"Die US-Rezession kann noch Jahre dauern"

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"Die US-Rezession kann noch Jahre dauern"

 
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Auf dem Weltwirtschaftsforum in New York wird klar, wie uneinig sich Ökonomen über den Zustand der Weltwirtschaft sind. Im Gegensatz zu seinen Kollegen malt Stephen Roach, Chefvolkswirt von Morgan Stanley, ein düsteres Bild von den USA - und ein helles von Europa.
 
New York - "Es wird einen Doppel-Dipp am Ende des Winters geben", sagte Roach gegenüber SPIEGEL ONLINE nach einer Pressekonferenz am Donnerstag. Die Wahrscheinlichkeit liege bei über 50 Prozent. Das Szenario, mit dem ein erneuter Einbruch des US-Wirtschaftswachstums gemeint ist, hat inzwischen einige Anhänger an der Wall Street. Doch Roach geht noch viel weiter. "Die US-Wirtschaft könnte mehrere Jahre lang rein und raus aus der Rezession rutschen", sagt er voraus.
Für einen nachhaltigen Aufschwung müsste die US-Regierung zunächst die hohen Staatsschulden abbauen. Auch die Privathaushalte hätten zu viel Schulden. Das werde sich zunächst nicht ändern. Deshalb sei jeder Aufschwung im Moment "im besten Fall zitterig". Echtes Wachstum sei für die nächsten paar Jahre nicht zu erwarten.

Roach ist ein bekannter Pessimist, vielleicht der bekannteste an der Wall Street. Doch so extrem fällt selbst sein Urteil selten aus. Deshalb ist es leicht vorzustellen, dass die voran gegangene, nicht öffentlich übertragene Diskussion "ziemlich heiß" war, wie Gail Fosler vom Conference Board auf der Pressekonferenz anmerkte. An der Diskussion zum Thema "Ausblick für die Weltwirtschaft" hatten neben Roach und Fosler auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, und der Präsident von Merrill Lynch International, Jacob Frenkel, teilgenommen.

In der Pressekonferenz verbreiteten Fosler und die anderen Ökonomen Optimismus, während Roach konsequent dagegen hielt. Fosler erklärte die Rezession in den USA für beendet. Die gerade veröffentlichten vorläufigen Zahlen zum Wirtschaftswachstum zeigten, dass die Wirtschaft im vierten Quartal nicht weiter geschrumpft sei. Der Turnaround bei den Gewinnen stehe bevor. Eine "signifikante" wirtschaftliche Erholung sei jedoch erst 2003 zu erwarten. Das liege unter anderem daran, dass der industrielle Sektor einen schweren Schlag erlitten hat, den schwersten seit der Rezession 1981/82. Auch Frenkel glaubt, dass die Rezession in den USA "auf dem Rückzug" ist. Er verwies auf die starken monetären und steuerlichen Impulse.

In der Einschätzung Europas blieb der Gegensatz zwischen Roach und den anderen bestehen, doch mit anderen Vorzeichen. Zimmermann prognostiziert eine "bescheidene Erholung" im Vergleich zu den USA. Auch Frenkel glaubt, dass der Aufschwung in Europa langsamer sein wird, "auf Grund der geringeren Flexibilität".

Roach hingegen ist überzeugt, dass Europa die USA beim Wirtschaftswachstum überflügeln wird. Der Dollar werde fallen, der Euro steigen. Sein Fazit: "Der American Way funktionierte sehr gut in den Neunzigern, vielleicht zu gut. Aber die Welt kann sich nicht länger auf die US-Wirtschaft verlassen. Die Welt braucht einen neuen Wachstumspfad".


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