro-Net», für das er drei stationäre «Haltestellen» in Kanada, auf der griechischen Insel Syros und der Leipziger Messe noch zu Lebzeiten verwirklichen konnte. Gemeinsam mit rund zwei Dutzend Fotos der Wahl-Kölnerin Candida Höfer, allesamt Darstellungen menschenleerer Innenräume der verschiedensten Art, schlägt der Eulenspiegel-Gedanke «Kippis» Funken: Auf denkbar unterschiedliche Weise stellen beide die Frage nach dem Ort und der Rolle des Menschen in den postmodernen Zeiten globaler Märkte und Medien. Und beide waren nach Heynens Einschätzung - gemessen an ihrer Bedeutung - im Ausstellungsgeschehen bislang unterrepräsentiert.
Die 1944 in Eberswalde geborene Becher-Schülerin Höfer geht in ihren oftmals verrätselten, von irritierendem Licht durchschienenen halb-öffentlichen Innenräumen wie Bibliotheken, Büros oder Parkhäusern durch das strikte Auslassen von Personen auf die Spurensuche nach dem Menschen. Kippenberger, das Enfant terrible der Gegenwartskunst und laut Heynen vorschnell als «Wilder Maler» und «Punk-Künstler» verschlissen, stellte sich dem sozialen Aspekt mit der radikalen Frage nach der eigenen Künstlerexistenz. Mit Zeichnungen auf Hotelpapier, den Grundriss-Skizzen seiner zahlreichen Wohnungen oder - kurz vor dem frühen Tod mit 44 Jahren - als Selbstdarsteller auf dem nachgemalten «Floss der Medusa» à la Gricault, zeigte sich der gebürtige Dortmunder unbehaust und nur im wirbelnden Leben des Künstlers verankert.
Bedenken, posthum ein Konzept-Werk nachzubauen, hat der Kurator nicht: «Der Nachlass Kippenberger, der noch lebende Architekt des Projektes und ich, wir waren uns sehr einig, es geht.» Ohnehin delegierte der Künstler gern die Vollendung seiner Arbeiten an andere. Vielleicht, so Heynen geheimnisvoll schmunzelnd, «hängen ja auch nur fünf Zeichnungen an den Wänden, die das Projekt beschreiben». Die Tatsache, dass kurz nach der Entscheidung des Kurators zur Fortsetzung des globalen «Metro-Net» die Medien meldeten, Venedig wolle tatsächlich eine U-Bahnlinie vom Flughafen in die Innenstadt bauen, zeigt einmal mehr: Kippenberger und die Kunst sind dem Leben wie immer eine Nasenlänge voraus.
Düsseldorf/Venedig (dpa) - Deutschlands diesjähriger Beitrag zur Kunst-Biennale von Venedig dürfte nicht wenig Schmunzeln hervorrufen: Ausgerechnet eine U-Bahn-Station für die Lagunenstadt wird der deutsche Pavillon bei der weltweit wohl wichtigsten Kunstschau präsentieren.
Doch in welcher Form sich das künstlerische Projekt vom 15. Juni an bis 2. November in den «Giardini» Venedigs präsentieren wird, darüber mag der Kurator des deutschen Pavillons, der Düsseldorfer Museumsleiter Julian Heynen, «aus verschiedenen Gründen» noch nicht reden. Fest steht: Die U-Bahn stammt aus dem Ideenfundus des 1997 gestorbenen Künstlers Martin Kippenberger, der posthum mit der Fotokünstlerin Candida Höfer den Pavillon «Germania» mit dem martialischen Säulen-Entree bestücken wird.
Der Multimedia-Artist Kippenberger, Maler, Zeichner, Objektemacher und Konzept-Künstler, strickte seit Anfang der 90er Jahre an der Idee eines weltweit gespannten «Metro-Net», für das er drei stationäre «Haltestellen» in Kanada, auf der griechischen Insel Syros und der Leipziger Messe noch zu Lebzeiten verwirklichen konnte. Gemeinsam mit rund zwei Dutzend Fotos der Wahl-Kölnerin Candida Höfer, allesamt Darstellungen menschenleerer Innenräume der verschiedensten Art, schlägt der Eulenspiegel-Gedanke «Kippis» Funken: Auf denkbar unterschiedliche Weise stellen beide die Frage nach dem Ort und der Rolle des Menschen in den postmodernen Zeiten globaler Märkte und Medien. Und beide waren nach Heynens Einschätzung - gemessen an ihrer Bedeutung - im Ausstellungsgeschehen bislang unterrepräsentiert.
Die 1944 in Eberswalde geborene Becher-Schülerin Höfer geht in ihren oftmals verrätselten, von irritierendem Licht durchschienenen halb-öffentlichen Innenräumen wie Bibliotheken, Büros oder Parkhäusern durch das strikte Auslassen von Personen auf die Spurensuche nach dem Menschen. Kippenberger, das Enfant terrible der Gegenwartskunst und laut Heynen vorschnell als «Wilder Maler» und «Punk-Künstler» verschlissen, stellte sich dem sozialen Aspekt mit der radikalen Frage nach der eigenen Künstlerexistenz. Mit Zeichnungen auf Hotelpapier, den Grundriss-Skizzen seiner zahlreichen Wohnungen oder - kurz vor dem frühen Tod mit 44 Jahren - als Selbstdarsteller auf dem nachgemalten «Floss der Medusa» à la Gricault, zeigte sich der gebürtige Dortmunder unbehaust und nur im wirbelnden Leben des Künstlers verankert.
Bedenken, posthum ein Konzept-Werk nachzubauen, hat der Kurator nicht: «Der Nachlass Kippenberger, der noch lebende Architekt des Projektes und ich, wir waren uns sehr einig, es geht.» Ohnehin delegierte der Künstler gern die Vollendung seiner Arbeiten an andere. Vielleicht, so Heynen geheimnisvoll schmunzelnd, «hängen ja auch nur fünf Zeichnungen an den Wänden, die das Projekt beschreiben». Die Tatsache, dass kurz nach der Entscheidung des Kurators zur Fortsetzung des globalen «Metro-Net» die Medien meldeten, Venedig wolle tatsächlich eine U-Bahnlinie vom Flughafen in die Innenstadt bauen, zeigt einmal mehr: Kippenberger und die Kunst sind dem Leben wie immer eine Nasenlänge voraus.