Vielleicht werden dann GM,Ford und Chrysler auch noch verstaatlicht, die Zündschnur
wurde nur etwas verlängert. *Grins*
Diese "Rettung" ist ein Super-Gau von Angela Göpfert (www.boerse.ARD.de)
An den Börsen wird nach der Verstaatlichung von Fannie und Freddie ein Tanz und ein Freudenfest veranstaltet, dass man sich nur die Augen reiben kann. Diese Reaktion ist völlig naiv, meint Angela Göpfert. Das böse Erwachen ist vorprogrammiert.
Offenbar scheint das Gros der Anleger tatsächlich zu glauben, die Probleme am US-Immobilienmarkt seien nun vorbei, die Amerikaner hätten plötzlich wieder Geld zum Konsumieren und der US-Wirtschaft stünden nunmehr glorreiche Quartale oder gar Jahre mit satten Wachstumsraten bevor. Anders lassen sich die Kurszuwächse von über drei Prozent in Asien und Europa kaum deuten.
Auch wenn das kurzfristige Denken ein altes Anlegerleiden ist: Diesmal scheinen die meisten Investoren noch nicht einmal eine Sekunde darauf verwendet zu haben zu überlegen, was eine Verstaatlichung der beiden US-Hypothekenfinanzierer wirklich bedeutet: eine Hiobsbotschaft.
Sozialismus aus schierer Verzweiflung
Denn diese Holterdiepolter-Aktion der US-Regierung zeigt: Die Probleme am US-Immobilienmarkt sind anscheinend noch viel schlimmer, als bislang befürchtet. Schließlich hatte die Regierung noch vor wenigen Wochen erklärt, dass eine Übernahme der beiden halbstaatlichen Baufinanzierer wohl nicht notwendig sei.
Doch offenbar hatte das erst im Juli verabschiedete Gesetzespaket, das Milliardenkredite für die Hypothekenbanken und die in Finanzierungsnöte geratenen Hausbesitzer vorsah, nicht die erwünschte Wirkung erzielt. Die plötzliche Kehrtwende der US-Regierung ist somit eine schiere Verzweiflungstat.
Zumal diese sozialistische Maßnahme von einer US-Regierung umgesetzt wird, von der es viele am wenigsten erwartet hatten. Schließlich scheuen Republikaner zumindest in offiziellen Statements staatlichen Interventionismus wie der Teufel das Weihwasser.
Mindestens 200 Milliarden Dollar Belastung
Die staatliche Rettungsaktion für die beiden Pleite-Geschwister Fannie und Freddie zeigt somit auch: Die Liebe zur freien Marktwirtschaft und Deregulierung ist in der vermeintlichen Hochburg des Kapitalismus nichts als ein Lippenbekenntnis. Wenn es drauf ankommt, dann zücken die USA die vermeintliche Allzweckwaffe Staatseingriffe schneller als Russland oder China.
Die Verstaatlichung der beiden Hypothekenfinanzierer wird den US-Haushalt offiziell zunächst mit maximal 200 Milliarden Dollar belasten, laut Kritiker und Ex-Fed-Mitglied Bill Poole dürften sich die Belastungen gar auf 300 Milliarden Dollar belaufen.
Die Intervention wird somit vermutlich die teuerste staatliche Sanierungsmaßnahme für den Privatsektor in der US-Geschichte. Die Aussage des US-Finanzministeriums, es bestehe "kein Anlass für die Einschätzung, die Rettungsaktion würde den Steuerzahler Geld kosten", ist eine pure Augenwischerei!.
Keine Spur von einer Trendwende
Das gigantische Anschwellen des ohnehin schon besorgniserregend hohen US-Haushaltsdefizits wird indes auch an der US-Wirtschaft und somit den Aktienmärkten nicht spurlos vorübergehen. Zumal die zugrunde liegenden strukturellen Probleme damit bei Weitem nicht gelöst werden. Diese Verzweiflungstat der US-Regierung zeigt vielmehr, wie sehr den US-Hausbesitzern das Hals bis zum Wasser steht. So sind nach neuen Zahlen der Vereinigung der Hypothekenbanken vier Millionen Hausbesitzer mit ihren Zahlungen im Rückstand.
Markbeobachter rechnen frühestens Ende 2009/Anfang 2010 mit einer Wende am US-Immobilienmarkt. Erst dann dürfte sich der US-Konjunktur und folglich auch den globalen Aktienmärkten wieder die Chance auf ein nachhaltiges Wachstum eröffnen.
Fraglich ist nur die Brenndauer des Strohfeuers
Auch wenn es heute und vielleicht gar noch an den kommenden Tage zu einem kräftigen Kursschub, zusätzlich verstärkt durch einen Short-Squeeze, kommen dürfte: Diese Rally ist nichts als ein Strohfeuer, geschürt durch die Naivität zahlloser Anleger. Doch diejenigen, die heute einsteigen, werden dieselben sein, die die Rechnung zu begleichen haben, wenn an den Börsen wieder Vernunft einkehrt.
Somit bieten sich an Tagen wie diesem zwar einerseits sensationelle Möglichkeiten, um den Dax oder einzelne Titel zu shorten. Andererseits wusste schon John Maynard Keynes: "Die Märkte können länger irrational bleiben als wir liquide."