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| 07.08.2007 18:45 |
Wie trennt man alte Hasen von ihren Aktien? |
von Jochen Steffens Vielleicht erinnern Sie sich noch, dass ich schrieb, die erste Short-Squeeze sei selten die letzte. Gestern Abend erlebten wir an den amerikanischen Indices die zweite große Short- Squeeze in diesem Abwärtstrend, welche den Dow Jones mal eben um 287 Punkte nach oben trieb, der stärkste Anstieg seit 2003. Bedingt durch ein paar Analystenkommentare, aber hauptsächlich durch die Sorge, dass die Fed heute Abend an ihrem Statement irgendetwas, das in Richtung Zinssenkung weist, ändern könne, kam es zunächst zu leicht steigenden Kursen. Durch diese wurden stetig weitere shortpositionierte Anleger nervös. Wer möchte schon als kurzfristig orientierter Anleger mit seinen Short-Positionen vor einer Fed-Sitzung im Minus sein, wenn die theoretische Möglichkeit besteht, dass die Zinsen gesenkt werden und der Markt anschließend eine explosive Rallye hinlegt. Das Dümmste, was die Fed machen könnteDabei halte ich, wie schon gestern geschrieben, die Wahrscheinlichkeit, dass es nach einer solchen Zinssenkung zu einer Rallye kommt, für sehr gering. Tatsächlich wäre eine überhastete Zinssenkung ein Zeichen dafür, dass die Schieflagen im US-amerikanischen Finanzsystem wesentlich dramatischer sind, als in den Medien dargestellt. Die Folge wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit ein massiver Kurseinbruch. Auch wenn es in einer ersten Reaktion zunächst zu einem kurzen Anstieg käme. Eine Zinssenkung wäre demnach so ziemlich das Dümmste, was die Fed machen könnte. Zinssenkung im Oktober?Ebenso glaube ich nicht, dass die Fed auf eine Zinssenkung im Oktober hinweist. Zumindest nicht mit der Begründung: "Finanzmarktkrise“. Wenn es überhaupt zu einer solchen Andeutung kommt, dann wird sich die Fed auf die Arbeitsmarktdaten und auf die an den letzten Konjunkturdaten zu erkennende Abschwächung des US-Wirtschaftswachstums beziehen. Aber selbst das glaube ich nicht, denn „findige“ Analysten könnten dies schnell als eine „Scheinbehauptung“ enttarnen und wiederum auf eine größere Schieflage im amerikanischen Finanzsystem spekulieren. Fed neigt zu keinen überhasteten AktionenDie Fed neigt nicht dazu, überhastet auf die Themen zu reagieren, die gerade mal wieder den Markt in Angst und Schrecken versetzen. Von diesen gibt es jedes Jahr ein oder zwei. Schließlich muss jede Konsolidierung ihr eigenes Angst-Thema haben, welches geeignet ist, eine Vielzahl von Anlegern davon zu überzeugen, dass uns Schlimmeres bevorsteht. Gerade in einer Rallye werden Anleger nämlich nur sehr ungern von ihren Aktien, mit denen sie schon größere Gewinne in den Büchern stehen haben, getrennt. Aus diesem Grund fallen Korrekturen in einem starken Aufwärtstrend meistens sehr klein aus. Hier werden meistens lediglich die Zittrigen und Ängstlichen aus dem Markt getrieben. Wie trennt man alte Hasen von ihren Aktien?Wesentlich schwerer ist es, die erfahreneren Anleger von ihren Aktien zu trennen. Dazu bedarf es Fakten oder Ereignisse, die dramatisch genug scheinen, auch solche Spekulanten zu verunsichern. Wie sonst sollte eine größere Konsolidierung funktionieren? In den letzten Jahren haben wir eigentlich immer nur vergleichsweise kleine Konsolidierungen im Markt erlebt. Auch die aktuelle ist noch mickrig. Dem Aufwärtstrend würde es jedoch gut tun, wenn die aktuellen