Hier noch ein aktuelles Interview mit freenet Chef Vilanek
zitat aus aktien-meldung.de
20. Juli 2009 um 9:15 Uhr
www.aktien-meldungen.de/freenet-ag-im-interview-mit-am/31438a|m: Guten Tag Herr Vilanek, sicherlich ist die freenet AG fast jedem Anleger ein Begriff. Könnten Sie unseren Lesern dennoch zunächst kurz erläutern, in welchen Geschäftsbereichen Sie aktiv sind?
Christoph Vilanek: In der freenet AG sind heute unter der Marke mobilcom-debitel die ehemaligen größten Mobilfunk Service Provider Deutschlands vereint und wir bedienen mit 18,5 Millionen Mobilfunkkunden knapp 20 Prozent aller Mobilfunkkunden in Deutschland. Daneben sind wir mit diversen Portalen im Internet vertreten, haben ein sehr gutes Hosting-Geschäft (Strato) und bedienen Mehrwertdiensteanbieter mit unserem Service. In Summe verfügen wir über rund 30 Millionen Kunden.
a|m: Sie haben die Position von Eckert Spoerr übernommen. Was wird sich unter Ihrer Leitung ändern?
Christoph Vilanek: Eckhard Spoerr hat das Unternehmen aufgebaut, entwickelt und die Teile zusammengefügt. Nun geht es darum, das neue Unternehmen konsequent auf Mobilfunk und das mobile Internet auszurichten. Daher haben wir uns vom Breitbandgeschäft getrennt und werden auch das Hosting-Geschäft verkaufen.
a|m: Im Aufsichtsrat hat es einige Wechsel gegeben, an denen Ihre Großaktionäre Permira, UI und Drillisch nicht ganz unbeteiligt gewesen sein dürften. Wird nun endlich Ruhe einkehren?
Christoph Vilanek: Aus meiner Sicht herrscht bereits seit Anfang des Jahres Ruhe. Ich persönlich hatte bereits während meiner Tätigkeit in der debitel Group guten Kontakt zu Permira. Mit United Internet und Drillisch gibt es sehr konstruktive Kontakte. Die Veränderungen im Aufsichtsrat waren nicht notwendig, um Ruhe zu schaffen, sondern liefern uns mit ausgewiesenen Experten in ihren jeweiligen Fachgebieten zusätzliches Kow-how für das Unternehmen.
a|m: Permira UI und Drillisch halten insgesamt rund 50% an freenet. Ist damit zu rechnen, dass die Großaktionäre ihre Beteiligung an freenet reduzieren werden?
Christoph Vilanek: Das müssen Sie die Aktionäre direkt fragen. Aus der Zusammenarbeit und den Gesprächen mit den Aktionären kann ich jedoch ablesen, dass sie alle an einer nachhaltigen, wertsteigernden Entwicklung der freenet AG interessiert sind, und uns nach Kräften dabei unterstützen.
a|m: Ende Mai konnten Sie den Verkauf des DSL-Geschäftes verkünden, derzeit sind Sie auf der Suche nach einem Käufer für das Hosting-Geschäft. Ist das wirklich der richtige Zeitpunkt, um Unternehmensteile zu verkaufen?
Christoph Vilanek: Der Verkauf der Unternehmensteile leidet nicht an der Konjunkturentwicklung – für gute Investitionen ist immer Kapital verfügbar. Beim Verkauf des DSL-Geschäfts habe ich abgewogen, ob eine Fortsetzung im Preiskampf sinnvoller ist, oder ob ein Abschied in ein, zwei Jahren noch schwieriger gewesen wäre. Die Strato steht mit ihrer Kompetenz im Bereich Software as a Service und Cloud Computing genau am Eingangstor einer tollen Entwicklung in diesem stark wachsenden Bereich. Ich glaube, dass es gerade jetzt Sinn macht, nach einem Käufer zu suchen, der genau diese Entwicklung auch in die Bewertung einfließen lässt.
a|m: In den Medien werden bis zu EUR 400 Mio. als möglicher Verkaufspreis aufgerufen, ein realistischer Wert?
Christoph Vilanek: Ich möchte diese Spekulationen nicht kommentieren. Die Strato ist ein ertragreiches Unternehmen in einem interessanten Markt.
a|m: Im Bereich Mobilfunk gibt es in Deutschland mehr Verträge als Einwohner. Woher soll das künftige Wachstum kommen? Welche Trends erwarten Sie für die Zukunft?
Christoph Vilanek: Ich selbst habe drei SIM Karten für Handy, Blackberry und Laptop. Das Wachstum kommt aus den Mehrfachkarten pro Kunde und aus immer einer intensiveren Nutzung - insbesondere bei mobilen Daten und mobilem Internet Access. Da ist Deutschland im internationalen Vergleich noch ein „Entwicklungsland“.
a|m: Das Margenniveau im Bereich Mobilfunk ist seit Jahren rückläufig? Bei den Carriern tendiert es in Richtung Null. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf Ihr Unternehmen?
Christoph Vilanek: Mit der Konsolidierung der ehemals drei größten Spieler im Service Provider Markt realisieren wir erhebliche Kostensynergien und das macht unsere Marge auch gegenüber Preissenkungen unempfindlicher.
a|m: Sie streben einen Marktanteil von 20% an. Ihre Wettbewerber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 kommen zusammen auf einen Marktanteil von insgesamt ca. 75%. Wie wollen Sie der Konkurrenz die Marktanteil abjagen?
Christoph Vilanek: Wie in allen anderen Bereichen will der Kunde auch im Mobilfunk volle Auswahl und beliebige Kombinationsmöglichkeiten aus einer Hand – genau dafür stehen wir. Wenn jemand partout ein bestimmtes Netz und einen bestimmten Tarif will, wird er zu dem jeweiligen Netz gehen. Will er aber Tarife aus einem Netz und die Versorgung aus einem anderen – kann er nur zu uns kommen.
a|m: Vielen Dank für das Interview.
Früher konnten Frauen kochen wie meine Mutter, heute können sie saufen wie mein Vater!