"Worauf ich hinaus will: Wenn ein Unternehmen irgendwann pleite ist, wird die Aktie auch durch Gelddrucken nicht steigen."Wenn das Unternehmen bereits pleite ist, sicherlich nicht mehr. Aber kurz davor evtl. schon - nämlich dann, wenn die Notenbank die Junkanleihen dieser Firma aufkauft. Die Aufkäufe heben die Anleihenkurse in ähnlicher Weise, wie es geschehen würde, wenn sich die Bonität verbessert. Es ist daher eine Münchhausen-Bonitäts-Kosmetik.
Zwar erfolgen die Berechnungen zur Bonität, die Ratingagenturen vornehmen, auf Basis von EBITA und Verschuldung - und die Verschuldung wird ja nicht kleiner, wenn nun die Notenbank zum neuen Gläubiger wird (anstelle des vorherigen Anleihehalters).
Doch die Notenbankaufkäufe helfen trotzdem, die Pleite abzuwenden.
Normalerweise geht eine Firma pleite, weil sich ihre (Junk)anleihen der Kursmarke Null nähern. Muss eine Firma in solcher Lage auflaufende Anleihen "rollen", findet sie für die neu emittierten Anleihen nur Käufer, wenn sie hohe Zinszahlungen (Coupon von 20 und mehr Prozent) anbietet. Das ist teils mehr als die EK-Rendite der Firmen. Finden sich dennoch keine Käufer mehr für die Anleihen, weil alle Bewertungs-Parameter bereits zu weit abgesackt sind, droht die Pleite.
Auslöser der Pleite ist somit der Käuferstreik auf dem Bondmarkt. Keiner will sich das hohe Risiko noch aufhalsen, selbst bei 30 % Rendite nicht. Denn was nützen 30 % Rendite, wenn der Kurs der Bonds wegen Pleite morgen auf Null fällt, dann sind 100 % Kapital weg.
GENAU DIES ÄNDERT SICH durch die Junkbondkäufe der Notenbanker. Denn die kaufen immer, weil es eine politische Mission ist und die Druckgeldtaschen der Notenbanker tief sind. (Außerdem verbraten sie bei den Aufkäufen "other people's money", da ist man großzügiger ;-)).
Folge ist, dass selbst Zombie-Firmen laufend weiterhin neue Junkbonds rausgeben können. Die Kaufzurückhaltung am freien Bondmarkt spielt keine Rolle mehr. Solange die Notenbanken die neuen Anleihen aufkaufen, wird die Pleite unbegrenzt aufgeschoben. Es ist genau wie bei Griechenland (auf Staatsbasis).
Dies ist zugleich die große Gefahr der Junkbond-Aufkäufe - eine Zombifizierung der Wirtschaft.
Durch diese Aufkäufe ist für die Firmen gewährleistet, dass sie selbst bei starker Herabstufung ihrer Bonität noch weiterhin neue Schulden am Bondmarkt aufnehmen kann - auch ohne sterbliche Bond-Käufer.