Ein Szenario zum Fürchten

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Ein Szenario zum Fürchten

 
13.11.02 13:23
#1
Die Preise fallen auf breiter Front. Weil es morgen billiger ist als heute, kauft kein Kunde etwas, investiert kein Unternehmen mehr. Löhne und Gehälter werden gekürzt. Schuldner können ihre Kredite nicht mehr tilgen. Banken brechen zusammen, Betrieben geht das Geld aus. Die Wirtschaft schrumpft. Auf Jahre hinaus.

Die Angst vor einer Deflation in Deutschland ist stark übertrieben

Droht den Deutschen jetzt ein solches Schicksal? Sind sie dabei, in eine Deflation zu schlittern, die womöglich gar in eine Depression mündet? Sind in der Bundesrepublik ähnliche Verhältnisse zu befürchten wie in Japan, dessen Volkswirtschaft seit einem Jahrzehnt dahindümpelt und immer wieder ins Minus rutscht? Die Sorgen vor der Deflation reichen bis in höchste deutsche Regierungskreise. So hört man vom grünen Vizekanzler und Außenminister Joschka Fischer, dass ihn Ängste plagen, das Preisniveau könne dauerhaft sinken – mit verheerenden Folgen für die Wirtschaft.

Seit die Spekulationsblase an den internationalen Aktienbörsen geplatzt ist, sich die Erholung der Weltwirtschaft verzögert und den Vereinigten Staaten eine nochmalige Rezession droht, geht in der Welt das Gespenst der Deflation um. Zwar kann niemand eine solche verhängnisvolle Abwärtsspirale in den USA und in Europa ausschließen; doch die Fakten sprechen eher dagegen. Historische Vergleiche, insbesondere mit den Ursachen der großen Depression Anfang der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, sind alles andere als stichhaltig.

Wie in der amerikanischen Geld- und Finanzpolitik sind in Europa trotz des Stabilitäts- und Wachstumspakts keine Weichenstellungen zu erkennen, die in Richtung Deflation führen könnten. Das gilt, bei mancher berechtigten Kritik im Detail, auch für die Sparpolitik der rot-grünen Bundesregierung.

Weder in der Berliner Regierungszentrale noch in der Deutschen Bundesbank werden die Ängste des Obergrünen Fischer geteilt. „Wir haben keine Deflationsgefahren in Deutschland“, verkünden unisono Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark und ein Wirtschaftsberater von Kanzler Gerhard Schröder. Und Finanzminister Hans Eichel, der gerade seine Pläne für den Abbau des Defizits im Staatshaushalt um zwei Jahre gestreckt hat, erklärt selbstsicher: „Ich bin kein Brüning“ – Heinrich Brüning, von März 1930 bis Mai 1932 Reichskanzler, war nach einem späteren Urteil des Wirtschaftswissenschaftlers Willi Albers „der ausgeprägteste Vertreter einer Deflationspolitik“. Durch die Drosselung der Staatsausgaben hatte er wesentlich zur Verschärfung der Wirtschaftskrise vor mehr als siebzig Jahren beigetragen.

Noch vor kurzem wurde der Euro als Preistreiber beklagt

Ein andauernder Rückgang des Preisniveaus gilt aus zweierlei Gründen als gefährlich: einerseits, weil Verbraucher ihre Kaufentscheidungen und Betriebe ihre Investitionen in der Erwartung hinausschieben, künftig preiswerter davonzukommen; andererseits, weil die Zinspolitik der Notenbank, eines der wichtigsten Instrumente zur Konjunktursteuerung, schnell zur stumpfen Waffe wird.

