Die Lage ist weiterhin ernst, aber nicht hoffnungslos.
Die neuerliche konzertierte (!) Aktion der Zentralbanken zeigt doch überdeutlich wie groß die Befürchtungen noch immer sind, daß das Finanzsystem kollabiert. Jetzt finden schon im Monatsrythmus Auktionen statt, bei denen die Banken (und Nichtbanken !) ihre schlechten Papiere durchs Fenster reichen dürfen und dafür (schlechtes) Geld bekommen. Hauptsache sie bleiben flüssig und der Creditcrunch wird vermieden. Daneben hilft die langsame, quartalsweise Abwertung der CDOs den Banken die Wertberichtigungen wenigstens zeitlich zu verteilen. (Wobei mir gestern ein DB-Banker sagte, dass die Bestände im EIGENHANDEL noch nicht ansatzweise wertberichtigt seien!) Es hat sich also am Basisproblem "platzende Vermögensblasen und direkte Folgen" seit MOnaten nichts geändert.
Nebenbei bemerkt: Die Vorschläge - wegen der langfristigen negativen Wirkungen - die Leitzinsen nicht oder nicht so schnell zu senken, und das Geldfenster nicht zu öffnen, sind naiv, weil sie in Kauf nehmen, daß die ernsten Verwerfungen im Finanzsystem die Realwirtschaft strangulieren. Das muss kurzfristig verhindert werden -oder will jemand ernsthaft den Zusammenbruch des Finanzsystems riskieren? Und kurz davor standen wir schon mehrfach in den letzten sechs Monaten. Wie sagt Keynes so schön: "In the long run we are all dead." Deshalb muss kurzfristig das Vernünftige getan werden.
Wie die Börse auf solche kurzfristigen "Erlösungen" reagiert ist ja bekannt. Wie der Junkie in der Therapie, der von einem Besucher ein Tütchen zugesteckt bekommt. Also kurzfristig euphorisch. Danach kommt der Katzenjammer umso stärker, weil er merkt dass er immer noch auf Entzug (in der Rezession) ist.
Und da befinden wir uns - in den USA in der Rezession; in Europa sechs Monate davor. Etwas anderes erzählen nur Schwachsinnige oder Banker und Broker, die - weil sie auch jetzt ihre Verkaufsziele erfüllen müssen - das Lied auf der Flöte spielen: Ab dem Sommer gehts aufwärts. - Was für ein Mist! (Es erinnert mich fatal an das Frühjahr 2001 wo wir jetzt in etwa sind, da wir schneller gefallen sind, und wo alle Banken & Broker rieten: Jetzt kaufen. Billig. Und es erinnert mich an den Deutschbanker Martini, der im Sommer 2007 von DAX-Ständen von 9000 resp. 10000 Punkten im Frühjahr 2008 faselte.)
AL hat dieser Tage auf die Abläufe in John Murphy`s Intermarket Performance Chart hingewiesen. Das war wieder mal sehr hilfreich. Danach sind wir in Phase (6) Rezessionsbeginn und müssen (rückwärts) noch durch die Phasen (1) Rezession und (2) Tiefpunkt bis man wieder Aktien kaufen kann. Wie lange wird das dauern? Ich schätze mindestens bis Sommer 2009 - wenn alles gut geht. Gibts Crash-ähnliche Zustände, geht`s allerdings viel schneller. Aber das merken wir dann schon bei unserem guten RADAR. Und im Übrigen immer auf den VDAX und den Goldpreis achten...:-)
Bis dorthin - Sommer 2009; DAX 4300 - hangeln wir uns an den alten Unterstützungen / Widerständen abwärts. Immer mal unterbrochen durch einen kurzen oder längeren Ausbruch nach oben und nervende Seitwärtsbewegungen. Was einer aus diesem Gesamtbild macht, muss jeder selber wissen und hängt von seiner persönlichen Strategie ab. Man kann auch ein anderes Szenario für sich haben. Nur man muss eins haben, um nicht den kurzfristigen Zuckungen des Marktes ausgeliefert zu sein. Und das ist meins.