Die Liebe der Aktionäre geht durch den Magen!


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Die Liebe der Aktionäre geht durch den Magen!

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28.05.07 17:53
News - 28.05.07 10:05
HINTERGRUND: Liebe geht durch den Magen - auch bei Aktionären

FRANKFURT (dpa-AFX) - Manchmal sind es die kleinen Dinge, die Aktionären auf der Seele brennen: 'Sie können ja nichts dafür, Herr Schimmelmann, aber wenn man hier auf Toilette will, dann muss man erst raus aus dem Saal, die Treppe hoch und dann die Treppe wieder runter', beschwerte sich ein Anleger während der diesjährigen Hauptversammlung der Deutschen Postbank  bei Vorstandschef Wulf von Schimmelmann. Allerdings nicht im Vier-Augen-Gespräch, sondern während der Sitzung per Saalmikrofon. Solche Kritik jenseits von Renditezahlen und Vorstandsgehältern ist nicht selten, wie bei etlichen Hauptversammlungen der DAX-Konzerne in diesem Jahr wieder zu erleben war.

FRIKADELLEN AUSGEGANGEN

Auch Schimmelmanns Amtskollege Klaus-Peter Müller von der Commerzbank  musste sich beim Aktionärstreffen Mitte Mai harsche Kritik anhören. 'Ich weiß nicht, wer meine vier Croissants gegessen hat - ich war es nicht', klagte ein Kleinaktionär. Zuvor hatten sich gleich mehrere Redner beschwert, dass die Frikadellen ausgegangen waren. Am Ende kroch Müller zu Kreuze: 'Sie sehen meine Kollegen und mich reuig.' Er habe nicht gedacht, dass einige der knapp 2.500 anwesenden Anleger hungern müssten, wenn zusätzlich zu Frühstück und Kuchen 2.800 Würstchen, 2.500 Frikadellen, 500 vegetarische Burger und schüsselweise Kartoffelsalat gereicht werde.

Dabei ist das Phänomen raffgieriger Gäste bei Hauptversammlungen durchaus bekannt: 'Da ist kein Blumenstrauß mehr sicher', heißt es bei einem DAX-Konzern. Erst recht, seitdem die Unternehmen bei Geschenken für die Besucher sparten. Beim Chemieriesen Bayer  habe die Abschaffung des Präsente-Päckchens vor einigen Jahren die Zahl der teilnehmenden Aktionäre von 20.000 auf unter 7.000 fallen lassen, erinnert sich Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

RENTNERTREFF HAUPTVERSAMMLUNG

Heute sind es vor allem Betriebsangehörige oder ehemalige Mitarbeiter, die die Fahrt zu den Versammlungshallen auf sich nehmen. 'Besonders die Renter gehen gerne zur Hauptversammlung, die nutzen das auch als Treffpunkt', sagt Keitel. Hinzu kämen kundige Einzelaktionäre und Aktionärsvertreter. Eine weitere Gruppe bildeten institutionelle Anleger. Deren Vertreter gehen jedoch in der Menge der grau melierten, schlohweißen oder silberfarbenen Köpfe oftmals unter. 'Wenn die sehen, das läuft alles, wir haben gute Kontakte zum Vorstand, dann müssen die nicht unbedingt reden', sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Tatsächlich üben Großaktionäre ihren Einfluss lieber im Verborgenen aus. So zog die Deutsche Börse  dieses Jahr einen Antrag auf Erhöhung des genehmigten Kapitals zurück, um den US-Hedge-Fonds Atticus zu besänftigen. Dieser hatte kurz vor der Hauptversammlung in Frankfurt die milliardenschweren Pläne zur Übernahme der Optionsbörse International Securities Exchange (ISE) in einem Brief an Vorstand und Aufsichtsrat scharf kritisiert und Widerstand angekündigt. 2005 hatte ein anderer Hedge-Fonds für Aufregung bei der Deutschen Börse gesorgt: TCI-Chef Christopher Hohn war angeblich unter den Teilnehmern der damaligen Hauptversammlung, gab sich aber nicht zu erkennen. Die Jagd nach dem Phantom begann. Hinter den Kulissen hatten Hohn und seine Mannen die Börse damals in die Knie gezwungen und Ausschüttungen in Milliardenhöhe durchgesetzt.

TAGESORDNUNG UNVERSTÄNDLICH

So viel Einfluss wie mächtige Fonds haben Aktionärsvereinigungen nur selten. Zwar interessiert es den Vorstand laut DSW-Sprecher Kurz durchaus, wo es an der Basis brodelt. Der Stimmanteil sei aber meist zu klein, um Veränderungen durchzusetzen. Dennoch übertragen viele Anleger den Vereinigungen ihr Stimmrecht. 'Gerade bei großen Gesellschaften ist es ein Problem, dass die Aktionäre die Tagesordnungen nicht mehr richtig verstehen', erklärt Anlegerschützerin Keitel. Ein Mitarbeiter eines DAX-Konzerns bestätigt: 'Da muss man schon fast ein betriebswirtschaftliches Studium abgeschlossen haben.'

So bleiben die Konsequenzen von Vorstandsplänen und Kapitalbeschlüssen den meisten Teilnehmern von Hauptversammlungen verborgen. Umso mehr Wert legen sie darauf, als Eigentümer der Unternehmen die entsprechende Wertschätzung entgegengebracht zu bekommen. Der Weg zu den Herzen der Aktionäre scheint einfach: Mit einer Naturaldividende in Form guter Verpflegung./eri/DP/stw

--- Von Elke Richter, dpa ---

Quelle: dpa-AFX
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