Doch tatsächlich sind anhaltend rückläufige Preise nicht in Sicht. Noch steigen die Verbraucherpreise, auch wenn die Inflationsraten im Vergleich zum Vorjahr geringer geworden sind. Die Bundesrepublik befindet sich in einer Phase der „Disinflation“ (siehe Kasten „Deflation ist…“). In der Eurozone liegt der Preisanstieg sogar beharrlich über der Marke von zwei Prozent, die sich die Europäische Zentralbank – rigider als die meisten Zentralbanken anderswo – als Stabilitätsziel gesetzt hat. Zudem ist es erst wenige Monate her, da verging „praktisch kein geselliges Beisammensein, ohne dass der ,Teuro‘ als Gegenstand allgemeinen Wohlklagens höchste Priorität genoss“, wie der Ökonomieprofessor Wolfgang Franz süffisant anmerkt.

Aber selbst wenn die Preise tatsächlich einmal im kompletten Jahresvergleich nachgeben, muss das noch kein Anlass zur Panik sein. Das hat die Bundesrepublik mehrmals – 1950, 1953 und zuletzt 1986 – erlebt. Die Wirtschaft brach nicht ein.

In den fünfziger Jahren gab es sogar eine öffentliche Debatte darüber, ob nicht die Unternehmen generell die Preise senken sollten, statt die Löhne zu erhöhen, um den Konsumenten den Kauf ihrer Produkte zu ermöglichen. In einer Meinungsumfrage von Allensbach im Jahre 1956 befürworteten 81 Prozent der Befragten niedrigere Preise. Die Erfahrungen mit der großen Inflation in den zwanziger Jahren wirkte in der Bevölkerung nachhaltiger als das Leid in der großen Depression. Sogar Wirtschaftswissenschaftler plädierten in früheren Jahrzehnten für ein Absenken der Preise. Die einen, wie der Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek, versprachen sich davon eine Stabilisierung des Wirtschaftsablaufs, andere erhofften sich eine Forcierung des technischen Fortschritts.

Die Theorien wurden nie in die Praxis umgesetzt. Gleichwohl erlebten die Deutschen seit der Reichsgründung 1871 zwei Phasen mit rückläufigen Preisen – mit gegensätzlichen Folgen. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, das von Wirtschaftshistorikern zuweilen fälschlich als Depression bezeichnet wurde, fiel das Preisniveau in Deutschland zwar um zehn Prozent, aber die Pro-Kopf-Einkommen nahmen (bei großen Unterschieden zwischen einzelnen Wirtschaftszweigen) durchschnittlich um 75 Prozent zu. Es war die Zeit der Industrialisierung. Trotz tendenziell sinkender Preise wuchsen die Industrieproduktion und die Volkswirtschaft insgesamt nur mit wenigen Unterbrechungen Jahr für Jahr.

Katastrophal dagegen die Weltwirtschaftskrise, die durch den Börsenkrach in New York am 29. Oktober 1929 ausgelöst wurde und an die heute viele beim Stichwort Deflation denken. Weltweit verfielen zwischen den Jahren 1929 und 1933 die Preise (in Deutschland mit Jahresraten bis zu elf Prozent). Die Arbeitslosenzahlen schnellten in den großen Industrienationen nach oben. In Deutschland verdreifachte sich die Erwerbslosenzahl auf fast sechs Millionen – bei zwölf Millionen Beschäftigten. Banken krachten zusammen, Unternehmen wurden in die Pleite getrieben, der Welthandel stürzte ab. In Deutschland und Großbritannien wurden Löhne, Gehälter und Arbeitslosenunterstützung drastisch gekürzt.

Das alles soll sich demnächst wiederholen? Es ist ausgeschlossen, dass die Regierungen und Notenbanken die gravierenden Fehler von damals wiederholen. Ausgeschlossen, dass alle großen Industriestaaten wie damals auf einen Wirtschaftseinbruch mit radikalen Kürzungen im Staatshaushalt reagieren und damit die Krise wie ein Bündnis gegen Arbeit vertiefen; der deutsche Kanzler Heinrich Brüning strich die Reichsausgaben um ein Drittel zusammen und trieb per Notverordnung die Steuer- und Abgabenlast nach oben. Ausgeschlossen auch, dass die Zentralbanken strauchelnde Banken nicht ausreichend mit Liquidität versorgen.