Übertreibungen deutlich abgebaut würden, mit anderen Worten: wenn wir einmal eine etwas größere Korrektur erleben würden. Die Charttechnik sagt dazu, dass eine normale Konsolidierung bis zu 50% des vorherigen Aufwärtstrends wieder abbauen kann. Der DAX startete seine aktuelle Rallye bei ca. 2100 Punkten im Jahre 2003. Sein bisheriges Hoch lag bei über 8100 Punkten. Das sind 6000 Punkte Differenz. Davon die Hälfte sind 3000 Punkte. Mit anderen Worten, der DAX könnte locker um 3000 Punkte auf ca 5000 Punkte fallen, ohne dass es der bisherigen Aufwärtsbewegung aus charttechnischer Sicht schaden würde. Und da ist er wieder, der Zusammenbruch des FinanzsystemsInteressant ist in diesem Zusammenhang, dass jetzt wieder all die Bären aus ihren Löchern gekrochen kommen um das zu tun, was sie am liebsten tun: Den Zusammenbruch des globalen Finanzsystems vorhersagen. Ein altes Lied, das schon so lange gesungen wird. Selbst in dem Film Wall-Street aus dem Jahre 1987, den ich am Sonntag noch einmal gesehen habe, ist bereits die Rede davon... Meines Erachtens ist aber noch viel zu viel Liquidität vorhanden, als dass diese Finanzkrise sich großartig ausweiten wird. Zudem haben die Banken in den letzten Jahren viel zu viel Geld verdient. Ich bleibe dabei, es handelt sich bei dieser Krise lediglich um ein vorübergehendes Angstthema, dass bald vergessen sein wird. Aber keine Frage, es ist eines der „besseren“ Angstthemen. Eines, das auch erfahrene Anleger ins Schwitzen bringt, besonders wenn schon Banker vor der schwersten Bankenkrise in Deutschland seit 1931 warnen. Aber nur so trennt man selbst erfahrene Anleger von ihren Aktien. Ich hoffe sehr, dass dieses Thema die Märkte noch weiter nach unten treibt. Denn nur das wäre bullish. Nur dann würden wir wieder gute Einstiegschancen finden - dann nämlich, wenn die Welt davon überzeugt ist, dass sie morgen untergeht und die Rallye endgültig vorbei sei. Sollten die Märkte jetzt schon drehen, besteht die Gefahr, dass wir den Einbruch etwas später, vielleicht von einem höheren Niveau aus, erleben. Ich bin gespannt, was passiert, wenn die Fed heute nicht auf eine baldige Zinssenkung hinweist. Dazu der Dow Jones Chart: Die fast perfekte SKS(Chart unten) Sehr schön zu erkennen ist, wie der Dow mit der 13250er Marke kämpft. Durch diese Unsicherheit besteht die Möglichkeit, dass sich keine symmetrische Schulter-Kopf-Schulter-Formation bildet, sondern eine etwas abwärts gerichtete. Die Nackenlinie (dicke blaue Linie) ist damit jetzt die entscheidende Linie. Das Kursziel liegt nach einem Bruch dieser Linie im Bereich der 12.100 Punkte Marke, die eine Unterstützung aus Februar/März 2007 darstellt. Interessant ist, dass nun auch die Umsätze perfekt stimmen. Anstieg in die linke Schulter hinein, dann Schwäche gefolgt von einem Anstieg zum Hoch. Die Erfahrung zeigt, dass solche, nicht symmetrischen und eher nicht eindeutigen SKS wesentlich zuverlässiger sind. Aber ganz wichtig ist: Erst durch den Bruch der Nackenlinie gibt es eine Wahrscheinlichkeit von über 90 %, dass das Kursziel erreicht wird. Vorher liegt es bei 50 / 50. Nach oben wird es erst über der 13700 Punkte-Marke bullisher, ein wirklich klares bullishes Signal gäbe es über dem Allzeithoch bei 14.000 Punkten. Und wieder einmal wird eine Fed Sitzung über das Wohl oder Weh der Märkte entscheiden. Viele Grüße Ihr Jochen Steffens |
Guten Morgen, verehrte Leserinnen und Leser!
