Diese zugegeben extreme Sicht der Dinge, die auch der sonst recht konservative Vermögensverwalter Weise (von Mack & Weise) im WiWo-Interview vertritt...
http://www.ariva.de/...A_Baeren_Thread_t283343?page=2404#jumppos60124... scheint mir ziemlich plausibel.
Es ist natürlich müßig, sich über die Entwicklungen der nächsten 10 bis 20 Jahre Gedanken zu machen. Meistens kommt es eh anders, als alle dachten. Ich glaube allerdings, dass zurzeit viele Leute zu optimistisch sind.
Hier im Thread herrscht ja zumindest eine Art Bären-Konsens, dass bis auf weiteres eher deflationäre Tendenzen vorherrschen. Die Gründe (Nachfragekollaps, Überkapazitäten usw.) haben wir ja lang und breit genannt.
Es gibt allerdings auch eine Minderheit (Hauptvertreter: Wawidu), die bereits jetzt den hyperinflationären Kollaps erwarten und dementsprechend long in Edelmetallen oder Ackerland (wie Permanent) sind.
Die These von Weise, dass auf eine Periode der Deflation eine Hyperinflation folgen wird, weil sich die Notenbanken aus dem Schlamassel "herauszudrucken" versuchen, vertritt auch unser Busenfreund A. Evan-Pritchard vom Telegraph, der das als erstes für Japan vorhersagt.
In der Tat scheint Japan auf diesem Weg allen anderen Staaten und der Welt ein Stück voraus zu sein. Die Deflation begann dort bereits in den 1990-er Jahren, während sie global erst jetzt wirksam wird. Die resultierende Yen-Stärke - die die Japaner nicht wollten, weil sei den Exporten schadet, aber mittels Interventionen auch nicht verhindern konnten - könnte der aktuellen Dollar-Stärke in USA entsprechen. Die aktuelle Dollar-Stärke behindert Bernankes Reflations-Strategie (die übrigen per se inflationär ist).
Fakt dürfte sein, dass die Dollarstärke in USA - Lippenbekenntnissen einer "Politik des starken Dollars" zum Trotz - dort zu Lande im Grunde niemand will. Es handelt sich, wie beim Yen, um eine Stärke wider Willen.
A. Pritchard-Evans sieht als Auslöser für den hyperinflationären Yen-Kollaps (mit Halbierung des Yen zum Dollar) die maßlose japanische Staatsverschuldung. Die Kollaps soll vom japanischen Bondmarkt ausgehen, auch wegen Kaufkraftermattung der Japan-Rentner. Die horrende Staatsverschuldung von über 200 % des BIP ist nicht mehr haltbar, wenn sich die Zinsen in Japan vom bislang noch deflationären Level um 1 % nach oben entfernen.
Japan ist so gesehen das Menetekel für die Restwelt.
Malkos Frage, wo "das Geld denn hin soll", lässt sich nur in dem Sinne beantworten, als der Kollaps der Bondmärkte sicherlich nicht synchron erfolgen wird. Wenn Japans Bondmarkt crasht, könnten US-Staatsanleihen eine kurzzeitige Blütezeit erleben (ähnlich wie beim Hochschießen der Langläufer im Herbst/Winter 2008). Es dürfte daher zu gigantischen Umschichtungen, Volatilitäten und Verwerfungen kommen, auch zwischen den Ländern.
Die Thesen von Weise und Evans-Pritchard muten extrem an und stehen im Widerspruch zum Goldilocks-Konsens, der im Gottvertrauen darauf hofft, dass sich die Dinge wieder normalisieren und die Weltwirtschaft dann wie gewohnt weiterläuft.
Ich bezweifle indes diese neue Normalität - und das ist auch der Hauptgrund für meinen latenten Zwist mit Malko. Meiner Ansicht nach ist das Rad der Staatsverschuldungen bereits viel zu weit gedreht, als dass eine geordnete Rückkehr zur Normalität erfolgen könnte.
Die kommende Deflationsperiode gibt den Zentralbanken noch eine Art Schonfrist, in der sie - vorerst noch ungestraft - Geld drucken können, um mit Staatsgepäppel die deflationären Löcher zu flicken. Flicken ist die Vorstufe zum F....n.
Wenn den Marktteilnehmern klar wird, dass die Staatsverschuldungen ein verlorenes Schneeball-System sind und die Angst um die Rückzahlung Überhand nimmt, kommt die Ära der Bond-Crashs samt hyperinflationärem Kollaps. Einen kleinen Bond-Crash (Euro-Zinsen bereits bei 7 %) sehen wir bereits in Griechenland. Die anderen PIIGS könnten bald folgen.
Wie positioniert man sich? Das ist zweifellos äußerst schwierig zu beantworten - und schwieriger denn je. Wenn man dem "Zeitplan" von Weise/Evans-Pritchard zustimmt, dass wir zunächst Deflation und später Hyperinflation bekommen, böte sich an:.
Mittelfristig (d.h. für die Ära der Deflation):
Staatsanleihen bester Bonität
Puts/Shorts auf Aktien
long Dollar / short Euro
Finger weg von Rohstoffen
Langfristig (für die Ära der Inflation/Hyperinflation):
long Sachwerte aller Art (Aktien, Rohstoffe, Gold, Immobilien, Ackerland, Bauland)
Finger weg von Shorts/Puts, die dann tödlich sind, weil die Kurse inflationsbedingt explodieren
Im Markt herrscht eine extreme Verwirrung, wo wir zurzeit stehen (Deflation oder Inflation?) und in welcher Reihenfolge diese Entwicklungen zu erwarten sind. Die Preisblasen und die neuerdings in D. wieder stark steigende Nachfrage nach Immobilien deuten darauf hin, dass einige Anleger etwas voreilig auf Inflation setzen. Damit können sie aber auch viele Jahre zu früh dran sein, wie das Beispiel der langatmigen japan. Deflation zeigt. Ich glaube allerdings, dass sich in der Ära der global-synchronen Wirtschaft die Entwicklungen beschleunigen - und der Übergang von der Deflation zur Inflation schneller vonstatten gehen wird als in Japan.
Folglich werden auch ältere Anleger, die vielleicht nur noch 20 Lebensjahre vor sich haben, eine globale Inflation in ihr Anlagekalkül einbeziehen müssen.