Gerhard Schröders Opposition zum Irak-Feldzug hat durchaus Anhänger in Amerika. Die Kriegsgegner melden sich zunehmend zu Wort. Meinungsumfragen zufolge ist der Durchschnittsamerikaner nicht so kriegslüstern wie seine Regierung.
Jetzt widmen sich also auch noch die Professoren der internationalen Sicherheit. "Krieg gegen Irak ist nicht in Amerikas Interesse", heißt es in der Anzeige, die am Donnerstag in der "New York Times" erschien. Die Professoren aus dem ganzen Land, unter anderem von Top-Universitäten wie Harvard, MIT, Stanford und Columbia, halten den Irak-Krieg für überflüssig. "Wir sollten uns auf al-Qaida konzentrieren", schreiben sie.
Die Unterzeichner wechseln, Botschaft und Ort bleiben gleich: Zum dritten Mal innerhalb einer Woche haben besorgte US-Bürger eine Anti-Kriegs-Anzeige in der einflussreichsten Zeitung des Landes geschaltet. Die Anzeigenwelle begann vor einer Woche mit dem Manifest "Nicht in unserem Namen". Darin hatten berühmte amerikanische Filmschauspieler, Regisseure und Schriftsteller ihre Landsleute zum Widerstand gegen den Kriegskurs der Bush-Regierung aufgerufen.
"Vergesst al-Qaida"
Am Mittwoch dann grüßte eine Zeichnung von Osama Bin Laden in der "Uncle Sam"-Pose von der Meinungsseite der Zeitung. "Ich will, dass ihr in den Irak einmarschiert", sagt der bisherige Staatsfeind Nummer eins und deutet mit dem Finger auf die Leser. "Vergesst al-Qaida." Das Online-Journal TomPaine.com, das sich der politischen Aufklärung verpflichtet fühlt, hatte sich diese Provokation einfallen lassen.
Und nun am Donnerstag die Professoren. Noch repräsentieren diese Anzeigen bloß die Meinung einer überdurchschnittlich gebildeten - und begüterten - Minderheit (eine Anzeige in der "New York Times" kostet Zehntausende von Dollar). Doch das könnte sich bald ändern. Je mehr Zeit verrinne, desto weniger könnten sich die Amerikaner für den Krieg erwärmen, meint etwa Richard Cohen, Kolumnist der "Washington Post".
Noch glaubt zum Beispiel über die Hälfte der Amerikaner, Saddam Hussein habe etwas mit dem 11. September zu tun. Daher sei der Krieg gegen den irakischen Diktator bei Joe Sixpack, dem Durchschnittsamerikaner, "ziemlich populär", sagt Ruy Teixera, ein Analyst der unabhängigen Century Foundation.
Aber schaut man genauer hin, dann wird deutlich: Die Amerikaner stehen keineswegs wie ein Mann hinter ihrem Präsidenten. Nur 57 Prozent sind laut der neuesten Gallup-Umfrage dafür, Bodentruppen an den Golf zu schicken. 38 Prozent sind dagegen. Wenn sich die Uno oder der Kongress gegen einen Militärschlag aussprächen, sänke die Zustimmung schlagartig auf 38 Prozent. Umgekehrt stiege die Zustimmung auf 80 Prozent, wenn der Krieg unter Uno-Mandat stünde.
Saddam "eindämmbar"
Einen Alleingang der USA, den die Bush-Regierung erwägt, lehnen 59 Prozent der Amerikaner ab. "Unilateralismus ist sehr unpopulär", sagt Teixera. "Aber das lesen Sie merkwürdigerweise nie in der Zeitung."
Dass die Amerikaner weit weniger kriegslüstern sind als ihre Regierung, meint auch Thomas Friedman, der außenpolitische Kolumnist der "New York Times". "Glauben Sie nicht den Meinungsumfragen, dass eine Mehrheit für den Militärschlag ist", schrieb er kürzlich. Friedman war gerade von einer Tour durchs Land zurückgekommen. Als Gast in Radioshows hatte er sich Anruferfragen gestellt. Sein Eindruck ist nicht repräsentativ, wie er selbst zugibt, aber eindeutig: "Tief drinnen glauben die meisten Amerikaner, dass Saddam 'eindämmbar' ist."
