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Deutsche haben Angst vor Aktien!

4
17.01.07 12:05

Die Deutschen und ihre Papiere

Angst vor der Aktie

Das vierte Jahr nun steigen in Deutschland schon die Kurse - doch die Zahl der Aktionäre sinkt rapide. Nur der Markt für Zertifikate boomt.
Von Simone Boehringer

Deutsche haben Angst vor Aktien! 3031564
Deutsche haben Angst vor Aktien! 3031564

Graphik: SZ

 

Das Zutrauen der Deutschen zur Aktienanlage bleibt im internationalen Vergleich weiter niedrig. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) vom Dienstag hatten 10,3 Millionen Bundesbürger im vergangenen Jahr ihr Geld in Aktien oder Aktienfonds investiert.

Das entspricht 15,8 Prozent der Bevölkerung. Damit liegt Deutschland auch vier Jahre nach Beginn der laufenden Börsenhausse noch weit hinter anderen vergleichbaren Ländern zurück.


"Gefahr, zu spielen"

Nach DAI-Angaben verfügen zum Beispiel derzeit rund die Hälfte der US-Haushalte über Aktien oder Fondsanteile, in Großbritannien hat ein knappes Viertel der Bevölkerung ein Aktiendepot, in Spanien setzt ein Drittel der Familien auf Dividendenpapiere oder Fonds.

"Dies ist keineswegs ein zufriedenstellendes Ergebnis", kommentierte DAI-Chef Rüdiger von Rosen die Zahlen, die um knapp eine halbe Million hinter dem Stand von 2005 und um rund 2,5 Millionen (etwa zwanzig Prozent) hinter den Rekordzahlen aus dem Jahr 2001 zurückliegen.

Nach einer Delle im ersten Halbjahr 2006 stieg die Zahl der Aktionäre zwar zuletzt wieder an. Allerdings fand die Rückkehr nicht immer eine Entsprechung in den Anlagevolumina. Gut nachzuweisen ist dies etwa für die Aktienfondsanlage. So stieg die Zahl der reinen Fondsbesitzer in den vergangenen sechs Monaten zwar um mehr als eine halbe Million und kompensierte damit die Rückgänge im ersten Halbjahr.

Gleichzeitig sank jedoch das Mittelaufkommen in Aktienfonds nach Angaben des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) bis Ende November per saldo um rund zwei Milliarden Euro. Und das, obwohl der deutsche Aktienmarkt und mit ihm auch Fonds mit diesem Anlageschwerpunkt im europäischen Vergleich weit überdurchschnittlich abgeschnitten hatten (+21,6 Prozent). Laut BVI erzielten europäisch ausgerichtete Fonds im Vergleich eine durchschnittliche Rendite von 18.6 Prozent.

"Es ist bedauerlich, dass der seit 2003 andauernde Aufschwung an den Aktienmärkten bislang an den Privatanlegern weitgehend vorbeigegangen ist", kommentierte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die Aktionärsentwicklung.

Auch vor dem Hintergrund des jüngsten Zertifikatebooms, der allein für das erste Halbjahr 2006 eine halbe Million Anleger für diese Anlage in indexnahe Produkte aufwies, sei die Entwicklung bedenklich: "Die Gefahr besteht, dass die Menschen mit Zertifikaten wieder eher spielen und nicht die langfristige Anlage, etwa mit dem Ziel der Aufbesserung der Altersvorsorge, in den Vordergrund rücken", meint Hocker. Aktuelle, verifizierbare Zahlen zum Zertifikatemarkt lagen nach Angaben des DAI am Dienstag noch nicht vor.

Tendenziell schlechter

Weniger dramatisch sieht Kapitalmarktexperte Martin Weber von der Universität Mannheim die Entwicklung. "Dass Leute weniger direkt in Aktien investieren, sondern mehr in Fonds- und Indexprodukte, ist sogar positiv zu bewerten", so Weber. So zeigten Studien in den USA sowie auch seines Lehrstuhls für Deutschland, dass Privatanleger, die selbst in Einzelaktien investieren, "tendenziell eine um drei bis vier Prozent schlechtere Wertentwicklung ihres Portfolios aufweisen als Profis".

