Die Börse braucht richtig schlechte Laune


Thema
abonnieren
Beiträge: 15
Zugriffe: 750 / Heute: 1
tom68:

Die Börse braucht richtig schlechte Laune

 
24.07.01 16:29
Handelsblatt 24.07.2001

Die Börse braucht richtig schlechte Laune


Für Trendwende fehlt noch die Kapitulation der Anleger


ULF SOMMER


„Kaufen, wenn die Kanonen donnern“, sagte Börsen-Altmeister André Kostolany. Die Anlagephilosophie mit dem Namen „Contrary Opinion“ heißt so viel wie: Kaufen, wenn die Stimmung am Boden ist; und verkaufen, wenn die Euphorie groß ist. Hintergrund: Optimisten haben ihr Geld investiert; Pessimisten warten dagegen auf bessere Zeiten und sind deshalb potenzielle Käufer.


HB DÜSSELDORF. In der Vergangenheit erwies sich die Börsenregel als zuverlässig. Die schlechte Stimmung während der Asienkrise 1998 bescherte dem Dax in drei Monaten ein Kursplus von 30 %. Als dagegen 1999 und Anfang 2 000 die Skepsis überwog, weil die Mehrheit an die Überbewertung der Börsen glaubte, explodierten vor allem die Kurse an den Technologiebörsen. Erst in der Gier kam es zum Crash.  
Trifft die „Contrary Opinion“ auch jetzt wieder zu, dann sieht es für die Aktienkurse düster aus. Denn alle Institutionen, die die Börsenstimmung messen, ermitteln eine positive Stimmung. „Nur kurzfristig hat sich das Sentiment wieder verschlechtert. Doch auffällig ist, dass der mittelfristige Optimismus sogar etwas zugenommen hat“, fasst Manfred Hübner, Vorstandschef der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands (VTAD) die Stimmung zusammen.  

Mit dem „Sentix“ ermittelt der VTAD ein Stimmungsbild an den Kapitalmärkten. Dabei werden professionelle und private Investoren wöchentlich über ihre Erwartungen für Aktien, Renten und Devisen befragt (www.sentix.de). Die jüngste Wochenauswertung ergibt, dass es für die US-Technologiebörse Nasdaq auf Basis eines mittelfristigen Anlagehorizontes 18 % mehr „Bullen“ als „Bären“ gibt – Optimisten haben also die Oberhand. Beim Dax und S&P-500-Index überwiegen die „Bullen“ mit 12 % bzw. 16 %. Nur auf Sicht eines Monats liegt die Stimmung meist im negativen Bereich.  

Diese Anlegerhaltung ermitteln auch US-amerikanische Institutionen wie „Investor Intelligence“. Teilweise hat die Zuversicht auf Basis von sechs Monaten und mehr sogar ein historisch hohes Niveau erreicht. Kaum jemand rechnet mit fallenden Kursen.  

Die Fondsverwaltung Dr. Jens Erhardt Kapital in München registriert derzeit 60 % Optimisten. Im April lag der Anteil nur bei 38 %. Auch Erhardt sieht die Trendwende in weiter Ferne: „Vor allem im Technologie-Sektor gab es noch keine Aufgabestimmung. Die ist aber notwendig, damit es wieder aufwärts geht.“ Kurzfristig deute allerdings das hohe Put-Call-Verhältnis (1,6 Optionsscheine auf fallende Kurse gegenüber einem Call auf steigende Kurse) auf eine Rally hin. Ebenso wie der VTAD ermittelt auch Erhardt auf kurzfristige Sicht ein hohes Risikobewusstsein der Anleger. Ursache dürften die durchwachsenen Quartalszahlen der Technologie-Unternehmen und die meist schlechten Ausblicke sein.  