Diese Überzeugung steht in starkem Kontrast zu den Tönen, die aus der Bush-Regierung kommen. Der Präsident und seine Berater schwingen weiterhin die Patriotismuskeule gegen jeden, der es wagt, Zweifel am Krieg anzumelden. Doch die US-Bürger sind zunehmend bereit, sich wegzuducken. Als Bush dem Senat vorwarf, nicht an der Sicherheit Amerikas interessiert zu sein, platzte der sonst sehr besonnene demokratische Mehrheitsführer Tom Daschle. "Eine Frechheit" sei es, Senatoren, die zum Teil Kriegsveteranen seien, zu Vaterlandsverrätern zu stempeln.
"Ich hoffe, Schröder knickt nicht ein"
Auch Al Gore scheint die Stimmung zu wittern und hat eine Brandrede gegen die Machtpolitik seines einstigen Wahlkampfgegners gehalten. Einige Demokraten im Kongress sind ermutigt und fragen laut, warum der Irak-Krieg auf einmal dringend notwendig ist.
Selbst Gerhard Schröder, dessen Opposition zum Irak-Krieg das Verhältnis zur Bush-Regierung empfindlich gestört hat, stößt auf Verständnis, zumindest auf den Leserbriefseiten. "Mister Schröders Position ist vernünftig und rundum verteidigungswürdig. Präsident Bushs Vorgehen hingegen ist umstritten und gegen internationale Gesetze und Normen", schreibt etwa Harvey Rothberg aus New Jersey an die "New York Times".
Amerikanische Kriegsgegner applaudieren Schröder. "Es ist wichtig, dass er Kritik äußert", sagt Clark Kissinger, einer der Initiatoren des "Nicht in unserem Namen"-Aufrufs. "Ich hoffe, er knickt nicht ein."
spiegel online
Jetzt widmen sich also auch noch die Professoren der internationalen Sicherheit. "Krieg gegen Irak ist nicht in Amerikas Interesse", heißt es in der Anzeige, die am Donnerstag in der "New York Times" erschien. Die Professoren aus dem ganzen Land, unter anderem von Top-Universitäten wie Harvard, MIT, Stanford und Columbia, halten den Irak-Krieg für überflüssig. "Wir sollten uns auf al-Qaida konzentrieren", schreiben sie.
Die Unterzeichner wechseln, Botschaft und Ort bleiben gleich: Zum dritten Mal innerhalb einer Woche haben besorgte US-Bürger eine Anti-Kriegs-Anzeige in der einflussreichsten Zeitung des Landes geschaltet. Die Anzeigenwelle begann vor einer Woche mit dem Manifest "Nicht in unserem Namen". Darin hatten berühmte amerikanische Filmschauspieler, Regisseure und Schriftsteller ihre Landsleute zum Widerstand gegen den Kriegskurs der Bush-Regierung aufgerufen.
"Vergesst al-Qaida"
Am Mittwoch dann grüßte eine Zeichnung von Osama Bin Laden in der "Uncle Sam"-Pose von der Meinungsseite der Zeitung. "Ich will, dass ihr in den Irak einmarschiert", sagt der bisherige Staatsfeind Nummer eins und deutet mit dem Finger auf die Leser. "Vergesst al-Qaida." Das Online-Journal TomPaine.com, das sich der politischen Aufklärung verpflichtet fühlt, hatte sich diese Provokation einfallen lassen.