Die insgesamt recht zögerliche Rückkehr der Privaten an die Börsen sehen die meisten Experten auch in engem Zusammenhang mit den schlechten Erfahrungen kurz nach der Jahrtausendwende. "Viele sind damals mit Risiko arm geworden", meint Weber mit Blick auf den Niedergang der Kurse 2000 bis 2002, und einige hätten daraus gelernt, mit bescheideneren Renditen zurechtzukommen, wie sie eben Fonds- oder Zertifikateanlagen meist böten. "Manche Anleger sind in den vergangenen Monaten auch schlicht ausgestiegen, weil sie ihre Einstiegskurse vor der letzten Baisse wiedergesehen haben", meint Franz-Josef Leven, der die Aktionärsstatistiken beim DAI verantwortet. Tatsächlich dokumentieren die Zahlen des Aktieninstituts den stärksten Rückgang bei den reinen Aktionären, die nur Einzelwerte halten. Hier gab es Ende 2006 noch knapp 2,4 Millionen und damit um rund 13 Prozent weniger als noch im Jahr davor.

Hocker von der DSW und von Rosen vom DAI sehen zur Förderung der Aktienkultur die Politik in der Pflicht. "Die Halbierung des Sparerfreibetrages zu Jahresbeginn ist das falsche Signal in einer Zeit, in der Bürgern eine verstärkte private Vorsorge abverlangt wird", so von Rosen.

Gleiches gelte für eine zu hohe Abgeltungssteuer oberhalb 20 Prozent. Zusammen mit der Abschaffung des Halbeinkünfteverfahrens bezeichnete Hocker die Reform als "höchste Steuererhöhung für Anleger seit langem".

 

(SZ vom 17.1.2007)

Antworten
Knappschafts.:

German Angst

 
17.01.07 12:10
Mit den komplementären Begriffen German Angst (Englisch, etwa: "typisch deutsche Zögerlichkeit") und German assertiveness (etwa: "typisch deutsche Überheblichkeit") werden im angelsächsischen Sprachraum als charakteristisch empfundene, gesellschaftliche und politische, kollektive Verhaltensweisen der Deutschen bezeichnet; bzw. diese Begriffe werden im Deutschen verwendet um derartige – reale oder vermeintliche – Einschätzungen aus dem Ausland zu kolportieren.
Antworten
Dr.UdoBroem.:

Es gibt nichts, vor dem die Deutschen keine Angst

3
17.01.07 12:22
haben, wie man ja auch hier am Board gar trefflich beobachten kann.

Das Gefährlichste ist dabei die Zukunft; die ist einfach so unberechenbar und so schlecht vorhersehbar.

Deswegen schließen wir auch für alle Eventualitäten eine Versicherung ab, deren Gesamtkosten sämtliche Schadensfälle der nächsten hundert Jahre locker übersteigen.

Deutsche haben Angst vor Aktien! 3031621

Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.
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biergott:

wohl

 
17.01.07 12:24
wahr Udo...

und deshalb wollen Bankkunden auch nuuuuur noch Tagesgeldkonten, weil da kann man immer an sein Geld "wenn mal was ist". Sofort 50.000 verfügbar, das gesamte Ersparte. Falls mal was ist. Vollbrote....
Antworten
Abenteurer:

Die Deutschen wollen dann wieder Aktien,

3
17.01.07 12:29
wenn der Dax neue Höhststände erreicht hat - oder wenn der Zug schon lange abgefahren ist. Die Angst geht sogar so weit, dass man einen Stabilitätspackt ins Leben gerufen hat, der wirtschaftliche Rahmenbedingungen außer Acht lässt, ja in Zeiten in denen es der Wirtschaft schlecht geht vollkommen kontroproduktiv ist, und sich nur um die Geldwertstabilität, also Oma´s Sparbuch kümmert.