Sieh an, nachdem man monatelang das Gefühl hatte, die Fed-Statements kämen aus dem Kopierer, haben wir gestern wirklich mal ein sehr interessantes Statement vorgesetzt bekommen. Die Leitzinsen blieben unverändert bei 5,25%, das war zu erwarten. Aber der Text danach ist lesenswert. Ich übersetze ihn zunächst unkommentiert:
„Das Wirtschaftswachstum in der ersten Jahreshälfte war moderat. Die Finanzmärkte waren in den vergangenen Wochen volatil, die Bedingungen am Kreditmarkt wurden schwieriger für einige Haushalte und Branchen und die Korrektur des Immobilienmarkts setzt sich fort. Nichtsdestotrotz ist es wahrscheinlich, dass die Wirtschaft in den kommenden Quartalen in moderatem Umfang wächst, unterstützt durch solides Beschäftigungswachstum, steigende Einkommen und eine robuste Weltwirtschaft.
Die Kerninflation wuchs in den vergangenen Monaten moderat. Doch für eine tragfähige Verringerung des Inflationsdrucks bedarf es erst überzeugender Beweise. Darüber hinaus hat das hohe Niveau des Energie- und Rohstoffbedarfs das Potenzial, den Inflationsdruck aufrecht zu erhalten.
Obwohl die Abwärtsrisiken für das Wachstum in gewissem Ausmaß gestiegen sind, bleibt das Hauptaugenmerk der Notenbank auf das Risiko gerichtet, dass die Inflation sich nicht wie erwartet verringern könnte. Zukünftige Veränderungen der Notenbankpolitik werden von den Aussichten der Inflation einerseits und des Wirtschaftswachstums andererseits, wie sie sich in den kommenden Daten darstellen werden, abhängen.“
Da sitzen in paar sehr interessante Formulierungen drin. Zunächst hat die Fed natürlich die Lage an den Kreditmärkten in ihr Statement mit einbezogen. Das hatte man vermutet. Nicht aber den Umstand, dass sie daraus nicht unmittelbar die Konsequenz einer Veränderung ihrer Grundhaltung auf „neutral“ gezogen hat. Das war eigentlich erhofft worden.
Aber in gewisser Weise ist sie offenbar durchaus bereit, die Problematik zu berücksichtigen, wenn diese Situation eine spürbare Verschlechterung des Wirtschaftswachstums nach sich zieht. Dies ist daran erkennbar, dass sie zum einen die zukünftigen Veränderungen der Notenbankpolitik von den Aussichten der Inflation einerseits und des Wirtschaftswachstums andererseits abhängig macht. Das Wirtschaftswachstum kam hier bislang nicht vor.
Darüber hinaus zeigt sie durchaus auf, dass die vorher avisierte Verbesserung der Wachstumsraten nicht eingetroffen sind. Denn sie erwähnt explizit, dass das erwartete moderate Wirtschaftswachstum neben dem Beschäftigungswachstum (solange es noch da ist, Anmerkung meinerseits) und steigenden Einkommen (Fingerzeig auf Inflationsgefahr, das ist an dieser Stelle bemerkenswert) vom robusten Zustand der Weltwirtschaft gefördert wird. Was soviel heißt wie: Wenn der Rest der Welt nicht wäre, säßen wir hier in der Tinte!
