Inflation ist in den meisten Fällen schlecht für Aktien, WENN es sich um eine Inflation im normalen Zyklus handelt wie in den 1970ern in USA. Zyklisch bedeutet, dass es nicht ewig dabei bleibt und die Landeswährung nicht "im Boden versinkt". Die Tatsache, dass wir heute in USA 0 % Leitzins haben und damals bis zu 18 % zeigt, dass die damalige Inflation, so stark sie auch ausfiel, keine "eskalierende Dauereinrichtung" war. Dies verdanken wir übrigens dem beherzten Eingriffen von Paul Volcker, der damals als Fed-Präsident die immerhin schon galoppierende Inflation mit vor allem an der Wall Street unpopulären Hochzinsen erfolgreich bekämpfte.
Völlig anders ist die Lage, wenn die Inflation dauerhaft aus dem Ruder läuft und/oder - wie in Argentinien - zum Staatsbankrott führt. In Extremfällen wie in der Weimar Republik (1923), Mexiko (1980) und Simbabwe (2009) druckt die jeweilige Regierung zur eigenen "Entschuldung nach innen" bewusst Massen an physischem Geld. In den Fällen ist die Abwertung gewollt und dauerhaft. Sachwerte gewinnen dann in den abgewerteten Währungen pro forma an Wert (Häuser und selbst Brot werden in Inflationsmark drastisch teurer, 1923 kostete in D. ein Brot etliche Milliarden), nicht jedoch z. B. in der aktuellen Leitwährung gerechnet (sofern diese nicht selber betroffen ist). Das ist in Pfund Sterling oder Dollar gerechnet blieben die Brotpreise in Weimar konstant.
USA ist zurzeit ein Grenzfall. Die Zeichen stehen im Prinzip eher auf Deflation (wie in Japan nach 1990) und die gewollte Inflationierung (auch der Assetpreise inkl. Aktien) ist Bernankes erklärtes Rezept, diese Deflation zu "bekämpfen". Bernankes Versprechen ist, bei anziehenden Inflationsanzeichen in der Realwirtschaft (die idealerweise mit einer deutlichen Erholung einhergehen), wieder auf die Zinsbremse zu treten.
Leider haben die Amis in letzter Zeit häufig ihre Versprechungen gebrochen. Das Bekenntnis zur "Politik des starken Dollar" klang wie ein Hohn, als EUR/USD 2008 bis 1,60 hochschoss. AAA-Bewertungen der US-Ratingagenturen galten viele Jahrzehnte lang als verlässliches Güte-Siegel für alle damit "abgesegneten" Finanzprodukte - bis in der Subprime-Blase dieses alte Vertrauen gezielt dazu missbraucht wurde, europäische Banken mit "AAA-CDO-Schrott" um 2 Billionen Euro zu betrügen.
Vor diesem Hintergrund muss man befürchten, dass auch Bernankes Zusage, beim Aufkommen von Inflation die Zinszügel rechtzeitig anzuziehen, gebrochen oder viel zu spät eingelöst wird. Man sah es bereits von 2002 bis 2004, als Greenspan die Leitzinsen viel zu lange bei ca. 1 % gelassen hatte und damit bewusst die Hausblase pumpte, die die jetzige Finanzkrise hervorrief (was er freilich leugnet). Ähnliches scheint Bernanke nun mit Assets aller Art vorzuhaben - von Aktien über Anleihen bis zu Rohstoffen und US-Häusern.
Nicht die Geldflutungen der Fed sind akut bedrohlich (sie sorgten für die nötige Liquidität, ohne die die Krise als Depression geendet hätte) sondern die potenzielle Unterlassung von rechtzeitigen Zinserhöhungen, wenn die Erholung Fuß fasst. Genau dies scheinen wir zurzeit zu sehen: Es mehren sich die Anzeichen, dass Bernanke sein Zinserhöhungsversprechen bricht, um die aufkommende Inflation für seine Reflationierungs-Kampagne zum missbrauchen. In die Richtung zielt auch der Fed-Spruch "0 % Zins auch weiterhin für 'extended period'" - trotz BIP-Wachstum von 5,6 % in 4/2009 und 3,2 % in 1/2010). Unterdessen sorgen US-Statistiker mit allen Tricks dafür, dass die Inflation möglichst nicht so schnell erkennbar wird, damit die Fed weiterhin freie Hand hat.
Eine solche "benign neglect" Inflationierung kann man im weitesten Sinne mit Weimar'schem Gelddrucken gleichsetzen, wenn Gegenmaßnahmen bewusst unterlassen oder aufgeschoben werden. Sie ist gefährlich und fördert Blasen. Volcker hat nicht ohne Grund Angst, dass hier ein Inflationsgespenst als "Heilmittel" aus der Flasche entlassen wird, das später kaum mehr in diese zurückzutreiben ist. Denn 18% Zins, den Volcker um 1980 verordnete, würde bei der heutigen extremen US-Verschuldung zum Staatsbankrott führen. Bernanke Zinspolitik ist daher ein Ritt auf der Rasierklinge.
Ausgangspunkt unserer Inflations-Diskussion war eigentlich Griechenland. Das ist ein Sonderfall, weil ein Weichei-Land künstlich mit einer Hartwährung versehen wurde. Der "Zorn" der Gläubiger über die Verschwendungssucht und laxe Haushaltspolitik macht richtet sich daher nicht gegen die Währung - den noch relativ stabilen Euro - sondern gegen griech. Staatsanleihen und Aktien. Gerade weil die Griechen keine Chance haben, sich durch Inflationierung zu retten (früher wurde die Drachme abgewertet), helfen nur von oben (der EU) verordnete deflationäre Sparmaßnahmen, die aber offenbar kaum durchzudrücken sind, da die Griechen bereits auf die Barrikaden gehen. Es ist ein perverses Spiel, was die Griechen spielen. Sie erschwindelten sie sich den EU-Beitritt, dann engagierten sie Goldman, um die Überschuldung "professionell" zu verbergen - und nun spielen sie mit demFakt, dass ihr Land wegen der massiven Staatanleihenkäufe europäischer Großbanken "too big to fail" ist.
Da die Rettung für die Griechen bislang vor allem auf drastischen Einsparungen basiert, dürfte der griechische Aktien-Indizes weiter in die Knie gehen - mit wenig Chance auf Erholung. Ob griechische Anleihen wieder steigen, hängt davon ab, wie wirksam die Sparmassnahmen umsetzt werden. Die Chancen stehen schlecht. Querschüsse hält die Schäden in Griechenland für irreparabel (Link hab ich gestern gepostet).