An den Aktienmärkten siegt derzeit wieder die Angst über die Gier. Der Stimmungsumschwung hat handfeste Gründe. Die ersehnte Ertragssaison in den USA entpuppt sich immer mehr als Enttäuschung. Viele Unternehmen der Old Economy und aus dem Technologiesektor erfüllen die Erwartungen nicht und berichten über Umsatzrückgänge. Fast noch belastender sind die nur sehr zurückhaltenden Prognosen, da, wo es sie überhaupt gibt. In die gleiche Richtung weisen einige der jüngsten Wirtschaftsdaten. Vor allem der Konjunkturbericht der US-Notenbank und der überraschend niedrige ifo-Geschäftsklima-Index in Deutschland lassen Investoren zittern.
Marktbericht: Dax
Belastet wird die Stimmung zusätzlich von den Ermittlungen gegen die Analystenabteilungen großer US-Wertpapierhäuser. Sie nagen am Vertrauen ausländischer Investoren - und gefährden damit den Zustrom von Kapital, auf den die US-Wirtschaft dringend angewiesen ist. Über allem schweben weiter die Sorgen über die weltpolitische Lage: Was, wenn Saudi-Arabien aus Enttäuschung darüber, dass die USA es nicht schaffen, Israel zu ernsthaften Friedensverhandlungen zu drängen, die Richtung seiner Politik radikal ändert? Das Ausmass an Wut und Verzweiflung in der arabischen Welt geht mittlerweile über alles hinaus, was die Welt in den vergangenen beiden Jahrzehnten gesehen hat.
Auch die technischen Analysten haben wenig Aufmunterndes über die Kursverläufe zu berichten: "Hände weg", sagt ein Beobachter zum DAX. Der Index notiere wieder unter seinem seit September 2000 anhaltendem Aufwärtstrend und auch unter seiner 200-Tage-Linie. Sollten diese Marken nicht schleunigst wieder nachhaltig überwunden werden, sei mit einem Rückschlag in Richtung der diesjährigen Tiefs bei 4.706 Punkten zu rechnen. Auch der MDAX stehe kurz davor, gewaltig unter die Räder zu kommen.
Es gibt also viele Gründe, die dafür sorgen, dass die US-Indizes mit zermürbender Behäbigkeit ihre Abwärtsbewegung fortsetzen und ihnen die europäischen folgen. Die Bereitschaft, Risiken einzugehen, ist daher wieder rasant geschwunden. "Im Moment gibt es keinen Vertrauensvorschuss für Unternehmen," sagt ein Analyst. Plötzlich erscheinen vielen Anlegern die lakonischen Grundsätze, nach denen Harald Schmidt seinen Betrieb führen soll, wieder attraktiv: "Keine Schulden, keine Steuersparmodelle, keine Aktien."
Wem diese Grundsätze zu altmodisch erscheinen, hat wieder eine Reihe von Terminen im Blick zu behalten: Am Montag findet die Bilanzpressekonferenz von Salzgitter statt, und aus den USA kommen Daten zu den persönlichen Einkommen und Ausgaben im März. Quartalsergebnisse veröffentlichen Celanese, Deutsche Bank, IDS Scheer, ABN Amro und Santander Central Hispano.
Am Dienstag lädt die GFK zur Bilanzpressekonferenz und BASF zur Hauptversammlung. BASF gibt zudem das Ergebnis des ersten Quartals bekannt. Ausserdem werden die EU-Arbeitsmarktdaten für März veröffentlicht und eine Vorabschätzung der Verbraucherpreise im April. Am Nachmittag folgt der US-Index des Verbrauchervertrauens. Quartalsergebnisse liefern Fresenius Medical Care, Fresenius, Metro, Deutsche Post, SAP Systems Integration, iXOS, Aventis, British American Tobacco, BP und Procter & Gamble. Gold-Zack und Beate Uhse veröffentlichen Jahresergebnisse.
Am Mittwoch ruhen die Märkte. Donnerstag findet die Halbjahrespressekonferenz von Epcos statt, es tagt die Europäische Zentralbank (EZB) und Rheinmetall lädt zur Bilanzpressekonferenz. Aus den USA kommen die Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe und der Auftragseingang der Industrie im März. Quartalsergebnisse legen Deutz, adidas-Salomon, Hugo Boss, Continental und Ciba vor. Ausserdem veröffentlicht die EZB ihren Jahresbericht. Am Freitag findet die SAP-Hauptversammlung statt, am frühen Nachmittag werden die US-Arbeitsmarktdaten für März veröffentlicht. Quartalsergebnisse kommen von Dyckerhoff, VW und Shell.
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