K-Swiss - Ein Altstar mit Kult-Status (EurAmS)
Wer sich heute noch ärgert, dass er den Einstieg bei Puma verpasst hat, sollte einen Blick auf den US-Sportschuh-Anbieter K-Swiss werfen
von Julia Groß, Euro am Sonntag 39/03
Die Geschichte klingt bekannt: Zwei Brüder gründen vor vielen Jahren eine Sportschuhfabrik. Sie wollen bessere Schuhe für Athleten herstellen und sind damit enorm erfolgreich. Das Unternehmen expandiert in alle Welt und in verschiedene Sportarten, will überall mitspielen. Das geht nicht gut. Übermächtige Konkurrenten dominieren den Markt, die Firma der Brüder rutscht in die roten Zahlen und wird für tot erklärt – bis vor einigen Jahren die Retro-Mode aufkam. Auf einmal sind Turnschuhe im Design der 70er-Jahre in, junge Leute wollen sich abheben von der Nike-tragenden Masse. Plötzlich ist das alte Sportschuh-Unternehmen erfolgreicher denn je und feiert Rekordergebnisse, der Aktienkurs erklimmt ständig neue Höchststände. Ja, ja, die Geschichte von Puma ist schon oft erzählt worden.
Aber nein – hier geht es nicht um Puma, sondern um K-Swiss. Ein rund vier Mal kleineres, hier zu Lande ziemlich unbekanntes Sportartikel-Unternehmen aus Kalifornien mit erstaunlichen Parallelen zum deutschen Top-Performer aus Herzogenaurach.
1966 gründeten die Schweizer Brüder Art und Ernest Brunner K-Swiss. Als erstes Produkt brachten die passionierten Tennisspieler den Classic auf den Markt – einen einfachen Tennisschuh aus drei Streifen Leder und einer einteiligen Gummisohle.
Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre fing K-Swiss an, auch für andere Sportarten wie Basketball, Bergwandern und Aerobic zu produzieren. Der neue Chef, Steven Nichols, hatte die Firma 1986 den Brunners abgekauft und dehnte das Geschäft in Richtung Asien und Europa aus.
Doch das große Sortiment machte die Firma verwechselbar. Wie viele andere kleinere Sportartikel-Hersteller konnte sie im Wettbewerb mit den übermächtigen Konkurrenten Nike, Reebok und Adidas-Salomon nicht bestehen. Dazu kam, dass der Markt auf Grund der lahmenden Konjunktur schrumpfte.
Und so schrumpfte auch K-Swiss: Nichols begrenzte die Auswahl auf die bewährten Classic-Modelle, die Tennis- und Laufschuhe. Die Treter wurden nur noch über spezielle Sport- und Modegeschäfte vertrieben. „Eines unserer wichtigsten Ziele ist, unsere Schuhe für den Kunden wertvoll und zu etwas Besonderem zu machen. Deswegen bekommt man sie nicht in jedem Kaufhaus“, erklärt Finanzchef George Powlick. Das gleiche Prinzip funktionierte auch bei Puma. Dabei kam K-Swiss der Zufall zu Hilfe: Jugendliche suchten plötzlich nach coolen Schuhen, die nicht jeder trug, und die Retro-Welle rollte an.
Heute macht K-Swiss 66 Prozent des Umsatzes mit „Classic“-Schuhen. Seit 1997 hat sich der Umsatz mehr als verdoppelt, für 2003 rechnen Analysten mit Einnahmen von rund 400 Millionen Dollar. Der Gewinn lag im vergangenen Jahr mit 28,7 Millionen Dollar fast sieben Mal so hoch wie 1997. Nur im Jahr 2000 gab es einen Knick im Wachstum: „Ein Konkurs bei einem unserer größeren Vertriebspartner“, erläutert Powlick. „Zudem stoppten wir die Zusammenarbeit mit einigen unserer Kunden, weil sie nicht mehr kreditwürdig waren.“
K-Swiss geht sorgsam mit seinen Finanzen um: Der Konzern hat keine Schulden und sponsert keine Athleten. „Wir sind eine 400-Millionen-Dollar-Company, und ein Michael Jordan kostet – muss ich noch mehr sagen?“, scherzt Powlick. Auch ohne Logo-tragende Idole kletterte der Umsatz der Kalifornier im ersten Halbjahr 2003 um 46 Prozent auf 228 Millionen Dollar, der Überschuss stieg um 67 Prozent auf 26,3 Millionen Dollar. Analysten zeigen sich von dieser Performance beeindruckt. Vier Branchenexperten empfehlen die Aktie derzeit zum Kauf, drei raten, sie zu halten. „Hohe Dynamik im Einzelhandel, Top-Management, blitzsaubere Bilanz und mäßige Bewertung“, lobt etwa Virginia Genereux von Merrill Lynch. Trotzdem lautet ihr Urteil nur Neutral: Sie fürchtet, dass der Retro-Modetrend abflaut – wie es Analysten auch bei Puma schon seit Jahren prophezeien.
Genauso wie Puma-Boss Jochen Zeitz rechnet aber auch K-Swiss-Vorstand Powlick nicht damit: „Das sagt man jetzt schon seit sechs Jahren. Wir verkaufen den Classic seit 1966, den gleichen Schuh, und die ganze Zeit gab es Kunden, die ihn haben wollten. Auf der anderen Seite können wir mit unseren anderen Modellen jederzeit auf die Mode reagieren. Da bringen wir ständig neue Kollektionen heraus.“
Bei den Puma-Aktionären hat sich die positive Stimmung mittlerweile durchgesetzt – jüngst markierte die Aktie ein neues Allzeithoch. Vielleicht gibt es ja bei K-Swiss bald auch in dieser Hinsicht Parallelen zu Puma.
