Ich habe mit viel Interesse die Diskussion zwischen Daiphong, malko und AL verfolgt.
Jetzt will ich aber auch meinen kleinen Pfefferkern hinzufügen.
In Lux. gibt es eine politische Gegenmassnahme zur Inflation: die Indexierung der Löhne (kurz "Index" im Volksmund genannt), also eine automatische Anpassung der Löhne an die allgemeine Teuerung.
Und das funktioniert so: Das statistische Amt (heisst hierzulande "STATEC") hat einen fixen Warenkorb erstellt. Darin befinden sich u.a. festgelegte Mengen Butter, Brot, Benzin, etc. (aber auch Zigaretten und ich glaube sogar ein halber Hummer - dies aber aus irgendwelchen finanztechnischen Gründen).
Steigt nun der allgemeine Preis dieses Warenkorbes inflationsbedingt und überspringt dabei eine gewisse Marke, so wird automatisch per Gesetz eine Indexscheibe von 2,5% fällig. Sprich: am 1. eines nachfolgenden Monats steigen die Löhne automatisch um 2,5%.
Sehr zur Freude aller Arbeitgeber, versteht sich.
Es handelt sich hierbei um ein politisches Relikt aus den 70er Jahren. Doch bereits Anfang der 80er Jahren wollte die damalige schwarz-blaue (bei uns sind die Gelben blau ;-) Regierung den Index abschaffen. Es folgten Massendemonstrationen und ein Generalstreik; die Regierung wurde 1984 abgewählt.
Seitdem war es ruhig geworden um die Index-Frage, sehr zum Unmut der Arbeitgeber. Vor einem Monat etwa schrammten wir allerdings an einer Regierungskrise vorbei. Im Zuge der Sparmassnahmen wegen der Wirtschaftskrise zauberte unser Suppenkaspar (den allseits bekannten Mister Euro und lux. Premierminister, Jean-Claude Juncker) zum Erstaunen Vieler plötzlich das Karnickel "Index" aus dem Zauberhut.
Er wollte ihn "sozialer" gestalten, wie er sich in "newspeak" ausdrückte.
Neben den hiesigen sehr starken Gewerkschaften gingen gleichzeitig unsere Roten (Sozialdemokraten), die ebenfalls in der Regierungskoalition sitzen, auf die Barrikaden.
Das Thema der schleichenden Abschaffung des Index ist vorläufig vom Tisch. Könnte im Herbst aber wieder aktuell werden.
Ich will hier aber nicht weiter auf das politische Hickhack um den Index eingehen.
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Fazit: der Index à la luxembourgeoise sichert den sozialen Frieden. Es gibt kaum nennenswerte Streiks in Lux. Aber er ist den Arbeitgebern ein Dorn im Auge. Denn neben dieser automatischen Anpassung der Löhne an die allgemeine Teuerung finden in den diversen Betrieben auch noch Kollektivvertragsverhandlungen statt, wo die Arbeitnehmerseite Gehaltsaufbesserungen fordert.
Man muss natürlich auch berücksichtigen, dass die Inflation in Lux. kaum hausgemacht ist. Da wir sehr klein sind und die meisten Konsumgüter importiert werden, liegt es auf der Hand, dass uns die Preise von aussen grösstenteils "diktiert" werden.
Gruss
Casaubon
"La liberté de la presse ne s'use que quand on ne s'en sert pas"