Und nun am Donnerstag die Professoren. Noch repräsentieren diese Anzeigen bloß die Meinung einer überdurchschnittlich gebildeten - und begüterten - Minderheit (eine Anzeige in der "New York Times" kostet Zehntausende von Dollar). Doch das könnte sich bald ändern. Je mehr Zeit verrinne, desto weniger könnten sich die Amerikaner für den Krieg erwärmen, meint etwa Richard Cohen, Kolumnist der "Washington Post".
Noch glaubt zum Beispiel über die Hälfte der Amerikaner, Saddam Hussein habe etwas mit dem 11. September zu tun. Daher sei der Krieg gegen den irakischen Diktator bei Joe Sixpack, dem Durchschnittsamerikaner, "ziemlich populär", sagt Ruy Teixera, ein Analyst der unabhängigen Century Foundation.
Aber schaut man genauer hin, dann wird deutlich: Die Amerikaner stehen keineswegs wie ein Mann hinter ihrem Präsidenten. Nur 57 Prozent sind laut der neuesten Gallup-Umfrage dafür, Bodentruppen an den Golf zu schicken. 38 Prozent sind dagegen. Wenn sich die Uno oder der Kongress gegen einen Militärschlag aussprächen, sänke die Zustimmung schlagartig auf 38 Prozent. Umgekehrt stiege die Zustimmung auf 80 Prozent, wenn der Krieg unter Uno-Mandat stünde.
Saddam "eindämmbar"
Einen Alleingang der USA, den die Bush-Regierung erwägt, lehnen 59 Prozent der Amerikaner ab. "Unilateralismus ist sehr unpopulär", sagt Teixera. "Aber das lesen Sie merkwürdigerweise nie in der Zeitung."
Dass die Amerikaner weit weniger kriegslüstern sind als ihre Regierung, meint auch Thomas Friedman, der außenpolitische Kolumnist der "New York Times". "Glauben Sie nicht den Meinungsumfragen, dass eine Mehrheit für den Militärschlag ist", schrieb er kürzlich. Friedman war gerade von einer Tour durchs Land zurückgekommen. Als Gast in Radioshows hatte er sich Anruferfragen gestellt. Sein Eindruck ist nicht repräsentativ, wie er selbst zugibt, aber eindeutig: "Tief drinnen glauben die meisten Amerikaner, dass Saddam 'eindämmbar' ist."
Diese Überzeugung steht in starkem Kontrast zu den Tönen, die aus der Bush-Regierung kommen. Der Präsident und seine Berater schwingen weiterhin die Patriotismuskeule gegen jeden, der es wagt, Zweifel am Krieg anzumelden. Doch die US-Bürger sind zunehmend bereit, sich wegzuducken. Als Bush dem Senat vorwarf, nicht an der Sicherheit Amerikas interessiert zu sein, platzte der sonst sehr besonnene demokratische Mehrheitsführer Tom Daschle. "Eine Frechheit" sei es, Senatoren, die zum Teil Kriegsveteranen seien, zu Vaterlandsverrätern zu stempeln.
"Ich hoffe, Schröder knickt nicht ein"
Auch Al Gore scheint die Stimmung zu wittern und hat eine Brandrede gegen die Machtpolitik seines einstigen Wahlkampfgegners gehalten. Einige Demokraten im Kongress sind ermutigt und fragen laut, warum der Irak-Krieg auf einmal dringend notwendig ist.
Selbst Gerhard Schröder, dessen Opposition zum Irak-Krieg das Verhältnis zur Bush-Regierung empfindlich gestört hat, stößt auf Verständnis, zumindest auf den Leserbriefseiten. "Mister Schröders Position ist vernünftig und rundum verteidigungswürdig. Präsident Bushs Vorgehen hingegen ist umstritten und gegen internationale Gesetze und Normen", schreibt etwa Harvey Rothberg aus New Jersey an die "New York Times".
Amerikanische Kriegsgegner applaudieren Schröder. "Es ist wichtig, dass er Kritik äußert", sagt Clark Kissinger, einer der Initiatoren des "Nicht in unserem Namen"-Aufrufs. "Ich hoffe, er knickt nicht ein."
spiegel online