Undenkbar wäre schließlich eine vergleichbare Zuflucht aller Länder zum Protektionismus, mit dem zum Schaden aller die eigene Wirtschaft vor Konkurrenz geschützt werden sollte. Im EU-Binnenmarkt ist es ohnehin ausgeschlossen. Gegen einen allgemeinen Abwertungswettlauf mit dem Ziel, sich auf Kosten der übrigen Handelspartner vermeintliche Vorteile zu verschaffen, würde der Internationale Währungsfonds (IWF) einschreiten. Und der IWF würde auch einspringen, wenn andere Notenbanken einer Zentralbank – wie damals der Reichsbank geschehen – einen Kredit verweigern und sie somit in die Zahlungsunfähigkeit treiben.

Auch wenn eine Neuauflage der damaligen Katastrophe ausgeschlossen scheint, wie begründet sind die Befürchtungen, den Amerikanern und Europäern – vor allem den Deutschen – stünde ein „japanisches Jahrzehnt“ bevor? Immerhin haben bei einem Finanzmarkttest des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ein Fünftel der befragten 270 Analysten zu Protokoll gegegeben, sie sähen die Gefahr, dass die USA in eine Deflationsspirale abgleiten. Und im jüngsten Gutachten der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute hat das Berliner DIW, das häufig die Wirtschaftsentwicklung pessimistisch beurteilt, in einem Minderheitsvotum vor einem „Aufkeimen von Deflation“ in der Bundesrepublik gewarnt. Das sei „ein schleichender Prozess, dessen Beginn bei einer Fortsetzung der Stagnation nicht mehr ausgeschlossen werden kann“.

Die Ähnlichkeiten zwischen den Wirtschaftsblöcken sind im Wesentlichen auf ein Ereignis begrenzt: dem Platzen der Spekulationsblase an den Aktienbörsen. Der Absturz der Aktienkurse leitete in Japan das Deflationsjahrzehnt ein. Anders als beispielsweise in den USA brachen in Japan jedoch auch die dort spekulativ aufgeblähten Immobilienpreise ein – Anfang der neunziger Jahre war angeblich allein der Kaiserpalast genauso viel wert wie ganz Kalifornien. Als beide Blasen in Japan platzten, waren die Sicherheiten für die Bankkredite nichts mehr wert. Das ganze Bankensystem geriet in die Schieflage. Regierung, Notenbank und Banken handelten zu spät und zu zögerlich. Noch heute laborieren die japanischen Banken an ihren faulen Krediten herum.

In den USA hat die Notenbank dagegen sehr schnell mit kräftigen Zinssenkungen reagiert. Die Haushalts- und Steuerpolitik ist auf Expansionskurs. Und in der Eurozone lässt die Europäische Zentralbank (EZB) ein starkes Anwachsen der Geldmenge zu – wahrlich kein Hinweis auf eine bevorstehende Deflation. Das heißt nicht, dass die EZB nichts mehr für Wachstum und Beschäftigung tun könnte. Selbst die strengen Währungshüter vom IWF empfehlen seit langem Zinssenkungen. Die EZB könnte noch ein Übriges tun und die Zielmarke für die Inflation nach oben verschieben, um so den Abstand zur riskanten Null-Linie zu vergrößern. Auch außenstehende Beobachter wie Jeremy Peat, Chefvolkswirt der Royal Bank of Scotland, monieren, dass sich die EZB mit dem bisher fixierten Inflationsziel „unnötig unflexibel“ mache.

Weit und breit keine ernst zu nehmenden Prognosen

Gerade den Deutschen, die wegen ihrer geringen Inflationsrate besonders hohe Realzinsen in Euroland zu verkraften haben, würden in der Wirtschaftsflaute niedrigere Zinsen helfen. Doch abgesehen von Kassandrarufen einzelner Wissenschaftler gibt es weit und breit keine ernst zu nehmenden Prognosen, die der Bundesrepublik eine Deflation vorhersagen. Auch der eher vorsichtige Stab des IWF prophezeit den Deutschen in den kommenden Jahren wieder leicht höhere Steigerungsraten bei den Verbraucherpreisen – bei gleichzeitiger Erholung der Wirtschaft.

