von D.Kirschbaum
Der jüngste Kursrutsch an den weltweiten Aktienmärkte war absehbar und ist vermutlich erst der Anfang einer größeren Abwärtswelle. Die Rallye auf die Zinssenkung der amerikanischen Notenbank war fundamental nicht gerechtfertigt. Denn durch die Liquiditätsspritzen wurden lediglich die Symptome nicht aber die Ursache der Kreditkrise bekämpft (siehe hierzu auch meine Kolumnen „Kollaps voraus!“ vom 13.09.07 und „Platzt die Blase?“ vom 16.09.07).
Immer deutlicher werden die Signale zunehmender Konsumzurückhaltung der Verbraucher in den USA. Der Konsumklimaindex der Uni Michigan ist zuletzt auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr gesunken. Dabei sank vor allem die Erwartungskomponente kräftig, d.h. die Menschen sind extrem verunsichert und haben Angst vor dem Geldausgeben. Gründe dafür gibt es reichlich: Die hohen Energiekosten, steigende Kreditzinsen, sinkende Immobilienpreise, Konjunktursorgen und und und...
Genau hierin liegt aber derzeit die größte Gefahr für die Börsen. Der private Konsum macht in den USA 70 Prozent der gesamten volkswirtschaftlichen Nachfrage aus und ist das wichtigste Standbein der US-Wirtschaft. Ein ausgeprägter „Käuferstreik“ könnte schnell eine flächendeckende Rezession auslösen.
Hinzu kommt: Viele Amerikaner haben ihr Gespartes in Aktien angelegt und sitzen auf dicken Gewinnen. Benötigen sie jetzt Geld zum Shoppen oder zum Abtragen ihrer Kreditverbindlichkeiten drohen den Aktienmärkten massive Liquiditätsabflüsse.
Wir haben vor einem solchen Szenario frühzeitig gewarnt und nahe der bisherigen Allzeithochs zum Aufbau von Shortpositionen geraten. Im Rahmen unseres realen Derivate-Musterdepots (Infos auf unserer Homepage unter derivate-investments.de) haben wir am 10.10.2007 bei einem DAX-Stand von ca. 8.050 Punkten, also exakt am Top der letzten Aufwärtsbewegung, Put-Optionsscheine auf den Deutschen Aktienindex aufgenommen.
Zur Begründung schrieb ich damals: „Wir halten den Anstieg der Aktienmärkte seit der Zinssenkung in den USA für ein Strohfeuer. Die eigentlichen Probleme der amerikanischen Wirtschaft sind durch die jüngsten Liquiditätsspritzen der Notenbank nicht nachhaltig gelöst. Es bestehen weiterhin erhebliche Risiken für eine deutliche konjunkturelle Abschwächung der Weltwirtschaft. Erste Anzeichen dafür dürften bereits während der in diesen Tagen beginnenden Quartalsberichtssaison sichtbar werden. ...“