Gastkommentar
Die Nasdaq wird sich nicht schnell erholen
Von Mark Arbeter
13. März 2001 Um diese Zeit im letzten Jahr stand die Nasdaq bei über 5.000 Punkten, und alle Technologiewerte schienen unaufhaltsam in die Höhe zu schießen. Heute präsentiert sich uns ein Spiegelbild: Die Nasdaq durchbricht die 2.000 Zähler und ein Ende des Sturzes ist nicht abzusehen. Diese Baisse wird irgendwann einen Boden bilden, aber er ist noch nicht erreicht.
Man hat das Gefühl, dass viele Investoren weiterhin glauben, eine Rückkehr zu den glanzvollen Tagen der Nasdaq werde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Doch ein solches Szenario muss bezweifelt werden. In diesem Segment sind immer noch zu viele Anlagefonds und Investoren engagiert, die unverändert hoffen, durch eine Markterholung gerettet zu werden. Sie dürften sich jedoch täuschen, denn der Weg zu besseren Zeiten scheint lang und mühsam zu sein.
Wenn die Märkte stärker sind, haben Aktien und Indizes eine Tendenz, in Oversold-Situationen scharf anzusteigen und sich dann weiter in die Höhe zu bewegen. Auch in einer Baisse erholt sich der Markt zuweilen, wenn er überverkauft ist, aber nur, um danach auf neue Tiefstände zu sinken. Rallys sind zum jetzigen Zeitpunkt höchst selten, und sie werden durch zusätzliche Verkäufe rasch beendet.
Wer sich einen Technologie-Chart anschaut, kann die Ursache sofort erkennen. Diese Aktien haben einen enormen Angebotsüberhang, weshalb sie bei jeder Rally von den Marktteilnehmern, die ihre Verluste begrenzen wollen, abgestoßen werden. Bis sich die Stimmung gegenüber dem Sektor ändert und die Charts ein paar höhere Tiefstände und höhere Höchststände anzeigen, werden die Anleger ihre Technologie-Portfolios weiter verringern. Und solange die Investoren nicht an der Technologie verzweifeln - und es ist erstaunlich, dass diese Situation noch nicht eingetreten ist - , wird die Nasdaq neue Tiefstände verzeichnen.
Reicht der doppelte Boden nicht aus?
Früher war die Rede von der typischen Ausbildung eines Doppelbodens durch die Nasdaq, wobei das zweite Tief ungefähr fünf Prozent unter dem Schlusskurs des ersten liegt. Dieses Szenario ist nun ernsthaft bedroht.
Wenn dieser Tiefstand in der Vergangenheit erreicht und der Markt stark überverkauft war, konnte die Nasdaq mit einem stattlichen mittelfristigen Aufschwung rechnen. Aber die Rally der letzten Woche hat nur einen Teil der kurzfristigen Oversold-Situation aufgearbeitet, um dann kläglich zu scheitern.
Die Nasdaq befindet sich jetzt in einer Unterstützungszone zwischen 1924 und 2061 Zählern, die durch ein kleines Seitwärts-Konsolidierungsmuster seit Ende 1998 entstanden ist. Doch je weiter wir in der Vergangenheit auf den Charts nach Unterstützungszonen Ausschau halten, desto schwächlicher werden sie.
Die Stimmung ist immer noch zu optimistisch
Trotz der Markteinbrüche zeigen viele Stimmungsindikatoren immer noch keine Werte an, die für bedeutende Tiefs typisch sind. Das Put/Call-Verhältnis der Optionsbörse in Chicago CBOE erreicht bei entscheidenden Tiefständen gewöhnlich eine Marke von 1,00 oder mehr, doch zurzeit liegt es unter 0,80. Der Volatilitätsindex VIX, gegenwärtig unter 30, bewegt sich bei den meisten Tiefs über 40 Punkte. Auch die Investors Intelligence-Umfrage bei Newsletter-Autoren lässt noch immer zu viel Optimismus erkennen. Die Zahlen haben sich zwar ein wenig verschlechtert, aber sie zeigen gleichwohl noch 53,6 Prozent Bullen und nur 34 Prozent Bären an. Diese Umfrage müsste sich mindesten auf ein 40/40-Verhältnis zu bewegen, bevor von einer Talsohle die Rede sein kann.
Wenn Marktteilnehmer die Nasdaq vergessen können, sieht die Lage gar nicht so schlecht aus. Die New Yorker Börse befindet sich in einer massiven Seitwärts-Konsolidierung, die bis 1999 zurückreicht. Viele Blue Chips haben von der Technologie-Schwäche profitiert, so dass etwa 70 Prozent der NYSE-Werte über ihrem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage gehandelt werden. Das mit der Advance/Decline-Linie gemessene Verhältnis von Kursgewinnern zu Kursverlierern hat jüngst die seit April 1998 existierende, abwärts weisende Trendlinie nach oben durchbrochen.
Kürzliche Breitenstatistiken sind die stärksten seit rund drei Jahren, weil Gelder in jahrelang vernachlässigte Titel umgeschichtet werden. Etliche Industrien florieren, darunter Luft- und Raumfahrt/Verteidigung, Smallcap- und Midcap-Finanzdienstleister, Chemietitel, ausgewählte Gesundheitsversorgungs- und Medizinwerte, Tabak, Lebensmittel, Verkehr, Erdgas und Öl.
Es gilt, auf die Botschaft des Marktes zu warten, dass man sich wieder wachstumsorientierten Aktien zuwenden kann. Aber vorläufig ist es ratsam, den Schutz der Substanztitel nicht zu verlassen.
