Fand einen interessanten Artikel zu betandwin und der Frage, ob private Wettanbieter seriöser arbeiten als staatliche. Das würde ich ja eigentlich bestreiten wollen, aber die jüngste Vergangenheit scheint dem österreichischen Autor recht zu geben:
Gastkommentar von Andreas Wölfl*
Der Wettskandal in unserem nördlichen Nachbarland zieht immer weitere Kreise - nun wurde auch bestätigt, dass österreichische Buchmacher geschädigt worden sind. Der grosse Gewinner des Skandals dürfte aber bereits feststehen: betandwin. Der Online-Bookie hat einerseits keinen Schaden durch Manipulation davongetragen, andererseits - und das ist viel wichtiger - hat sich gezeigt, dass das Monitoring einfach perfekt passt.
Und das passt auch ins Bild: betandwin hat einfach weiterhin alles im Griff und kann den ungebrochenen Wachstumskurs weiter fortsetzen. Dass die kriminellen Machenschaften in erster Linie über den Staatsmonopolisten Oddset abgewickelt wurden, verwundert nicht wirklich. Es zeigt aber im Vorfeld der Fussball-WM ganz klar, dass die de facto Kriminalisierung privater Wettanbieter in Deutschland nicht nur überholt ist sondern schlicht und einfach vor dem Aus steht.
Bleibt natürlich die Frage, was eine weitgehende Liberalisierung des Bookie-Marktes in Deutschland für betandwin bedeuten würde. Die Konkurrenz, hauptsächlich aus UK und wahrscheinlich auch aus den USA würden sicherlich auf den deutschen Markt schwappen und die Kundengewinnungskosten in die Höhe schiessen. Auf den ersten Blick gar kein so gutes Szenario für betandwin und seine Aktionäre, aber eine Sache sollte man nicht vergessen: Auch ein Schröder-Deutschland kann sich nicht ewig gegen die Liberalisierung streuben, aber die Mühlen der Bürokratie mahlen noch deutlich langsamer als in Österreich, Der Staatsmonopolist wird also alles unternehmen, wenigstens bis zur Heim-WM der starke Player ohne lästige Konkurrenz zu bleiben. Und das wiederum ist ein geradezu ideales Szenario für betandwin-Aktionäre.
Man stelle sich nur vor, dass baw mit seiner Deutschland-Lizenz bis zur WM weiterhin derart dynamisch wächst und ab 2007 bei stagnierenden bis leicht fallenden Marketingausgaben einen entsprechenden Gewinnschub hinlegt. Eine Steigerung des Hold auf knapp 250 Mio. Euro ist nicht auszuschliessen und selbst Marketingausgaben, die immer noch dem Doppelten der Ausgaben 2004 entsprechen, würden einen Gewinn je Aktie in der Region 7,50 Euro realistisch erscheinen lassen. Zugegeben, das ist schon ein Szenario in dem so ziemlich alles aufgeht, aber wenn man dieses Szenario weiterdenkt kommt irgendwann 2007/08 die Liberalisierung und die Kundengewinnungskosten schiessen in die Höhe. Für einen Big Player in UK oder USA stellt sich dann natürlich auch die Frage, ob eine Akquisition in Europa nicht deutlich billiger kommt, als den Markt von ganz neuem mit teurem Geld aufzurollen. Und was wäre wohl ein fairer Übernahmepreis für eine betandwin die immer noch wächst und knapp 7,50 Euro Gewinn je Aktie macht?
* Andreas Wölfl (früher Leiter des BE-Research, jetzt Minerva Investments) präsentiert als Gastkommentator täglich exklusiv sein Investment-Tagebuch im Börse Express, www.boerse-express.at
Aus dem Börse Express vom 7.2.