30. März 2007
Die Grundstimmung den an den Börsen ist trotz der jüngsten Turbulenzen positiv. Viele rechnen mit einer anhaltend robusten Wirtschaftsentwicklung weltweit, auch wenn die Dynamik in den Vereinigten Staaten etwas nachlasse.
Das im Konsens erwartet „soft landing“ werde jedoch die Gewinnentwicklung der internationalen Unternehmen kaum beeinträchtigen, da sie aufgrund eines „Abkoppelungseffektes“ vom Wirtschaftswachstum in Europa, Asien, Japan und den Schwellenländern profitieren könnten, heißt es vielfach.
Marktteilnehmer tendieren dazu, Konjunkturzahlen kurzfristig positiv zu interpretieren ....
Allerdings gibt es auch kritische Entwicklungen. Sie sind einerseits im relativ dynamisch anziehenden Ölpreis zu sehen. Zum anderen gibt vor allem auch die Entwicklung am amerikanischen Hypothekenmarkt zu denken. Hatte er in den vergangenen Jahren maßgeblich zum Wirtschaftwachstum, aber auch zum hohen Konsumniveau im Lande beigetragen, so fallen diese Effekte aufgrund der gestiegenen Zinsen weg.
Sowohl bei riskant refinanzierten Hausbesitzern als auch bei Immobilienfinanzierern nehmen die Insolvenzen zu, während die Hauspreise selbst gleichzeitig unter Druck stehen. Die Hausbauunternehmen haben ihre besten Zeiten bis auf weiteres hinter sich, weil sie einerseits auf hohen Beständen sitzen, während auf der anderen Seite die Aufträge für neue Häuser deutlich zurückgehen. Diese Flaute ist auch bei Vermittlern, Baumaterial-, Möbelherstellern und anderen „Zulieferern“ aller Art zu spüren.
Über diese Schiene dürfte die amerikanische Konjunktur weiter abgebremst werden. In den vergangenen Monaten haben viele Unternehmen ihre Investitionen schon zurückgefahren. Das ist in der Regel kein sonderlich positives Zeichen. Sollte auch noch der amerikanische Konsum zurückgehen, so würde sich das mit einiger Wahrscheinlichkeit direkt oder indirekt weltweit wirtschaftlich negativ bemerkbar machen, liefern doch viele Exporteure ihre Produkte in die Vereinigten Staaten. Das Risiko besteht, verschärfen doch viele Kreditunternehmen ihre Standards bei der Vergabe und schränken auf diese Weise die Liquidität der Konsumenten ein.
So dürfte es kaum verwundern, dass die dort veröffentlichten Konjunkturzahlen aufmerksam betrachtet werden. Positive und negative Überraschungen führen leicht zu deutlichen Kursgewinnen oder -verlusten, wenn Marktteilnehmer sie kurzfristig positiv oder negativ interpretieren. Das Problem solcher Zahlen ist jedoch, dass sie oft nachträglich revidiert werden. Damit sind sie relativ unzuverlässig.
... dabei sind sie vielfach kritisch zu betrachten. Vorlaufende Indiktoren sind eher negativ
Zum anderen sind sie oft rückwärtsgewandt oder zumindest volatil. Letzteres dürfte auch für die Chicago-Einkaufmanagerindex gelten, der am Freitag für den Monat März veröffentlicht wurde und der im Vergleich zum Vormonat satte 29 Prozent auf einen Stand von 61,7 zulegte. Das ist eine außergewöhnlich starke Bewegung und ließe auf eine robuste Wirtschaftsentwicklung schließen. Allerdings dürfte man einen solchen Sprung mit einer gewissen Skepsis betrachten müssen.
Den der Blick auf vorlaufende Indikatoren verzeichnet ein deutlich weniger positives Bild. So befindet sich der zwar unbeliebte und sogar von der eigenen Behörde aufgrund ihres Konjunkturoptimismus ignorierte, aber faktisch relativ zuverlässige Index of Leading Economic Indicators des Conference Boards nicht nur schon seit mehreren Quartalen auf dem Weg nach unten, sondern inzwischen liegt er sogar unter Null und deutet damit eine Rezession in den Vereinigten Staaten an.
Paul Kasriel von Northern Trust in Chicago entwickelte zu „Bestätitungszwecken“ einen eigenen Rezessionsindikator, der sich aus einem negativen Spread zwischen der Rendite zehnjähriger Anleihen und den Fed Funds Rate und der Kontraktion der realen monetären Basis zusammensetzt. Er in der Historie noch kein Fehlsignal geliefert. Sollten sich die in den kommenden Monaten zu erwartenden Daten nicht deutlich verändern, dürfte auch dieser Index in naher Zukunft auf eine Rezession in den Vereinigten Staaten hindeuten. In diesen Sinne könnten kritische Anleger geneigt sein, weiter verbreiteten Konjunkturoptimismus mit einer gewissen Skepsis zu betrachten und die Märkte akkurat zu verfolgen, um auf Stimmungs- und Trendwechsel rechtzeitig reagieren zu können.
Quelle: faz.net
