Freitag, 17. Februar 2006
Die letzte Bärenbastion!
von Jochen Steffens
Der Dow hat nun die 11.000 Punkte Marke nachhaltig überwinden können. Das ist bullish zu werten. Die ersten Anzeichen für meine Prognose sind nun zu erkennen.
Der Nikkei ist schwach, hier wird schon davon berichtet, dass ausländische Investoren das Geld abziehen. Der Rohstoffmarkt ist schwach, auch hier wird offensichtlich massiv verkauft. Sie müssen sich nur fragen, wo wird das Geld, was hier aktuell realisiert wird, hinfließen?
Offenbar, obwohl Umfragen zufolge, Europa im Moment der beliebteste Anlagestandort ist, nein, offenbar nicht in den Dax. Denn ist Ihnen aufgefallen, der Dax zieht in den letzten Tagen nicht mehr so recht mit, wenn die Amis steigen. Und die Amis steigen!
Ein erster zarter Hinweis
Das ist zwar erst ein hauchzarter Anfang, aber es könnte (ich möchte mich noch so vorsichtig ausdrücken, dazu gleich mehr) ein erster Hinweis darauf sein, dass meine doch sehr gewagte These, die ich seit einigen Wochen bereits prognostiziere, zutreffen wird: Die Amis werden 2006 die positive Überraschung, der Dax hingegen wird spätestens im Frühling relative Schwäche zu den amerikanischen Indizes zeigen.
Aber noch sind das, wie gesagt, nur erste zarte Anzeichen und zudem gibt es noch ein paar wichtige Widerstände für den Dow zu überwinden, dazu der aktuelle Chart:
Eigentlich befindet, oder besser: befand er sich in einer Seitwärtsrange, hier als blaues Rechteck dargestellt. Aus dieser ist er nun deutlich ausgebrochen. Noch gibt es allerdings eine kleine Hürde, die ich hier die "letzte Bärenbastion" nennen möchte:
Die Broadening Formation ein Zeichen der Unsicherheit
Man kann die Entwicklung des Dow nämlich auch als eine sogenannte "Broading Formation" bezeichnen. Das ist ein sich nach rechts verbreiterndes Dreieck, hier in Form der beiden roten Linien eingezeichnet.
Nun sind solche Broadening Formationen sehr tückisch. Sie geben nämlich keine spezielle Aussage über den weiteren Trendverlauf ab. Die eigentliche Aussage dieser Formation ist: Unsicherheit! Solche Formationen treten immer nur dann auf, wenn der Markt, die Investoren verunsichert sind. Es kommt dann zu tieferen Tiefs und zu höheren Hoch – das ist auch gleichzeitig das deutlichste Zeichen dieser Unentschlossenheit.
Das Problem dabei ist: Unsicherheit ist selten gut für die Märkte. Also wird die Broadening Formation häufig als bearish eingestuft. Es sei denn, die Unsicherheit hat einen Grund und dieser fällt weg.
Hat der Notenbankchefwechsel die Märkte verunsichert?
Damit ist die Frage, was könnte denn den Markt, insbesondere den Dow, also die großen US-Aktien, so verunsichert haben?
Wenn Sie nun den Ausbruch aus der Seitwärtsbewegung mit einem Ereignis in Zusammenhang setzen, dann hat dieser Ausbruch wohl deutlich mit dem Notenbankchefwechsel und der ersten Rede von Ben Bernanke in dieser Woche zu tun.
Und tatsächlich liegt der Schluss nahe, dass es gerade diese "Unsicherheit" vor dem Notenbankchefwechsel gewesen ist, die den Dow in diese seltsamste unter den Chartformationen gezwungen hat.
Das würde wiederum bedeuten, dass durch die nun eintretende Sicherheit, Ben Bernanke wird weitgehend die Politik Alan Greenspans fortsetzen, der Chart nach oben ausbricht.
Der Markt wird die Entscheidung treffen
Das sind die Theorien dazu. Wie ich gestern geschrieben habe: Schöne Theorien gibt es viele. Letzten Endes entscheidet der Markt – also schauen wir mal, ob der Markt auch der Ansicht ist, dass die Phase der Unsicherheit zu Ende ist.
Dann würde die letzte Bärenbastion fallen und der Weg für einen langen Anstieg der Amis wäre frei. Aber Achtung, im Moment setzt der deutlich gefallene Ölpreis zu einer Gegenbewegung an. Es kann also gut sein, dass der Dow zunächst noch einmal den Ausbruch über das letzte Hoch bei 11.050 Punkten testet. Hier wird es sich dann entscheiden: Fällt er wieder in den die Seitwärtsbewegung, sogar unter die 11.000er Marke, dann wird's bearish. Hält er sich über der 11.000 Marke, schafft sogar einen Ausbruch nach oben, dann wird so richtig bullish.
That's it!
Ihr
Jochen Steffens
