Die Waffen von Alan Greenspan sind nicht stumpf ge


Thema
abonnieren
Beiträge: 4
Zugriffe: 463 / Heute: 2
Expropriateur:

Die Waffen von Alan Greenspan sind nicht stumpf ge

 
30.07.01 21:27
Die Waffen von Alan Greenspan sind nicht stumpf geworden

Von PATRICK WELTER / Handelsblatt vom 30.07.01

In den Jahren der Euphorie über die Neue Wirtschaft zählte es zum Standardrepertoire vieler Ökonomen, der Geldpolitik eine rasche Wirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung zuzusprechen. Wo Unternehmen als Folge der Revolution in der Informationstechnik elastischer auf Nachfragewünsche reagieren, da müssten doch auch Zinssenkungen schneller als früher die Wirtschaft beflügeln können. Das gehörte zum Teil des Mythos um den Zaubermeister Alan Greenspan, den Chef der US-Notenbank, der mit raschen Zinsschritten die Wirtschaft im Lot halte.
Heute beherrschen andere Moden das Denken der Ökonomen: Die Waffen von Greenspan seien stumpf geworden. Zeichen für diese plakative These gibt es genug. Weder reagiert der Wechselkurs des Dollars wie gewünscht mit einer Abwertung auf die massiven Zinssenkungen um insgesamt 2,75 Prozentpunkte seit Jahresbeginn, noch beleben sich – wie in früheren Zinssenkungsrunden – die Aktienmärkte. Zudem sind die Zinsen an den Anleihemärkten Greenspans Signal nach unten kaum gefolgt. Es scheint fast so, als ob die Transmissionskanäle der Geldpolitik verstopft sind, als ob Zinssenkungen in den USA derzeit kaum zu Investitionen animieren könnten.

Überraschen kann das nicht: Der Überinvestitionszyklus ist voll im Gang, wie die erneut schwächeren Daten zum Wirtschaftswachstum verdeutlichen. Nach der Boom-Blase der vergangenen Jahre litt die US-Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres unter einem Lagerabbau. Im zweiten Quartal brachen auch noch die Investitionen ein. Die Wachstumszahlen zeigen, wo das Feuer am heftigsten lodert: im ehedem hoch gelobten Sektor der Informationstechnologie. Rechnet man die einbrechenden Software-Käufe aus der Wirtschaftsleistung heraus, wäre die US-Wirtschaft aufs Jahr gerechnet zuletzt nicht um 0,7 Prozent, sondern um immerhin 1,1 Prozent gewachsen.

All das ist Beleg dafür, dass die USA die vergangene und übertriebene Freude über die neue Informationswirtschaft mit einem heftigen, aber heilsamen Fieberanfall bezahlen. Wie jeder gute Arzt ist die Fed dagegen nahezu machtlos; sie kann das Fieber lindern, aber nicht abstellen. Das heißt aber nicht, dass Greenspans Zinssenkungen gar keine Wirkung mehr zeigen.

Der Jubel über das schnelle Eingreifen der Fed hat – erstens – gerade die Konsumenten bislang davon abgehalten, vollends in Pessimismus zu verfallen. So konnte der private Konsum seine Rolle als Konjunkturstütze behalten, wenn auch zuletzt abgeschwächt. Entscheidend für die Zukunft wird hier sein, ob die Entlassungswelle die Konsumneigung spürbar dämpfen wird. Zweitens hat Greenspan den Hausmarkt spürbar belebt. Zyniker können drittens darauf verweisen, dass es ohne die Zinssenkungen am Aktienmarkt noch betrüblicher aussähe als derzeit.

Selbst die bislang ausgebliebene Abschwächung des Dollars ist nicht zwingend Zeichen dafür, dass Greenspan seine Macht verloren hat. Sicher, üblicherweise fällt der Wechselkurs, wenn die Zinsen sinken, und stützt so die Wirtschaft über einen Außenhandelsboom. Im Gegenzug zum starken Dollar ist bis in die letzten Wochen hinein aber netto Kapital in die USA geflossen, weil die mittelfristigen Aussichten immer noch vergleichsweise gut gesehen werden. Das hat die Abschwungkräfte gebremst.

Ohnehin aber gilt, dass Zinssenkungen ihre Zeit brauchen, um ihre volle Kraft auf das Wachstum zu entfalten. Ökonomen nennen da äußerst ungern konkrete Zahlen, aber auf ein Minimum von sechs bis neun Monaten können sie sich schon verständigen. Das spricht dafür, dass trotz des Überinvestitionszyklus die US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr aus dem Gröbsten herausfindet, dass sie im kommenden Jahr zu neuem, wenn auch weniger intensivem Glanz ansetzen kann. Berechnungen über die Geldpolitik der Fed zeigen, dass eine Zinssenkung um 100 Basispunkte das Wirtschaftswachstum im ersten Jahr um 0,6 Prozentpunkte und im zweiten Jahr um 1,7 Punkte belebt.

Für ein endgültiges Urteil über die sehr reagible Geldpolitik des Zaubermeisters Greenspan ist es damit noch zu früh. Wer gestern noch zum „Hosianna“ ansetzte, geht heute zwar schon zum „Kreuziget ihn“ über. Hält der Produktivitätszuwachs in den USA aber im Trend, was Greenspan seit einigen Jahren verspricht, wird selbst das nach den Zinssenkungen erschreckend gestiegene Geldmengenwachstum im kommenden Jahr kaum Inflationsdruck erzeugen können. Der heute gerne gescholtene Greenspan könnte so schon morgen erneut zum Heiligen werden. Dass eine stetigere Geldpolitik die massiven Schwankungen der Wirtschaftsleistung von vorneherein begrenzt hätte, wird darüber schnell vergessen sein.
Die belebende Wirkung der Zinssenkungen ist schon heute zu sehen.
Antworten
fragles:

herzlichen Glückwunsch Expropriateur!!!

 
30.07.01 21:41
Du hast Heute Dein 1000 Posting überschritten, und keiner hat's gemerkt...mein Gott Arbeiter lässt aber schwer nach ;-)

Gruss
Antworten
Expropriateur:

Danke fragles, aber ich glaube, Du hast irgendwie

 
30.07.01 21:43
nicht aufgepasst *grins*
Macht ja nix.

Gruß
EXPRO
Antworten
fragles:

uuups, sorry aber diesen Thread

 
30.07.01 21:45
habe ich echt verpasst
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--