Ein Markt will nach oben


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das Zentrum d.:

Ein Markt will nach oben

 
28.10.01 11:50
26. Okt. 2001 (FAZ) Die Stimmung an den Börsen ist positiv, nichts scheint sie mehr aufhalten zu können. Weder eine „unbewegliche“ Europäische Zentralbank, noch schlechte Zahlen von JDS oder Ericsson, noch amerikanische Konjunkturdaten, die noch vor wenigen Wochen möglicherweise zu einem signifikanten Kurssturz geführt hätten.

Den beeindruckenden Turnaround der Wall Street von Donnerstag vollziehen die deutschen Märkte zum Wochenausklang nach. So lange sie sich von schlechten Nachrichten unbeeindruckt zeigen, so lange wird die Kurserholung anhalten.

Amerikanischer Markt demonstriert Stärke

Die Aufträge für langlebige Wirtschaftsgüter im September um 8,5 Prozent gesunken, während S&P-Experten lediglich von einem Rückgang um ein Prozent ausgegangen waren. Auch die Arbeitslosenzahl stieg auf 3,56 Millionen, die höchste Zahl seit 18,5 Jahren. Waren die europäischen Börsen am Donnerstag noch unter Druck gekommen, so ließen sich die Amerikaner nur kurz beeindrucken. Lediglich in der ersten Handelsstunde sah es düster aus. Danach stabilisierte sich zunächst die Lage und zögerlich einsetzende Kursgewinne beschleunigten sich zu einer wahren Schlussrally. Der Dow Jones beendete den Handel mit einem Plus von 1,25 Prozent und die Nasdaq mit einem Kursgewinn von 2,54 Prozent - eine Demonstration der Stärke.

„Die Leute wissen, dass das Jahr 2001 schlecht werden wird und 2002 nicht allzu gut. So kaufen sie eben für 2003“, sagt Fondsmanager Stanley Nabi von Credit Suisse Asset Management. Das Ausgabenpaket der Regierung, Steuererleichterungen und die tiefen Zinsen würden helfen, die Wirtschaft wieder zu beleben und die Unternehmensgewinne wieder aufzupeppen, scheinen viele zu glauben. Selbst die offensichtliche Erfolglosigkeit der Militärschläge in Afghanistan und immer neue Briefe giftigen Inhalts können nicht mehr richtig beeindrucken.

Liquidität treibt die Kurse

Das heißt, alle schlechten Nachrichten sind so gut wie verarbeitet. Glaubt man gleichzeitig den Angaben von Fonds-Managern, dass sie dabei sind, mit neuen Mitteln in die Märkte zu gehen, dann deutet das auf liquiditätsgetriebene Kursgewinne hin. Je stärker die Aktien weiter steigen, desto mehr professionelle Anleger müssen auf den Zug aufspringen, wenn sie im Vergleich mit der Entwicklung der wichtigen Indizes nicht „alt aussehen“ wollen. Das ergibt insgesamt eine Eigendynamik, die die fundamentalen Daten in den Hintergrund rückt.

Diese Entwicklung ist vergleichbar mit der hochspekulativen Bubble-Phase, kurz vor dem Absturz. Allerdings mit dem Unterschied, dass jetzt das Risiko zunächst zumindest nach unten viel geringer sein dürfte als die Chance auf Kursgewinne. So könnte die Aufwärtsbewegung mit kleineren Zwischenkorrekturen weiter anhalten, bis neue Unsicherheit über die Schnelligkeit der Erholung und das erreichte Bewertungsniveau entsteht. Dann dürften wieder die Bären das Sagen haben.

Doch diese Kehrtwende wird sich durch ein schwaches Kursverhalten bei negativen Nachrichten an den Märkten erkennen lassen. Die Reaktion auf die Verbraucherstimmungs-Index der Uni Michigan am Freitagnachmittag wird ein weiterer Test sein.
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