Die Day-Trader kommen zurück


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Nassie:

Die Day-Trader kommen zurück

 
21.03.04 12:47
Für gestandene Profis im Aktienhandel war das Zentrum der Welt schon immer das Parkett der New Yorker Börse an der Wall Street. Für Day Trader lag es in der Mitte Manhattans auf der Madison Avenue. Das war zumindest während der Börsenhausse Ende der neunziger Jahre so. Der zweitgrößte amerikanische Onlinebroker E-Trade hatte dort in einer großen Filiale Arbeitsplätze für diese Privatanleger eingerichtet, die mit dem schnellen Aktienhandel über das Internet reich werden wollten. Day Trader, das sind jene Privatanleger, die besonders schnell an den Börsen agieren, die möglichst am selben Tag noch ihre gerade gekauften Wertpapiere wieder mit Gewinn abstoßen wollen.

Wer heute allerdings bei E-Trade in New York einen professionell ausgestatteten Computer mit Handelsbildschirm mieten will, wird am Telefon vertröstet. "Wir haben nur noch einen 170 Quadratmeter großen Raum hier, in dem sie ihre Kontostände abfragen können", sagt der E-Trade-Mann am Telefon in der einzigen Geschäftsstelle an der Park Avenue. Die Filiale in der Madison Avenue mit ihren mietbaren Rechnern sei nach dem Platzen der spekulativen Börsenblase geschlossen worden. Aber es besteht wieder Bedarf. "Sie sind nicht der erste, der deswegen anruft", sagt der Angestellte von E-Trade.

Hobby zum Beruf gemacht

Online-Handel hat wegen der gestiegenen Aktienkurse in Amerika wieder spürbar an Popularität zugenommen. So liegt die Zahl der durchschnittlichen Transaktionen bei den großen Online-Brokern deutlich höher als noch im vergangenen Jahr. Zwar sind beim Marktführer Charles Schwab im Februar die Transaktionen wieder um 22 Prozent zurückgegangen, weil die Börse stagnierte. Gegenüber dem Vorjahr handelten die Kunden aber dennoch um knapp 65 Prozent mehr. Das entspricht auch dem allgemeinen Trend bei den großen Konkurrenten E-Trade oder Ameritrade. Zwei Jahre nach Kürzungen beim Personal und den Werbekosten erhöht Charles Schwab das Werbebudget und stellt wieder Leute ein, weil sich die geschäftliche Entwicklung verbessert.

Auch die Zahl der Day Trader, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, nimmt zu. "Es gibt definitiv mehr Volumen, mehr Bewegung, und es handeln mehr Leute", sagt Chris Mercer, der den auf Day Trader spezialisierten Finanzdienstleister Tradesight besitzt. Das Geschäft der Day Trader ist auch nicht mehr nur auf Aktien beschränkt. Auch der Handel mit Währungen ist populär geworden. Dieses Marktsegment stand früher wegen der hohen Beträgen, die bewegt werden mußten, nur Profis offen. Aber mittlerweile bieten Dutzende von Firmen Handel mit kleineren Einsätzen an.

Wurf einer Münze

Zwar warnte der amerikanische Notenbankchef Alan Greenspan kürzlich, daß es kein Prognosemodell für Währungstrends gebe, das besser sei als der Wurf einer Münze. Aber Risiko schreckte Day Trader noch nie. Den Händlern, die auf schnelle Transaktionen setzen, um von kleinen Kursschwankungen innerhalb eines Handelstages zu profitieren, ist fundamentale Aktienanalyse ein Greuel. Sie wissen oft kaum, welches Geschäft die Unternehmen machen, deren Aktien sie handeln. Ein Day-Trading-Fachmann hat es während der Hausse einmal mit einem Nintendo-Spiel verglichen, bei dem der wichtigste Schlüssel zum Erfolg eine gute Augen-Hand-Koordination sei, um schnell mit der Computermaus auf Kursbewegungen reagieren zu können.

Der für technische Aktienanalyse beim Wertpapierhaus Prudential zuständige Ralph Acampora hatte Tageshändler deswegen für gefährliche und uninformierte Verlierer gehalten. Schon damals machten einer Studie der Wertpapieraufsicht der amerikanischen Bundesstaaten Nasaa zufolge knapp drei Viertel der Day Trader Verlust. Selbst Leute wie Gary Roth, der die immer noch existierende kleine Investmentfirma Equity Trading gegründet hatte, warnte auf Einführungsseminaren vor den Risiken. "Es ist unmöglich, Geld als reiner Day Trader zu verdienen", lautete sein Mantra. Aber diese Warnungen verpufften im Rausch der Hausse.

Unbeeindruckt von den Verlusten während der Baisse, kommen Day Trader wieder zurück, und bei E-Trade gibt es offenbar Überlegungen, von diesem Trend stärker zu profitieren. Potentielle Kunden werden nämlich nicht grundsätzlich abgewiesen. Die Auskunft in der E-Trade-Filiale auf die Frage nach mietbaren Computern dürfte viele Day-Trader-Herzen höher schlagen lassen: "Rufen Sie doch in ein paar Monaten noch mal an. Vielleicht können wir Ihnen dann weiterhelfen."


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