Wer sich heute noch ärgert, dass er den Einstieg bei Puma verpasst hat, sollte einen Blick auf den US-Sportschuh-Anbieter K-Swiss werfen
von Julia Groß, Euro am Sonntag 39/03
Die Geschichte klingt bekannt: Zwei Brüder gründen vor vielen Jahren eine Sportschuhfabrik. Sie wollen bessere Schuhe für Athleten herstellen und sind damit enorm erfolgreich. Das Unternehmen expandiert in alle Welt und in verschiedene Sportarten, will überall mitspielen. Das geht nicht gut. Übermächtige Konkurrenten dominieren den Markt, die Firma der Brüder rutscht in die roten Zahlen und wird für tot erklärt – bis vor einigen Jahren die Retro-Mode aufkam. Auf einmal sind Turnschuhe im Design der 70er-Jahre in, junge Leute wollen sich abheben von der Nike-tragenden Masse. Plötzlich ist das alte Sportschuh-Unternehmen erfolgreicher denn je und feiert Rekordergebnisse, der Aktienkurs erklimmt ständig neue Höchststände. Ja, ja, die Geschichte von Puma ist schon oft erzählt worden.
Aber nein – hier geht es nicht um Puma, sondern um K-Swiss. Ein rund vier Mal kleineres, hier zu Lande ziemlich unbekanntes Sportartikel-Unternehmen aus Kalifornien mit erstaunlichen Parallelen zum deutschen Top-Performer aus Herzogenaurach.
1966 gründeten die Schweizer Brüder Art und Ernest Brunner K-Swiss. Als erstes Produkt brachten die passionierten Tennisspieler den Classic auf den Markt – einen einfachen Tennisschuh aus drei Streifen Leder und einer einteiligen Gummisohle.
Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre fing K-Swiss an, auch für andere Sportarten wie Basketball, Bergwandern und Aerobic zu produzieren. Der neue Chef, Steven Nichols, hatte die Firma 1986 den Brunners abgekauft und dehnte das Geschäft in Richtung Asien und Europa aus.
Doch das große Sortiment machte die Firma verwechselbar. Wie viele andere kleinere Sportartikel-Hersteller konnte sie im Wettbewerb mit den übermächtigen Konkurrenten Nike, Reebok und Adidas-Salomon nicht bestehen. Dazu kam, dass der Markt auf Grund der lahmenden Konjunktur schrumpfte.
Und so schrumpfte auch K-Swiss: Nichols begrenzte die Auswahl auf die bewährten Classic-Modelle, die Tennis- und Laufschuhe. Die Treter wurden nur noch über spezielle Sport- und Modegeschäfte vertrieben. „Eines unserer wichtigsten Ziele ist, unsere Schuhe für den Kunden wertvoll und zu etwas Besonderem zu machen. Deswegen bekommt man sie nicht in jedem Kaufhaus“, erklärt Finanzchef George Powlick. Das gleiche Prinzip funktionierte auch bei Puma. Dabei kam K-Swiss der Zufall zu Hilfe: Jugendliche suchten plötzlich nach coolen Schuhen, die nicht jeder trug, und die Retro-Welle rollte an.
Heute macht K-Swiss 66 Prozent des Umsatzes mit „Classic“-Schuhen. Seit 1997 hat sich der Umsatz mehr als verdoppelt, für 2003 rechnen Analysten mit Einnahmen von rund 400 Millionen Dollar. Der Gewinn lag im vergangenen Jahr mit 28,7 Millionen Dollar fast sieben Mal so hoch wie 1997. Nur im Jahr 2000 gab es einen Knick im Wachstum: „Ein Konkurs bei einem unserer größeren Vertriebspartner“, erläutert Powlick. „Zudem stoppten wir die Zusammenarbeit mit einigen unserer Kunden, weil sie nicht mehr kreditwürdig waren.“
K-Swiss geht sorgsam mit seinen Finanzen um: Der Konzern hat keine Schulden und sponsert keine Athleten. „Wir sind eine 400-Millionen-Dollar-Company, und ein Michael Jordan kostet – muss ich noch mehr sagen?“, scherzt Powlick. Auch ohne Logo-tragende Idole kletterte der Umsatz der Kalifornier im ersten Halbjahr 2003 um 46 Prozent auf 228 Millionen Dollar, der Überschuss stieg um 67 Prozent auf 26,3 Millionen Dollar. Analysten zeigen sich von dieser Performance beeindruckt. Vier Branchenexperten empfehlen die Aktie derzeit zum Kauf, drei raten, sie zu halten. „Hohe Dynamik im Einzelhandel, Top-Management, blitzsaubere Bilanz und mäßige Bewertung“, lobt etwa Virginia Genereux von Merrill Lynch. Trotzdem lautet ihr Urteil nur Neutral: Sie fürchtet, dass der Retro-Modetrend abflaut – wie es Analysten auch bei Puma schon seit Jahren prophezeien.
Genauso wie Puma-Boss Jochen Zeitz rechnet aber auch K-Swiss-Vorstand Powlick nicht damit: „Das sagt man jetzt schon seit sechs Jahren. Wir verkaufen den Classic seit 1966, den gleichen Schuh, und die ganze Zeit gab es Kunden, die ihn haben wollten. Auf der anderen Seite können wir mit unseren anderen Modellen jederzeit auf die Mode reagieren. Da bringen wir ständig neue Kollektionen heraus.“
Bei den Puma-Aktionären hat sich die positive Stimmung mittlerweile durchgesetzt – jüngst markierte die Aktie ein neues Allzeithoch. Vielleicht gibt es ja bei K-Swiss bald auch in dieser Hinsicht Parallelen zu Puma.