Deutsche Börse und Euronext kommen sich näher


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Deutsche Börse und Euronext kommen sich näher

 
20.12.05 07:04
19. Dezember 2005 In die zersplitterte europäische Börsenlandschaft kommt wieder Bewegung. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung arbeiten die Fünf-Länder-Börse Euronext und die Deutsche Börse an einer mittelfristigen Annäherung in zentralen Bereichen wie den Handelssystemen und der Abwicklung. Deutsche-Börse-Vorstandschef Reto Francioni und Euronext-Chef Jean-Francois Theodore hätten in den vergangenen Wochen mehrmals über diese Themen gesprochen, hieß es in Börsenkreisen.
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Anders als in Medienberichten rund um das Wochenende suggeriert wurde, sei dabei aber weder eine Blaupause für einen Zusammenschluß der beiden Börsen entwickelt worden, noch gebe es ein informelles Angebot der Deutschen Börse für die Pariser Euronext.

Lediglich Kooperationsmöglichkeiten ausgelotet

Nachdem die australische Investmentbank Macquarie in der vergangenen Woche eine von der London Stock Exchange (LSE) als „lächerlich” bezeichnete Offerte von 2,25 Milliarden Euro für den britischen Börsenbetreiber abgegeben hatte (siehe auch: Macquarie bietet 1,5 Milliarden Pfund für LSE), waren Spekulationen über Verhandlungen zwischen der ebenfalls an der LSE interessierten Euronext und der Deutschen Börse hochgekocht.

Mehrere französische und angelsächsische Zeitungen hatten ohne Quellen von Fusionsgesprächen berichtet. In Kreisen von Deutscher Börse und Euronext wurden Gespräche zwischen Francioni und Theodore zwar bestätigt. Jedoch würden dabei nur Kooperationsmöglichkeiten ausgelotet, mitnichten liege ein Fusionsangebot auf dem Tisch. „Francioni hebt lediglich die Isolierung der Deutschen Börse auf, die unter seinem Vorgänger Seifert noch bestand.”

Zusammenarbeit, ohne Eigenständigkeit aufzugeben

Nach Informationen der F.A.Z. erwägen Euronext und der Frankfurter Börsenkonzern derzeit die Fragen, wie Handelssysteme künftig gemeinsam entwickelt werden können und wie man in der Abwicklung (Clearing) sinnvoll zusammenarbeiten kann. Auch bei der Auslandsexpansion werde über eine gemeinsame Asien-Strategie oder auch ein Einstieg der Euronext als Partner bei der defizitären amerikanischen Terminbörse „Eurex US” nachgedacht.

Damit könnten die beiden Börsen mittelfristig in ihren Strukturen zusammenwachsen, ohne ihre Eigenständigkeit nach außen abzugeben. Denn eine Fusion würde wohl in Paris und Frankfurt auf großen politischen Widerstand stoßen, wäre zudem kartellrechtlich problematisch. Der Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, Kurt Viermetz, hatte bereits Ende Oktober angedeutet, daß Francioni einen Weg der Kooperationen gehen wolle.

Euronext-Kurs ist stark gestiegen

In Bankenkreisen wurden die Quellen für die Fusionsgerüchte bei den Euronext-Aktionären verortet, die derzeit einen Ausstieg vorbereiteten und daher den Aktienkurs nochmals nach oben treiben wollten. „Jetzt können Chris Hohn und die anderen Hedge-Fonds langsam Kasse machen.” Der Euronext-Kurs ist in diesem Jahr bereits um fast 87 Prozent gestiegen und reagierte auf die Medienspekulationen am Freitag und Montag mit einem Kursplus von jeweils mehr als 2 Prozent.

An der Euronext sind mit dem von Hohn geführten Hedge-Fonds TCI und anderen institutionellen Investoren die gleichen Aktionäre beteiligt, die bei der Deutschen Börse eine Übernahme der LSE verhinderten und im Frühsommer den damaligen Vorstandschef Werner Seifert zum Rücktritt zwangen.

Verhindert die Börse als „Weißer Ritter” die Übernahme?

Angesichts der Gespräche mit der Deutschen Börse gilt eine Fusion der Euronext mit der Londoner LSE als immer unwahrscheinlicher. Ein Barangebot ist ohnehin so gut wie ausgeschlossen. Denn der Aktienkurs der LSE liegt bei nunmehr 620 Cent und damit weit über den 530 Cent, welche die Deutsche Börse vor einem Jahr geboten hat.

Als realistischer gilt da schon der Eintritt des skandinavischen Börsenbetreibers OMX in das Bietergefecht. Die Börse könnte als „Weißer Ritter” eine Übernahme des Londoner Wettbewerbers durch die ungeliebte Macquarie verhindern. Dabei wäre OMX der Juniorpartner, so daß LSE-Chefin Clara Furse an der Macht bleiben könnte.


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