Anrufe aus der Hölle
"Ich liebe dich, ich liebe dich
sehr"
Mehreren Passagieren der in den USA entführten und zu
Terroranschlägen benutzten Maschinen gelang es, kurz vor
der Katastrophe noch Anrufe abzusetzen - es sind ihre
letzten Lebenszeichen.
Washington/Pittsburgh - Der
US-Sender CNN meldete, aus der
Maschine, die wenig später auf das
Pentagon in Washington abstürzte,
habe die CNN-Kommentatorin Barbara
Olson zweimal mit dem Handy ihren
Mann angerufen und ihm mitgeteilt, das
Flugzeug sei in der Hand von
Entführern.
Rechtsanwalt Ted Olson berichtete
CNN, seine Frau habe ihm mitgeteilt,
die Maschine sei entführt, alle Passagiere und die Besatzung, der
Pilot eingeschlossen, seien ins Heck der Maschine gezwungen
worden. Über die Nationalität und die Motive der Entführer habe
seine Frau nichts gesagt. Die Entführer seien nur mit Messern
bewaffnet gewesen. "Was soll ich dem Piloten sagen, was er tun
soll", habe seine Frau gesagt, "typisch für sie", sagte Olson. Das
Gespräch sei plötzlich abgerissen.
Eigentlich hatte Frau Olson am Montag fliegen wollen. Am Dienstag
hatte ihr Mann Geburtstag, und deshalb wollte sie zum Frühstück
bei ihm sein. CNN meldete, Barbara Olson sei tot. Bei dem offenbar
gelenkten Absturz der Maschine in Washington war ein Teil des
Verteidigungsministeriums in Flammen aufgegangen.
"Drei Männer haben die Kontrolle übernommen"
Auch vor dem Absturz des mit 45 Menschen besetzten
Verkehrsflugzeugs im Westen des US-Bundesstaates Pennsylvania
hat es nach Angaben des örtlichen Notrufzentrums offenbar noch
einen Hilferuf gegeben.
Aus dem Notrufzentrum in Pittsburgh verlautete am Abend, ein
Mann habe aus der ebenfalls entführten Boeing 757 mit seinem
Handy einen Notruf durchgegeben und mitgeteilt, die Maschine auf
dem Flug von Newark in New Jersey nach San Francisco sei
entführt worden. Der Mann habe gesagt, er habe sich auf der
Toilette des Flugzeugs eingeschlossen. Der Anruf sei um 15.58 Uhr
(MESZ) beim Notrufzentrum Westmoreland bei Pittsburgh
eingegangen. Die Maschine stürzte um 16.06 Uhr (MESZ)
südöstlich der Stadt Shanksville in ein Waldgebiet ab. Dem
31-jährige Public-Relations-Manager Mark Bingham gelang es, seine
Mutter Alice Hoglan anzurufen. Hoglan berichtete, ihr Sohn habe
gesagt: "Ich bin in der Luft. Ich rufe aus dem Flugzeug an. I love
you. Sie übernehmen die Maschine, drei Männer mit einer Bombe."
Dann habe er wiederholt: "Ich liebe dich sehr."
Der Sprecher konnte US-Medienberichte nicht bestätigen, wonach
der Mann von einer Explosion an Bord und weißem Rauch
berichtete, bevor die Verbindung abriss. Die Telefonaufzeichnungen
wurden der amerikanischen Bundespolizei FBI zur Auswertung
übergeben.
Eine Stewardess wurde niedergestochen
Zweimal gelang es einem Geschäftsmann an Bord eines der
Flugzeuge, die in das World Trade Center rasten, seinen Vater
anzurufen. Beide Male seien die Anrufe unterbrochen worden,
sagte der Mann dem FBI. Beim ersten Mal habe er mitgeteilt, dass
eine Stewardess niedergestochen worden sei. Beim zweiten Anruf
sagte er, das Flugzeug stürze ab.
Eine Stewardess der American Airlines aus der anderen Maschine,
die im World Trade Center explodierte, setzte noch einen Notruf
ab. Sie teilte mit, dass sie und ihre Kolleginnen mit einem Messer
angegriffen worden seien, hieß es bei American Airlines.
WTC: "Es ist alles voller Rauch"
Auch aus dem World Trade Center riefen Leute Verwandte an. Ein
Kolumbianer schickte kurz vor dem Einsturz einer der beiden Türme
des World Trade Center einen letzten Hilferuf aus dem 103.
Stockwerk zu seinem Bruder in der Heimat. "Wir sind
eingeschlossen, sie können uns nicht retten, und es ist alles voller
Rauch", rief der Kellner Wilder Gomez Piedrahita verzweifelt in sein
Handy. "Wir sitzen fest und kommen nicht raus", habe der
38-Jährige immer wieder gerufen. Kurz darauf sei das Gespräch
abgebrochen und das Gebäude in sich zusammengesackt,
berichtete die Zeitung "El Tiempo" unter Berufung auf den Bruder in
Cali.