Vor allem im Neuen Markt vermisst Manfred Hübner aber die Kapitulation. „Viele Investoren sitzen ihre Verluste aus und haben diese täglich vor Augen. Für eine Trendwende ist aber nötig, dass Anleger das Kapitel vorher abschließen, um später für einen Neubeginn bereit zu sein.“  

Eine zweigeteilte Stimmung stellt dagegen Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin fest. „Die meisten Broker verbreiten Zweckoptimismus. Dagegen sind die Kunden tief enttäuscht. Sie sitzen auf Verlusten und haben keine Lust mehr, neue Risiken einzugehen“, stellt die auf politisch-psychologische Börsenfaktoren spezialisierte Analystin fest. Und noch etwas stimmt Traud optimistisch, dass die Stimmung vielleicht schon negativ genug ist: In den vergangenen Wochen haben die Aktien-Verkaufsempfehlungen in ihrer Zunft stark zugenommen.

Antworten
schmuggler:

@Tom

 
24.07.01 16:37
Was mich betrifft ist meine Stimmung bezüglich der Börse schlecht genug! Doch wahrscheinlich hat der Autor des Artikels recht. Erst wenn die Kleinaleger bis an die Zähne bewaffnet die Firmengebäude stürmen und sämtliche Mitarbeiter als Geiseln nehmen, kann man von einer wirklich schlechten Börsenstimmung reden.    
Antworten
Seth Gecko:

seht euch nur mal Ariva an: Jeden Tag gibt's

 
24.07.01 16:44
hier unzählige Anfragen, wann denn die Rallye anfängt. Und das selbst an den schlimmsten Baisse-Tagen. Erst wenn das aufhört, und der Stern und die Tagesschau Weltuntergangs-Reportagen bezüglich der Börsen bringen, ist die Stimmung am Boden.
Davon sind wir noch weit entfernt.

"Kaufen, wenn die Kanonen donner, verkaufen wenn die Harfen erklingen.", stammt übrigens von Baron Rothschild. Kostolany pfelgte lediglich, ihn des öfteren in seinen Büchern zu zitieren. Egal, der Rothschild hat's bestimmt auch woandersher...
Antworten
Falcon2001:

Verkauft nur alle schön.

 
24.07.01 17:01
Ich bleib auf jeden Fall drin, denn ich sehe nicht ein das ich meine Kohle jemandem schenken soll, nur weil die Stimmung noch mieser werden muss. Dann warten wir eben bis St. Nimmerlein oder bis den Institutionellen die Lust am schlechtreden vergangen ist. Der Anleger ist halt inzwischen etwas schlauer als noch vor 40 Jahren.  
Antworten
schmuggler:

Ich bin da anderer Meinung

 
24.07.01 17:03
Eben aufgrund solcher Börsenstimmungs-Theorien wartet jeder Anleger nur ab und so wird es am Neuen Markt nie wieder richtig aufwärts gehen können. Denn, die die drin sind wissen: "jetzt auszusteigen wäre blödsinnig" und die anderen warten eben bis die Talsohle durchschritten ist. So wird sich am Neuen Markt in absehbarer Zeit nichts tun. Die Anleger müssen meiner Meinung nach erst neuen Mut fassen. Hier sind vorallem die Unternehmen und die Börse an sich gefragt. Insidergeschäfte, Bilanzkosmetik und sonstige Betrügereien müssen aufhören und AGs gegebenenfalls von der Börse streng abgestraft werden. Was bringt ein Knall von -10% am Neuen Markt, wenn die Aktionäre davon ausgehen müssen weiterhin beschissen zu werden.


Schmuggler
   
Antworten
Seth Gecko:

wie schlau der Anleger in den letzten 40 Jahren

 
24.07.01 17:05
geworden ist, dokumentiert der Salami-Crash am NEMAX seit März 2000.

Kein bißchen dazugelernt!

cu, seth
Antworten
Seth Gecko:

@schmuggler

 
24.07.01 17:08
die Erfahrung Zeit: Erst kommt der Aufschwung, dann der Mut.
Fast jede Rallye beginnt in einem Jammertal, in der eine absolute Minderheit an mutigen Leuten zu kaufen beginnt. Wenn dann alle mutig werden, ist der Höhepunkt erreicht, und die Rallye vorbei. Nur so erklären sich ja auch sämtliche Höchstkurse.

cu, seth
Antworten
Nobody II:

@schmuggler

 
24.07.01 17:11
Deswegen sind ja Q-Zahlen so wichtig. Wenn die besser werden, dann spricht auch weider von Unterbewertung und wie weit es dann hoch geht ist dann wieder die Blasen-Geschichte !