Grüße Abenteurer

Antworten
popelfuchs:

Angst vor dem neuen Crash

 
17.01.07 12:42
Ja viele alte Aktionäre haben im Jahr 2000 sehr sehr viel Geld verloren und trauen dem Börsengeschehen nicht mehr ! Die vielen Guru´s sagen doch für 2007 das ein erneuter Börsencrash kommen soll und das verunsichert viele Neueinsteiger ! Meine Oma hatte auch einen 6stelligen Euro-Betrag auf dem Sparbuch gehabt und seit 2005 habe ich Ihr Geld in deutsche Aktien investiert und Sie (85) staunte nicht schlecht was man in einem Börsen-Jahr schon verdient hat mit Aktien und das Sparbuch ist jetzt Vergangenheit !  
Antworten
Abenteurer:

Ja Deine Oma hat Erfahrung

 
17.01.07 12:49
und den nötigen Mut sich nicht von dem ganzen Gequatsche verunsichern zu lassen.

Wenn sie dann am Ende der Hausse, wenn die Aktionärszahl wieder sehr hoch ist bzw. steigt, wieder auf ihr Sparbuch umsteigt, dann freunen sich sicher auch ihre Enkel.

Antworten
jungchen:

die angst hat fuer viele einen namen (grund)

 
17.01.07 12:54
Deutsche Telekom... die volksaktie.. haha...
wer kann da dem deutschen kleinaktionaer verdenken, wenn er aktien nicht mehr traut?
Antworten
Abenteurer:

Na ja, das ist so, als

 
17.01.07 13:02
ob man einmal in einen faulen Apfel gebissen hat und desswegen das Essen ganz einstellt......
Antworten
Knappschafts.:

Das wird zu noch mehr Verdruss führen!

 
18.01.07 09:11
Die Börsengewinne von Investmentfonds sollen laut einem Zeitungsbericht ab 2009 ebenfalls steuerpflichtig werden. Das gehe aus dem Arbeitspapier zur geplanten Abgeltungsteuer hervor, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD). Die Maßnahme würde besonders die Attraktivität von Aktienfonds für die Altersvorsorge schmälern. Das Arbeitspapier, das von Vertretern beider Regierungsparteien erarbeitet wurde, ist Grundlage für den Referentenentwurf. Diesen wolle das Finanzministerium am 26. Januar der Regierung vorstellen.

Ab 2009 sollen auch Kursgewinne von Einzelinvestments etwa in Aktien mit der Steuer belegt werden. Bei Fonds ist dem Papier zufolge ein zweigeteiltes Verfahren geplant: Schüttet der Fonds realisierte Kursgewinne aus, unterliegen sie beim Anleger einer Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Verbleiben die Erträge im Fonds, hält der Fiskus erst beim späteren Anteilsverkauf die Hand auf, indem er die bis dahin im Kurs aufgelaufenen Gewinne auf einen Schlag nachversteuert.

"Einerseits erklärt die Bundesregierung die Aktie zum wichtigsten Teil der langfristigen Altersvorsorge, andererseits werden die Sparer künftig bestraft", kritisierte Rüdiger von Rosen, Chef des Deutschen Aktieninstituts, in der FTD den Plan. Von Rosen befürchtet nun, dass deutsche Anleger vor Aktienanlagen noch mehr zurückschrecken. Schon 2006 fiel die Zahl deutscher Aktionäre auf den tiefsten Stand seit 1999.  
Antworten
buran:

Man will ja nicht gleich immer feixen,

 
18.01.07 10:42
aber schmunzeln muss man doch.Ich kenne ne Menge stolzer Aktienbesitzer,die sich mit ihren Blättern rühmen.Aaaaber wenn's dann in die Hose geht fangen die an zu hüsteln und zu stottern.Da gibt keiner wirklich einfach zu ,jaaaaaaaaaaaa ich hab`s verzockt.Zu dämlich zur richtigen Zeit zu ordern.Muss man nicht wirklich verstehen.
Antworten
Abenteurer:

Knappschaftsk.

 
19.01.07 15:30
Ich sehe noch nicht dass das kommt. Das war schon oft im Gespräch, aber keine Bundesregierung hat sich bisher mit den Aktionären angelegt.....

Grüße Abenteurer
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