Eine außerordentlich überraschende Formulierung, die deutlich Bedenken und Skepsis gegenüber der aktuellen Situation zeigt. Ich bin wirklich überrascht. Und dennoch bleiben die Aussagen zur Inflation rigide. Es sei soweit alles auf dem richtigen Weg, man müsse aber erst abwarten, ob das auch so bleibt! Also:
Sehr bald anstehende Zinssenkungen sind nach diesem Statement nicht zu erwarten. Und genau diesen Hinweis wollten die Akteure mehrheitlich haben. Und die Art, wie dieses Statement diesmal formuliert wurde zeigt mir, dass die Mitglieder des Federal Open Market Committee besorgt sind. Fazit: Das war nicht das Statement, das die Bullen gerne gehabt hätten.
Und doch, und doch: Nach einem kurzen Abtauchen des Dow Jones um 170 Punkte ging es zunächst um 220 Punkte rauf, dann wieder 80 Punkte runter und von dort aus noch mal um 120 Punkte nach oben ... um dann zuletzt noch mal 150 Punkte nach unten zu laufen und am Ende bei +35 Punkten zu schließen. Das alles von 20:15 Uhr bis 22:00 Uhr. Fast wäre damit meine Prognose einer 300 Punkte-Spanne zwischen Tageshoch und Tagestief im Dow Jones aufgegangen. So waren es „nur“ 261 Punkte. Na ja.
Das Entscheidende für die zeitweilige Rallye war eine verblüffende „Erkenntnis“, die man in die Märkte streute, als die Kurse weiter abzurutschen drohten. Ich muss zugeben, ich konnte nicht mal mehr lachen, sondern nur hysterisch quietschen:
Wenngleich die Notenbanker von wenigen Tagen noch unterstrichen hatten, die Fed sei nicht dazu da, den Kredit- und erst recht nicht den Aktienmärkten zu Hilfe zu kommen, hieß es gestern, genau das hätte man aus diesem Fed-Statement doch klar herauslesen können.
Dazu zerrte man die ehemalige Fed-Gouverneurin Susan Phillips vor die Kamera, die der Welt erklärte, dass erstens sowieso alles bestens sei und wenn das mal anders würde, würde die Fed schon eingreifen ... um es kurz zusammenzufassen.
Grausam. Einfach nur schlimm. Natürlich hüpften die Akteure auf diesen Zug. Natürlich bedeutete das eine 200 Punkte-Rallye. Denn nervöse Anleger greifen nach jedem Strohhalm, den man ihm hinstreckt ... so faulig er auch sein mag.
Aber: Im Hinterkopf sollte man unbedingt behalten, dass die „On-Close“-Orders diesmal ein Übergewicht auf der Verkaufsseite hatten. Diese bis 21:40 Uhr einlaufenden Orders, zu erledigen bis zum Handelsende, kommen von den großen Adressen am Aktienmarkt, also nicht den Futures-Zockern, sondern vornehmlich von den Fonds. Da sitzen andere Kaliber ... und die hielten diese „alles wird gut“-Rallye für geeignet, um Positionen zu verkaufen. Das ist ein wichtiger Fingerzeig dahingehend, was diese Rallye der letzten Tage – zumindest bis jetzt – wert ist ... nämlich bis jetzt kaum mehr als nichts.

Charttechnisch würde sich das ändern, wenn der Dow über 13.650 schließen würde (siehe Chart). Das könnte bei diesen irrwitzigen Schwankungen sogar binnen ein, zwei Tagen neue Rekordhochs erzeugen. Aber trauen würde ich solchen Rallyes mit Blick auf das, was sich in den Rahmenbedingungen zugleich abspielt, für keine fünf Pfennig.
Ich weiß nicht, wie viel Geld die Hedge Funds & Konsorten an den Futures-Märkten alleine gestern in diesen Wild Swings gegen die Wand gefahren haben ... Geld anderer Leute, versteht sich. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass am Ende dieses Quartals einige Hedge Funds ihren Anlegern die freudige Mitteilung machen können, dass sie diesmal keine 20% Gewinnbeteiligung verlangen werden ... mangels Gewinnen.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag – bis morgen!
Ronald Gehrt
The Daily Observer
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