Gruß
Nobody II
Antworten
MaMoe:

@Falcon2001: mit der Einstellung wirst du an der

 
24.07.01 17:12
Börse auf jedenfall mehr verlieren als verdienen ...

Verluste begrenzen (=verkaufen) und Gewinne laufen lassen

Aber 95% alle Anleger verhalten sich nach deinem Schema. Scheiss Psychologie eben ... was die meisten davon hatten will ich lieber nicht wissen ... mir reichts, wenn ich ab und zu Depots von Bekannten gezeigt bekomme ...

Und Sexys-Threat: "Wer ist noch Pleite ??" zeigt, das es die bittere Wahrheit ist, die scheiss Psychologie der Anleger ...

Wenn du von deinen Aktien überzeugt bist, warum steigst du nicht aus, wartest einige Zeit und steigst mind. 15-20% billiger wieder ein ?

Aber egal ...

MaMoe.
Antworten
MaMoe:

Gegen einen Trend handeln kostet eben Geld. o.T.

 
24.07.01 17:16
Antworten
n1608:

In der Differenzierung liegt die Macht

 
24.07.01 17:27
sicherlich haben seth und mamoe recht in ihrer betrachtung. auf der anderen seite sollte man aber auch nicht vergessen, wo wir schon bei psychologie sind, dass übertreibungen immer in beide richtungen vollzogen werden. so wie bei 8000 pkt. alle kaufen geschrien haben, rufen nun alle bei 1100 pkt. verkaufen. stellt sich mir die frage, ob wir noch mal 85% runter müssen, bis es wieder aufwärts gehen kann. vielleicht haben wir aber schon das größte stück nach unten hinter uns und da interessiert es mich, als hauptsächl. auf indexzertifikaten setzender investor, wenig ob wir bei 1000 oder bei 800 pkt. die wende sehen. jetzt stück für stück investieren ist für mich die devise.
Antworten
Seth Gecko:

@guter Aspekt, n1608

 
24.07.01 17:38
Ich fürchte, daß wir ohne Übertreibung nach unten nicht davonkommen werden.
Antworten
Seth Gecko:

Trends hinterherrennen kostet Geld. o.T.

 
24.07.01 17:39
Antworten
n1608:

@seth

 
24.07.01 17:47
sind 1100 pkt. für dich noch keine übertreibung? und wenn nicht, wo fängt deiner ansicht nach die übertreibung an?
Antworten
Seth Gecko:

läßt sich schwer sagen, da am neuen markt außer-

 
24.07.01 21:18
gewöhnliche viele "insolvenznahe" gelistet sind, und da am neuen markt die differenz zwischen gewinnprognose und tatsächlichem gewinn wahrscheinlich doppelt so hoch ist wie beispielsweise an der nasdaq (schätzung meinerseits, müßte man mal recherchieren), und da die meisten(!!!) nemax-unternehmen verluste machen. das durchschnittliche KGV des nemax hat folglich kaum statistische relevanz. wenn man die wenigen seriösen unternehmen mal wegläßt (z.b. scm microsystems, maxdata, singulus, senator(???)), würde ich sagen, die übertreibung nach unten beginnt so ab ca. 500 punkten. aber leider läßt der markt die seriösen unternehmen nicht einfach mal so weg, und somit haben diese unter den katastrophalen umständen der anderen zu leiden.
schlußendlich denke ich schon, daß man ab 1000 punkten von einer übertreibung sprechen kann. wann wir die marke von 100 pkt unterschreiten werden, weiß ich nicht, ebensowenig wie tief der absolute tiefstkurs liegen wird.

cu, seth
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--