Niemand wird behaupten, dass die derzeitige wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik rosig ist. Aber nicht nur die Preise, auch die Löhne und Gehälter, zum großen Teil in Tarifverträgen festgelegt, steigen weiter. Auch die Bankenkrise hierzulande ist nach Auffassung von Finanzaufsicht, Bundesbank und Bundesfinanzministerium keineswegs mit der japanischen Krise vergleichbar: In Deutschland geht es um zu hohe Kosten und mangelnde Erträge, aber nicht um die Existenz der Kreditinstitute.

„Dass viele Bekleidungsgeschäfte in den letzten Wochen beachtliche Preisnachlässe gewährt haben, stellt nun wirklich keinen Beleg für eine Deflation dar“, schreibt der Ökonom Wolfgang Franz. „Warum“, so seine rhetorische Frage, „freuen wir uns nicht über das erreichte Maß an Preisniveaustabilität?“

Quelle: www.zeit.de/2002/46/Deflation
Ein Szenario zum Fürchten Happy End
Happy End:

++ UP ++

 
13.11.02 23:25
#2
­
Ein Szenario zum Fürchten Loepi
Loepi:

Ja, gut,

 
14.11.02 00:12
#3
gibt es einen Weg aus dem Strudel nach unten ?
Ich meine: nö
Wir werden alle von dem zehren müssen was da ist.
Der "angefressene Speck" muß verteilt werden.

Da wird sich die "Regierungsgesellschaft, Körperschaft"§ aber dagegen wehren.

Immer mehr Menschen  werden versuchen andere
zu übervorteilen- da kommt was-
genau das Gegenteil der "Spaßgesellschaft"- und viele können
gar nicht ums Überleben kämpfen
weil sie zu viel bisher  geschenkt gekriegt haben in den Hintern
geschoben ohne Arbeit und Leistung.
na ja, was solls.

Ich denke mit Grauen daran was für eine Zukunft unsere Kinder erwartet,
eine zerfletterte, vielleicht sogar verfilzte Regierung ohne Perspektiven -
lauter Einzelkämpfer ohne ersichtliche Gesamtaufgabe.

Das gibt was hin.



.

Hoffnungslos Löpi

   
Ein Szenario zum Fürchten Loepi
Loepi:

Ohne Worte:

 
14.11.02 00:40
#4
 

 cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=1787998016
Ein Szenario zum Fürchten Happy End
Happy End:

Also ich weiß nicht...

 
14.11.02 08:25
#5
ob ich bei DER Versteigerung mitbieten würde *lol*
Ein Szenario zum Fürchten Karlchen_I
Karlchen_I:

Jetzt weiß ich, dass der happy immer wieder

 
14.11.02 08:51
#6
halbgare, geschwätzige Artikel liest.

Nur mal so:

- Kein Wort über die riesige Immobilienblase, die sich in den USA herausgebildet hat.

- Nichts darüber, dass Deflation auch ohne platzen einer Immobilienblase entstehen kann.

- Keine Unterscheidung zwischen hausgemachter und importierter Inflation (etwa durch Ölpreise)

- und dass die EZB keine Deflationsgefahr sieht, will ich gern glauben. Die wollen so vieles nicht sehen.

und und und....

Mensch Happy
Ein Szenario zum Fürchten vega2000
vega2000:

Die Stimmung ist schlechter als der Zustand

 
14.11.02 09:23
#7
Jammern hilft nicht! Das ist wie beim Fussball, -wenn das Spiel nicht läuft muß man über Kampf & Einsatzwillen versuchen etwas zu erreichen.
Ein Szenario zum Fürchten 851597
Ein Szenario zum Fürchten Happy End

Nicht aufregen, Karlchen ;-)) o. T.

 
#8
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