








Hatten in den vergangenen Wochen zunächst vor allem die europäischen Börsen mit Kursgewinnen auf sich aufmerksam gemacht, so sorgten in den vergangenen Tagen die japanischen Aktien für eine gewisse Furore.
Der Nikkei hat seit seinem Zwischentief im April bei 10.770 Punkten inzwischen nicht nur 16 Prozent zugelegt, sondern mit den jüngsten Kursgewinnen die Handelsspanne zwischen 10.500 und rund 12.000 Punkten nach oben überwunden, in der er sich zuvor genau ein Jahr befunden hatte. Am Mittwoch erreichte er mit einem Plus von 0,24 Prozent ein neues Vierjahreshoch bei 12.502 Zählern.
Nikkei und Topix charttechnisch ausgebrochen
Beim breiteren Topix-Index - er beinhaltet zur Zeit 1.650 Werte mit einer Marktkapitalisierung von 403 Billionen Yen - ist der Ausbruch nach oben charttechnisch sogar noch deutlicher gelungen, auch wenn er seit April „nur” 15,5 Prozent zulegt hat.
Hintergrund der Bewegung sind einerseits positive Nachrichten von der Wirtschaftsseite, die auf einen langsamen, aber stetigen Aufschwung hindeuten. Er dürfte nicht nur vor Export, sondern auch von der Binnennachfrage getragen werden. Gleichzeitig scheinen die Börsianer auch auf die im September anstehende Parlamentswahl zu setzen. Zunehmende Popularitätswerte von Ministerpräsident Junichiro Koizumi dürften zu einem gewissen Optimismus verführen.
Sollte er gestärkt aus der Wahl hervorgehen, dann dürfte der Regierungschef seine vor kurzem im Parlament gescheiterte Postreform doch noch durchsetzen. Private Finanzinstitutionen wären wohl die Nutznießer, falls die japanische Post, bisher die größte Sparkasse der Welt, privatisiert und zerschlagen werden sollte. Auch die Konsolidierung der Branche und der umfangreichen, von der Finanzaufsicht erzwungenen Abschreibungen „fauler Kredite” dürften eine Rolle spielen. Manche Analysten sehen den Index zum Ende des Jahres bei 14.000 Punkten stehen.
Blickt man ein Jahr zurück, so haben sich aber nicht nur die Finanzwerte gut entwickelt. Sondern zu den größten Kursgewinnern gehören nicht unbedingt die Finanzwerte, sondern Maschinenbauwerte wie Japan Steel Works und Okuma, der Dienstleister Chiyoda oder der Stahlhersteller Sumitomo Metal Industries. Weit vorne liegen auch Werte wie Sumitomo Heavy Industries, das Chemieunternehmen Toagosei oder auch der Maschinenbauer Komatsu.
Nicht nur die Finanzwerte legen zu
Das deutet auf eine grundlegende Entwicklung im Lande der aufgehenden Sonne hin, auch wenn sie teilweise auf Sonderentwicklungen wie den boomenden Schiffsbau oder die Dynamik im Rohstoffbereich zurückgehen mag. Sollte sich die Weltkonjunktur nicht deutlich abschwächen, dürften die Perspektiven der Unternehmen im Lande nicht zu schlecht sein.
Viele von ihnen haben sich in den vergangenen Jahren von der jahrzehntelangen Krise erholt, stehen nicht nur wieder vergleichsweise solide da, sondern konnten in der jüngsten Zeit wieder profitabel wachsen. Das führte nicht nur dazu, daß einige der Aktien wieder deutlich zulegen konnten. Sondern gleichzeitig sind einzelne Werte im internationalen Vergleich noch vernünftig bewertet. Vor allem dann, wenn man die Papiere mit teuren amerikanischen Aktien vergleicht.
Auf dieser Basis dürfte die Börse tatsächlich in einem anhaltend freundlichen weltwirtschaftlichen Klima weiteres Kurspotential haben. Die Risiken sind in einer konjunkturellen Abkühlung in Amerika und China zu sehen. Allerdings muß das für die asiatischen Staaten nicht zu schlecht sein. Denn es könnte zu einer gewissen Erleichterung auf der Rohstoffseite führen.
Quelle: faznet.de
