Die Chefs der Deutsche Bahn tragen sich offenbar ernsthaft mit dem Gedanken, ins Ausland zu expandieren. In einem ersten Schritt könnten sie den gesamten öffentlichen Nahverkehr in Schottland übernehmen, auch eine Expansion nach England ist nicht ausgeschlossen.
Frankfurt am Main - Der wichtigste Bahn-Konkurrent Connex kommt schon heute aus dem Ausland, aus Frankreich - warum sollte man da nicht selbst ein bisschen in fremde Länder schweifen, um neue Einnahmequellen zu erschließen? Das zumindest scheinen sich die Manager des immer noch staatlichen Unternehmens zu denken - denn einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge erwägt die Bahn, in Großbritannien ins Geschäft einzusteigen. Immerhin gilt das deutsche Schienenverkehrswesen, verglichen mit dem britischen, als geradezu vorbildlich effizient und sicher, aber die Konkurrenz ist groß.
In einer ersten Phase, so das "Handelsblatt", könnten die Deutschen den gesamten öffentlichen Personennahverkehr in Schottland zu übernehmen. Aus dem Unternehmen hieß es nach Angaben der Zeitung, man prüfe, ob man ein Angebot für die neu ausgeschriebene schottische Betreiberlizenz abgebe. Sie gilt ab April 2004 für zunächst sieben Jahre. Im schottischen Netz werden jährlich mehr als 63 Millionen Fahrgäste befördert.
Bahn-Chef Mehdorn auf der Insel
Für die Deutsche Bahn wäre dies im Nahverkehr der erste Schritt ins Ausland. Eine erste Bewerbung für die dänische Region Westjütland war nicht angenommen worden. Eine Bahnsprecherin schloss auf Anfrage der Zeitung nicht aus, dass man Bahnlizenzen auch in England übernehmen könnte. Im Frühjahr 2004 laufen fast 30 Lizenzen aus - die erste große Lizenzrunde seit der Privatisierung Anfang der neunziger Jahre.
Die Offerte für das schottische Netz, schreibt das Blatt, müsste bis Ende Februar bei der Strategic Rail Authority (SRA) in London vorliegen, die die Lizenzen vergibt. Bei der SRA rechne man fest damit, dass sich die Deutschen bewerben. Eine Entscheidung falle im Herbst, eine Vorentscheidung vielleicht schon im März oder April. Eine Delegation von Bahn-Managern wolle die SRA im Februar besuchen, Bahn-Chef Hartmut Mehdorn selbst werde wohl im Juni in London für seinen Konzern werben.
Taxi wäre billiger
Schottische Bahn-Vertreter jedenfalls zeugten sich erfreut von der Aussicht, dass sich die Deutschen im dortigen Schienenverkehr engagieren könnten. "Die Deutsche Bahn steht für den Bau verlässlicher und attraktiver Zugverbindungen und hat gezeigt, wie man Menschen auf die Schiene holt", zitiert das "Handelsblatt" Ken Sutherland von der Bahnentwicklungsgesellschaft.
Das schottische Schienennetz gilt dem Bericht zufolge als marode. Der größte Bahn-Betreiber, Scotrail, arbeite defizitär, auch die Konkurrenten Virgin und Connex seien für Unpünktlichkeit und schlechten Service bekannt. Scotrail prognostiziere, dass auf die Deutsche Bahn in Schottland massive Probleme zukämen. Hohe Investitionen seien nötig, vor allem die einsamen Strecken in den Highlands seien dennoch garantierte Verlustbringer, so eine britische Bahnsprecherin laut Bericht: "Ehrlich gesagt wäre es billiger, die Passagiere im Taxi hin und her zu fahren".
spiegel.de
Frankfurt am Main - Der wichtigste Bahn-Konkurrent Connex kommt schon heute aus dem Ausland, aus Frankreich - warum sollte man da nicht selbst ein bisschen in fremde Länder schweifen, um neue Einnahmequellen zu erschließen? Das zumindest scheinen sich die Manager des immer noch staatlichen Unternehmens zu denken - denn einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge erwägt die Bahn, in Großbritannien ins Geschäft einzusteigen. Immerhin gilt das deutsche Schienenverkehrswesen, verglichen mit dem britischen, als geradezu vorbildlich effizient und sicher, aber die Konkurrenz ist groß.
In einer ersten Phase, so das "Handelsblatt", könnten die Deutschen den gesamten öffentlichen Personennahverkehr in Schottland zu übernehmen. Aus dem Unternehmen hieß es nach Angaben der Zeitung, man prüfe, ob man ein Angebot für die neu ausgeschriebene schottische Betreiberlizenz abgebe. Sie gilt ab April 2004 für zunächst sieben Jahre. Im schottischen Netz werden jährlich mehr als 63 Millionen Fahrgäste befördert.
Bahn-Chef Mehdorn auf der Insel
Für die Deutsche Bahn wäre dies im Nahverkehr der erste Schritt ins Ausland. Eine erste Bewerbung für die dänische Region Westjütland war nicht angenommen worden. Eine Bahnsprecherin schloss auf Anfrage der Zeitung nicht aus, dass man Bahnlizenzen auch in England übernehmen könnte. Im Frühjahr 2004 laufen fast 30 Lizenzen aus - die erste große Lizenzrunde seit der Privatisierung Anfang der neunziger Jahre.
Die Offerte für das schottische Netz, schreibt das Blatt, müsste bis Ende Februar bei der Strategic Rail Authority (SRA) in London vorliegen, die die Lizenzen vergibt. Bei der SRA rechne man fest damit, dass sich die Deutschen bewerben. Eine Entscheidung falle im Herbst, eine Vorentscheidung vielleicht schon im März oder April. Eine Delegation von Bahn-Managern wolle die SRA im Februar besuchen, Bahn-Chef Hartmut Mehdorn selbst werde wohl im Juni in London für seinen Konzern werben.
Taxi wäre billiger
Schottische Bahn-Vertreter jedenfalls zeugten sich erfreut von der Aussicht, dass sich die Deutschen im dortigen Schienenverkehr engagieren könnten. "Die Deutsche Bahn steht für den Bau verlässlicher und attraktiver Zugverbindungen und hat gezeigt, wie man Menschen auf die Schiene holt", zitiert das "Handelsblatt" Ken Sutherland von der Bahnentwicklungsgesellschaft.
Das schottische Schienennetz gilt dem Bericht zufolge als marode. Der größte Bahn-Betreiber, Scotrail, arbeite defizitär, auch die Konkurrenten Virgin und Connex seien für Unpünktlichkeit und schlechten Service bekannt. Scotrail prognostiziere, dass auf die Deutsche Bahn in Schottland massive Probleme zukämen. Hohe Investitionen seien nötig, vor allem die einsamen Strecken in den Highlands seien dennoch garantierte Verlustbringer, so eine britische Bahnsprecherin laut Bericht: "Ehrlich gesagt wäre es billiger, die Passagiere im Taxi hin und her zu fahren".
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