Das Baltikum boomt trotz Stagnation in ganz Europa weiter
WILNA (dpa-AFX) - Der Wirtschaftsmotor im Baltikum läuft trotz zunehmender Rezessionsstimmung in ganz Europa weiter auf Hochtouren. Während Westeuropa, die USA und auch viele osteuropäische Reformstaaten immer deutlicher unter Stagnationstendenzen leiden, zeigen die Wachstumskurven in Litauen, Lettland und Estland unverändert steil nach oben. "Die baltischen Staaten gehören zu den sich am schnellsten entwickelnden Ländern der Welt", urteilt die führende schwedische Bank SEB ("Skandinaviska Enskilda Banken") in ihrer diese Woche veröffentlichten Konjunkturanalyse "Baltic Outlook".
Selbst psychologisch wichtige Ereignisse wie die Markteinbrüche in Argentinien und der Türkei hätten die Volkswirtschaften der kleinen Ostseestaaten weitgehend unberührt gelassen, schreibt die SEB weiter. Grund für die überdurchschnittlichen Zuwachsraten in Nordosteuropa seien die zunehmende Nachfrage auf dem Binnenmarkt und steigende Investitionen auf dem Hintergrund einer baldigen EU-Mitgliedschaft.
ESTLAND BEREITS AUF WELTHANDEL VORBEREITET
Estland sei bereits vorbereitet, im Welthandel mitzuhalten, meinen die SEB-Analytiker. "Die Staatsfinanzen sind stabil und das Vertrauen von Investoren in die Wirtschaftspolitik der Regierung bleibt ungebrochen", heißt es in dem Report. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem und im nächsten Jahr jeweils um fünf Prozent steigen.
Dies entspricht den Vorhersagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der estnischen Zentralbank. Deren Vize-Präsident Marten Ross warnte allerdings kürzlich: Nach 6,9 Prozent Wachstum im Jahr 2000 solle "die Wirtschaft vorsichtig sein, sich nicht übernehmen und nicht exzessiv Kredite aufnehmen".
ESTLAND BLEIBT VERWUNDBAR DURCH ABSCHWÄCHUNG IN DER EUROZONE
Der "baltische Tigerstaat" Estland bleibt verwundbar durch jede Abschwächung in der Eurozone, in die 75 Prozent der Exporte mittlerweile gehen. Die SEB-Analysten meinen, dass die Umorientierung der baltischen Ausfuhren Richtung EU bereits weitgehend abgeschlossen ist und in Zukunft der Russlandhandel wieder an
Bedeutung zunehmen dürfte. Eine Rolle dabei spielt, dass die Moskauer Rubel-Krise von 1998 inzwischen weitgehend verdaut ist.
Für Lettland erwartet die Stockholmer Bank ein Wachstum des BIP von 6,6 Prozent in diesem Jahr. Selbst der sonst eher skeptische IWF erwartet ein Plus von sechs Prozent und damit weit mehr als im
westeuropäischen Durchschnitt. Die Inflation bleibt mit unter drei Prozent moderat. Analysten erwarten keine Ausschläge in der Zukunft.
STABILTÄT DER REGIERUNG BASIS FÜR WIRTSCHAFTSWUNDER
Als Basis für das kleine Wirtschaftswunder in und um die Hauptstadt Riga gilt die derzeitige Stabilität in der Regierung. Während Lettland im vergangenen Jahrzehnt von ständigen Regierungskrisen gebeutelt wurde, hat es die jetzige Mitte-Rechts- Koalition von Ministerpräsident Andris Berzins immerhin auf 16 Monate im Amt und damit mehr als jede Regierung zuvor gebracht.
Auch dem Nachbarland Litauen bescheinigen die schwedischen Konjunkturforscher mit einem Wachstum des BIP um 4,5 Prozent in diesem Jahr rosige Aussichten. In den nächsten Jahren soll die Wachstumsrate dann stetig auf fünf Prozent (2002) und 5,5 Prozent (2003) steigen.
