Die Computer-/Internet-Revolution ab 1995 bescherte den westlichen Industrienationen die letzte große Boom-Phase mit organischem Wachstum.
2001 brachen die Luftschlösser zusammen. Die Enron- und Worldcom-Pleiten offenbarten erstmals den latenten "Madoff-Charakter" der US-Wirtschaft. Um den Konsum nicht versiegen zu lassen, schob Greenspan (der bereits 2001 von "drohender Deflation" sprach), ab 2002 mittels Tiefzinsen die US-Hausblase und - via Hausbeleihungen - die Privatkredit-Blase an. Der Privatkredit-Boom kaschierte die Lücken, die aus dem weggebrochenen organischen Wachstum resultierten.
Doch der Preis dafür war hoch. Als 2008 die Privatkreditblase platzte, war das US-Bankensystem praktisch bankrott. Nun sprang die Fed mit QE ein. Dabei wurden die (faulen) Privatschulden sukzessive in die Fed-Bilanz verfrachtet. Die Fed wurde zur größten "Bad Bank" der Welt. Auf diese Weise wurde abermals ein paar Jahre "Konsumglück" samt Retail-Bonanza erkauft. Doch am Grundübel (Überschuldung) ändert dies nichts.
Um ihre Gewinn-Margen trotz Flaute zu steigern, verlagerten die westlichen Industriefirmen ihre Produktion ab 2000 zunehmend in die asiatischen Länder. 2008/2009 nutzten die US-Firmen die Bankenkrise außerdem zu Massenentlassungen. Als sich Weltwirtschaft ab 2009 erholte, wurden neue Produktionsstätten überwiegend in Fernost hochgezogen. So blieb es in USA (und in großen Teilen Europas) bei einer chronischen - und strukturellen - Arbeitsmarkt-Misere.
Um den US-Konsum dennoch am Laufen zu halten, schloss Finanminister Geithner die Konsumlücke durch Wohltaten wie zig Arbeitslosengeld-Geldverlängerungen, Food stamps usw.. Das Geld dafür erhielt er indirekt von der Fed, weil sonst niemand auf der Welt (nicht mal China) die riesige Neuverschuldung aufkaufen konnte oder auch nur WOLLTE.
Bei den US-Firmen führte diese Entwicklung zu starken Gewinn-Steigerungen: Einerseits lief der Konsum dank dem Geithner/Fed-Gespann (siehe auch Studentenkredite) rund wie eh und je - was den Firmen den Umsatz/Absatz sicherte. Andererseits zahlten die Firmen in immer größerem Umfang nur noch asiatische Billiglöhne, was was die Kosten stark senkte.
Zu den positiven kurzfristigen Effekten (Aktienanstiege, von denen die breite Masse der Amis allerdings nicht allzu viel hat) gesellten sich jedoch negative Langfristfolgen. China stellte als Bedingung für das Job-Outsourcing, dass die Firmen (auch aus Europa), die in China produzieren wollten, praktisch sämtliche Patente und Fertigungs-Details preisgeben mussten. Folge war ein extremer Know-How-Transfer. Dabei verloren die westlichen Industrienationen ihren früheren "know-How"-Heimvorteil. Und damit endete auch schlagartig die "gute alte Zeit", in der GE und Siemens exklusiv "Hochtechnologie" produzierten und die Chinesen im wesentlichen Reis.
Im Zuge der Globalisierung wurde der westliche "Know-How-Heimvorteil" sukzessive in alle Welt (BRICs) verkauft. Produkte wurden dadurch zwar billiger (vor allem IT). Doch an den Arbeitsmärkten der vormals führenden Industrieländer begann durch die Billiglohn-Konkurrenz der "große Blues": strukturelles "Massenelend", einhergehend mit Jobangst und Reallohnabbau. Die Lohnabhängigen in den westlichen Industrieländern sind somit die großen Verlierer der Globalisierung - in Europa wie in USA. (Der Euro brachte den PIIGS ab 2002 einen ähnlichen Kreditschub wie die zeitgleich laufende Hausblase in USA, doch beides kaufte lediglich Zeit...)
Die Schnapsidee, diese Entwicklung nun durch Gelddrucken umkehren zu können, ist - man muss schon sagen: üble - Propaganda Derjenigen, die von dieser globalen Entwicklung persönliche profitierten (= die reichen 1 % der westl. Industrieländer).
Die Staats- und Zentralbank-Verschuldungen, mit denen die Konsumlücken in den westlichen Industrienationen geschlossen werden, erzeugen eine "Zeche", die letztlich "das Volk" - die überwiegend lohnabhängige Normalbevölkerung - begleichen muss. Es ist ein Umlagesystem ähnlich der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Allerdings hat "das Volk" nichts davon: QE und ZIRP beschert den "Normalos" im Wesentlichen starke Teuerung bei Nahrung und Energie, die auf den Reallohnabbau noch "obendrauf" kommt. Kein Wunder, dass heute kaum noch ein Einzelverdiener eine Familie durchbringen kann.
Die Umverteilung von unten nach oben nimmt dabei immer unverschämtere Züge an. Inzwischen wird in Brüssel klammheimlich das für Zypern entwickelte "Bail-in"-Modell auf ganz Europa übertragen. Dabei sollen nun - nachdem die Staaten wegen der Banken-Bail-outs nahezu pleite sind - die privaten Sparer via "Bail-ins" für die Exzesse der Zockerbanken haften. Die Sozialisierung von Verlusten, die schon 2008/2009 für Stirnrunzeln und Empörung sorgte, schaltet damit in den Turbo-Modus.
Mit äußerst fragwürdiger rechtlicher Grundlage. Denn das ist staatliche Privatkonten-Plünderung mit Billigung von höchster Stelle. Einziger Zweck ist, die superreichen 1 Prozent (die mit ihrem Geld rechtzeitig nach Singapur flohen) weiter schadlos zu halten.