Der Autor ist Technischer Analyst bei Standard & Poor's
gruß
proxi
Die Nasdaq wird sich nicht schnell erholen
Von Mark Arbeter
13. März 2001 Um diese Zeit im letzten Jahr stand die Nasdaq bei über 5.000 Punkten, und alle Technologiewerte schienen unaufhaltsam in die Höhe zu schießen. Heute präsentiert sich uns ein Spiegelbild: Die Nasdaq durchbricht die 2.000 Zähler und ein Ende des Sturzes ist nicht abzusehen. Diese Baisse wird irgendwann einen Boden bilden, aber er ist noch nicht erreicht.
Man hat das Gefühl, dass viele Investoren weiterhin glauben, eine Rückkehr zu den glanzvollen Tagen der Nasdaq werde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Doch ein solches Szenario muss bezweifelt werden. In diesem Segment sind immer noch zu viele Anlagefonds und Investoren engagiert, die unverändert hoffen, durch eine Markterholung gerettet zu werden. Sie dürften sich jedoch täuschen, denn der Weg zu besseren Zeiten scheint lang und mühsam zu sein.
Wenn die Märkte stärker sind, haben Aktien und Indizes eine Tendenz, in Oversold-Situationen scharf anzusteigen und sich dann weiter in die Höhe zu bewegen. Auch in einer Baisse erholt sich der Markt zuweilen, wenn er überverkauft ist, aber nur, um danach auf neue Tiefstände zu sinken. Rallys sind zum jetzigen Zeitpunkt höchst selten, und sie werden durch zusätzliche Verkäufe rasch beendet.
Wer sich einen Technologie-Chart anschaut, kann die Ursache sofort erkennen. Diese Aktien haben einen enormen Angebotsüberhang, weshalb sie bei jeder Rally von den Marktteilnehmern, die ihre Verluste begrenzen wollen, abgestoßen werden. Bis sich die Stimmung gegenüber dem Sektor ändert und die Charts ein paar höhere Tiefstände und höhere Höchststände anzeigen, werden die Anleger ihre Technologie-Portfolios weiter verringern. Und solange die Investoren nicht an der Technologie verzweifeln - und es ist erstaunlich, dass diese Situation noch nicht eingetreten ist - , wird die Nasdaq neue Tiefstände verzeichnen.
Reicht der doppelte Boden nicht aus?
Früher war die Rede von der typischen Ausbildung eines Doppelbodens durch die Nasdaq, wobei das zweite Tief ungefähr fünf Prozent unter dem Schlusskurs des ersten liegt. Dieses Szenario ist nun ernsthaft bedroht.
Wenn dieser Tiefstand in der Vergangenheit erreicht und der Markt stark überverkauft war, konnte die Nasdaq mit einem stattlichen mittelfristigen Aufschwung rechnen. Aber die Rally der letzten Woche hat nur einen Teil der kurzfristigen Oversold-Situation aufgearbeitet, um dann kläglich zu scheitern.
Die Nasdaq befindet sich jetzt in einer Unterstützungszone zwischen 1924 und 2061 Zählern, die durch ein kleines Seitwärts-Konsolidierungsmuster seit Ende 1998 entstanden ist. Doch je weiter wir in der Vergangenheit auf den Charts nach Unterstützungszonen Ausschau halten, desto schwächlicher werden sie.
Die Stimmung ist immer noch zu optimistisch
Trotz der Markteinbrüche zeigen viele Stimmungsindikatoren immer noch keine Werte an, die für bedeutende Tiefs typisch sind. Das Put/Call-Verhältnis der Optionsbörse in Chicago CBOE erreicht bei entscheidenden Tiefständen gewöhnlich eine Marke von 1,00 oder mehr, doch zurzeit liegt es unter 0,80. Der Volatilitätsindex VIX, gegenwärtig unter 30, bewegt sich bei den meisten Tiefs über 40 Punkte. Auch die Investors Intelligence-Umfrage bei Newsletter-Autoren lässt noch immer zu viel Optimismus erkennen. Die Zahlen haben sich zwar ein wenig verschlechtert, aber sie zeigen gleichwohl noch 53,6 Prozent Bullen und nur 34 Prozent Bären an. Diese Umfrage müsste sich mindesten auf ein 40/40-Verhältnis zu bewegen, bevor von einer Talsohle die Rede sein kann.
Wenn Marktteilnehmer die Nasdaq vergessen können, sieht die Lage gar nicht so schlecht aus. Die New Yorker Börse befindet sich in einer massiven Seitwärts-Konsolidierung, die bis 1999 zurückreicht. Viele Blue Chips haben von der Technologie-Schwäche profitiert, so dass etwa 70 Prozent der NYSE-Werte über ihrem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage gehandelt werden. Das mit der Advance/Decline-Linie gemessene Verhältnis von Kursgewinnern zu Kursverlierern hat jüngst die seit April 1998 existierende, abwärts weisende Trendlinie nach oben durchbrochen.
Kürzliche Breitenstatistiken sind die stärksten seit rund drei Jahren, weil Gelder in jahrelang vernachlässigte Titel umgeschichtet werden. Etliche Industrien florieren, darunter Luft- und Raumfahrt/Verteidigung, Smallcap- und Midcap-Finanzdienstleister, Chemietitel, ausgewählte Gesundheitsversorgungs- und Medizinwerte, Tabak, Lebensmittel, Verkehr, Erdgas und Öl.
Es gilt, auf die Botschaft des Marktes zu warten, dass man sich wieder wachstumsorientierten Aktien zuwenden kann. Aber vorläufig ist es ratsam, den Schutz der Substanztitel nicht zu verlassen.
Der Autor ist Technischer Analyst bei Standard & Poor's
gruß
proxi