"Die Politik von Budgetkonsolidierung und Strukturreformen hat zu einer Wachstumssituation, Angleichung der Außenhandelsbilanz und neuem Vertrauen in die Währung geführt", stellte der IWF in der vergangenen Woche in einem Report fest. Insbesondere die Entscheidung der litauischen Zentralbank, ab Februar 2002 die Landeswährung, den Litas, fest an den Euro anstatt bisher an den USD zu koppeln, gilt als positiv, weil das Risiko von Währungsschwankungen für europäische Investoren entfällt./jl/tb/DP/js +++Von Jakob Lemke,
WILNA (dpa-AFX) - Der Wirtschaftsmotor im Baltikum läuft trotz zunehmender Rezessionsstimmung in ganz Europa weiter auf Hochtouren. Während Westeuropa, die USA und auch viele osteuropäische Reformstaaten immer deutlicher unter Stagnationstendenzen leiden, zeigen die Wachstumskurven in Litauen, Lettland und Estland unverändert steil nach oben. "Die baltischen Staaten gehören zu den sich am schnellsten entwickelnden Ländern der Welt", urteilt die führende schwedische Bank SEB ("Skandinaviska Enskilda Banken") in ihrer diese Woche veröffentlichten Konjunkturanalyse "Baltic Outlook".
Selbst psychologisch wichtige Ereignisse wie die Markteinbrüche in Argentinien und der Türkei hätten die Volkswirtschaften der kleinen Ostseestaaten weitgehend unberührt gelassen, schreibt die SEB weiter. Grund für die überdurchschnittlichen Zuwachsraten in Nordosteuropa seien die zunehmende Nachfrage auf dem Binnenmarkt und steigende Investitionen auf dem Hintergrund einer baldigen EU-Mitgliedschaft.
ESTLAND BEREITS AUF WELTHANDEL VORBEREITET
Estland sei bereits vorbereitet, im Welthandel mitzuhalten, meinen die SEB-Analytiker. "Die Staatsfinanzen sind stabil und das Vertrauen von Investoren in die Wirtschaftspolitik der Regierung bleibt ungebrochen", heißt es in dem Report. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem und im nächsten Jahr jeweils um fünf Prozent steigen.
Dies entspricht den Vorhersagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der estnischen Zentralbank. Deren Vize-Präsident Marten Ross warnte allerdings kürzlich: Nach 6,9 Prozent Wachstum im Jahr 2000 solle "die Wirtschaft vorsichtig sein, sich nicht übernehmen und nicht exzessiv Kredite aufnehmen".
ESTLAND BLEIBT VERWUNDBAR DURCH ABSCHWÄCHUNG IN DER EUROZONE
Der "baltische Tigerstaat" Estland bleibt verwundbar durch jede Abschwächung in der Eurozone, in die 75 Prozent der Exporte mittlerweile gehen. Die SEB-Analysten meinen, dass die Umorientierung der baltischen Ausfuhren Richtung EU bereits weitgehend abgeschlossen ist und in Zukunft der Russlandhandel wieder an
Bedeutung zunehmen dürfte. Eine Rolle dabei spielt, dass die Moskauer Rubel-Krise von 1998 inzwischen weitgehend verdaut ist.
Für Lettland erwartet die Stockholmer Bank ein Wachstum des BIP von 6,6 Prozent in diesem Jahr. Selbst der sonst eher skeptische IWF erwartet ein Plus von sechs Prozent und damit weit mehr als im
westeuropäischen Durchschnitt. Die Inflation bleibt mit unter drei Prozent moderat. Analysten erwarten keine Ausschläge in der Zukunft.
STABILTÄT DER REGIERUNG BASIS FÜR WIRTSCHAFTSWUNDER
Als Basis für das kleine Wirtschaftswunder in und um die Hauptstadt Riga gilt die derzeitige Stabilität in der Regierung. Während Lettland im vergangenen Jahrzehnt von ständigen Regierungskrisen gebeutelt wurde, hat es die jetzige Mitte-Rechts- Koalition von Ministerpräsident Andris Berzins immerhin auf 16 Monate im Amt und damit mehr als jede Regierung zuvor gebracht.
Auch dem Nachbarland Litauen bescheinigen die schwedischen Konjunkturforscher mit einem Wachstum des BIP um 4,5 Prozent in diesem Jahr rosige Aussichten. In den nächsten Jahren soll die Wachstumsrate dann stetig auf fünf Prozent (2002) und 5,5 Prozent (2003) steigen.
"Die Politik von Budgetkonsolidierung und Strukturreformen hat zu einer Wachstumssituation, Angleichung der Außenhandelsbilanz und neuem Vertrauen in die Währung geführt", stellte der IWF in der vergangenen Woche in einem Report fest. Insbesondere die Entscheidung der litauischen Zentralbank, ab Februar 2002 die Landeswährung, den Litas, fest an den Euro anstatt bisher an den USD zu koppeln, gilt als positiv, weil das Risiko von Währungsschwankungen für europäische Investoren entfällt./jl/tb/DP/js +++Von Jakob Lemke,