Die AG´s werden Schlange stehen bei dem Verlangen nach Unterstützung. Der Staat wird sich verheben.
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Mark Manning: I particularly like to watch the action in the NYSE Composite Index because it is where most of the institutional trading is happening. My notes on the chart illuminate that many of the indicators I watch are weakening into the recent strength of the index.
Darüber kann man geteilter Meinung sein. Wenn die Kredit- und Hypotheken-Zinsen wieder deutlich anziehen (Chart in # 43908), weil der Markt QE nicht traut oder der Fed die Mittel ausgehen, hätte die Fed ihr letztes Steuerungswerkzeug für die Wirtschaft verloren. Die Leitzinsen können ja nicht tiefer als auf Null gesenkt werden.
Die US-Wirtschaft würde damit zu einem Dickschiff, dessen Kapitän die Kontrolle über das Steuer verloren hat. Du hast insofern Recht, als dass dieser Kapitän jetzt nichts tun muss. Es GIBT für ihn ja nichts mehr zu tun. An einem Steuerrad zu kurbeln, das nicht mehr mit der Rudermechanik verbunden ist, wäre müßig.
Gleichwohl wäre diese Steuerung dringend vonnöten, wenn das US-Dickschiff gleichzeitig in Titanic-Manier auf den Depressions-Eisberg zusteuert.
Bernanke hat seine "neuen unkonventionellen Maßnahmen" des Geldflutens (QE) ja immer als Totschlagargument dafür benutzt, dass damit eine Austrocknung des Kreditmarktes - und damit eine Wiederholung der Großen Depression der 1930-er Jahre - vermieden werden könne. Damals würgten von der Fed zu hoch gesetzte Leitzinsen die Wirtschaft vollends ab. Heute sind es die - außerhalb der Fed-Kontrolle agierenden - Akteure auf dem Anleihemarkt, die die Langfristzinsen mittels Bondsverkäufen hochsetzen: Eine Art "internationale Volksabstimmung" gegen Bernanke.
In beiden Fällen kommt die Wirtschaft nicht wie erwünscht an billiges Geld.
Wenn die Staatsverschuldungen wegen der Giga-Bailouts in historisch noch nie dagewesenem Maße steigen, gelten historische Vergleichsparameter nicht mehr. Die Staaten können die für die immensen Schuldenberge fälligen Zinszahlungen nur aufbringen, wenn sie die Zinsen (künstlich) niedrig halten. Als Werkzeuge bleiben den Notenbanken zum einen Leitzins-Senkungen (die Leitzinsen wurden inzwischen fast überall auf nahe Null gesenkt) - und als letztes Mittel QE.
QE ist freilich eine offene Marktmanipulation - im Grunde nichts anderes, als würde die Fed den DOW auf 15.000 hochkaufen, damit die US-Verbraucher sich nicht so arm fühlen (oder Öl-Futures auf 30 Dollar runtershorten, damit US-Verbraucher billiger tanken können). Würden im ersten Fall Aktienbesitzer in die Fed-induzierte Rallye hinein ihre Bestände ausdünnen, weil sie der Ansicht sind, die aktuelle Wirtschaftslage gibt DOW 15.000 nicht her, bekommt die Fed ein Problem. Ihre "Wunschziele" sind in der Marktrealität nicht umsetzbar.
Im Bonds-Markt ist die Lage ähnlich. Stimmen die Akteure via Bonds-Verkäufe ab, dass sie QE misstrauen und die von USA und anderen Staaten "benötigten" Zinssätze in Anbetracht der gestiegenen Risiken für unangemessen niedrig halten (nicht ohne Grund haben die Ratingagenturen wegen des Schulden-Eldorados ja die Bonität vieler Staaten herabgestuft - dies droht sogar GB und USA), dann sind die gewünschten "Ziel-Zinssätze" am langen Ende ebenfalls nicht duchsetzbar. Sei scheitern wie "DOW 15.000" an der Marktrealität.
Dann bleibt es bei dem Fakt, dass der Fed sämtliche Steuerräder aus der Hand geglitten sind. Wird sich der Markt dessen bewusst, könnten weitere Panikverkäufe bei den Bonds (sowie Aktien und Dollar) folgen.
Wer vertraut schon einer Firma, deren Chef gefesselt und geknebelt auf seinem Stuhl sitzt, Stoßgebete von "Green Shoots" grunzt und ansonsten lediglich auf bessere Zeiten hofft.
"Dann bleibt es bei dem Fakt, dass der Fed sämtliche Steuerräder aus der Hand geglitten sind. Wird sich der Markt dessen bewusst, könnten weitere Panikverkäufe bei den Bonds (sowie Aktien und Dollar) folgen"
Als Advocatus diaboli nehme ich wieder das Beispiel Japan. Die Verschuldung und (seinerzeitige) Verschuldungszunahme dürfte ähnliche Grössenordnung wie die der USA heute und morgen gehabt haben, aber es hat eben keine Panikverkäufe von Bonds gegeben.
Ich möchte nicht sagen, dass sich USA in den nächsten Jahren wie Japan nach 1990 verhalten wird, und ich möchte auch nicht sagen, dass es keine Panikverkäufe von Longbonds geben wird (jeder wartet ja schon auf die berühmten Bond Vigilantes, und zweifellos gibt es die self-fulfilling prophecies).
Aber ich wäre auch nicht überrascht, wenn sich diese auch von mir ursprünglich eingenommene Einschätzung doch als falsch herausstellen sollte und wir doch auf eine längere eher deflationäre Zeit zulaufen.
Wenn wir für eine Millisekunde den Fed's etc. mal den Kredit des Zweifel geben (und dort eine Millisekunde lang mal nicht eine Melange aus Schwerverbrechern und Vollidioten vermuten :-), dann könnte deren extrem intensives Bemühen ja auch davon herrühren, dass sie fast mit Sicherheit eine längerlaufende deflationäre Phase befürchten und wenigstens alles getan haben wollen, um das doch noch zu mildern oder teil-abzuwenden.
Reines Gedankenexperiment meinerseits.
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