Ist der Abwärtstrend des Dollars kurz vor seinem Ende?
von Jochen Steffens
Heute musste ich mich über meine Kollegen vom Trader's Daily etwas wundern. Dort wird versucht, das Argument der niedrigen Nettokapitalzuflüsse in die USA (ich hatte davon gestern berichtet) durch das Argument gestiegener Käufe von ausländischen Vermögensanlagen durch Amerikaner zu entkräften. So sollen US-Käufe von ausländischen Aktien 12,0 Milliarden Dollar betragen haben, und zusätzlich 3,2 Milliarden Dollar seien für ausländische Anleihen ausgegeben worden.
Hm, wenn ich mir ansehe, dass für Anleihen von US-Unternehmen anstatt für 43,9 Mrd. Dollar wie noch im September im Oktober nur noch 19,2 !!! Mrd. Dollar investiert wurden, dann finde ich das sehr bedenklich. Zudem beweisen doch auch die Kapitalabflüsse der Amerikaner ins Ausland lediglich, dass sie auch nicht mehr im US-Dollarraum investiert sein wollen. Was ich, wie gestern bereits erläutert, nur zu gut verstehen kann.
Soweit ich marktwirtschaftliche Grundsätze verstehe, sinkt der Preis eines Produktes, wenn das Interesse (die Nachfrage) an einem Produkt nachlässt. Wenn allgemein das Interesse an Investitionen im Dollarraum nachlassen, dann sollte der Dollar sinken – eigentlich.
Wie ich gestern jedoch auch dargestellt habe, die Fed wird alles versuchen, den Dollar wieder interessanter zu machen. Hohe Zinsen sind eine Möglichkeit Kapital anzuziehen. Das bedeutet, die US-Zinsen werden weiter angehoben, bis auf eine Niveau, das den Dollar stützen wird. Doch andererseits werden sich höhere Zinsen belastend auf die US Wirtschaft auswirken. Es sei denn, dass das US-Wirtschaftswachstum stark genug ist, die höheren Zinsen zu verkraften.
Die letzten Arbeitsmarktdaten sprechen jedoch eine deutliche Sprache, das US-Wachstum hat bisher zu keinem nennenswerten Abbau der Arbeitslosigkeit geführt, die aber notwendig wäre, um die Binnenkonjunktur derart anzutreiben, dass sie die niedrigen Zinsen als Wachstumsmotor ablösen könnte. Es könnte also eng werden – verdammt eng.
Das ist ein Aspekt, der die Märkte zurzeit belastet und sie so zäh macht wie gefrierender Honig.
Wie immer sollten Sie nicht aus den Augen verlieren, dass der Markt die Zukunft vorweg nimmt. Für den Dollar bedeutet das: Viel Abwärtspotenzial wird nicht mehr drin sein. Das bedeutet, um jetzt noch gegen den Dollar zu spekulieren, ist es einfach zu spät. Falls Sie jedoch auf einen fallenden Dollar investiert sind, sollten Sie andererseits nicht direkt verkaufen, sondern ihre Positionen absichern. Legen Sie, sofern es Ihre Positionsgröße zulässt, einfach mehrere (zum Beispiel drei) verschiedene Stops auf verschiedene Levels und lassen Sie dann einfach den Markt Ihre Positionen liquidieren (und natürlich nicht vergessen, bei einem weiter fallenden Dollar, die Stops nachzuziehen)
Der Ölpreis ist ein weiterer Kandidat, der mal wieder die Märkte belastet. Wie gestern erwähnt, sind dafür zum einen die stärker als erwartet gefallenen Vorräte in der USA verantwortlich. Andererseits treiben einmal mehr die Querelen um Yukos den Preis.
Dass der Markt dennoch, wenn auch überaus zäh, immer weiter steigt, ist nach wie vor ein bullishes Zeichen. Morgen ist dreifacher Hexensabbat. Normalerweise würde ich sagen, dass der Montag nach dem Hexensabbat die Tendenz für die nächsten Wochen aufzeigt. Allerdings ist dann schon fast Weihnachten. Zwischen Weihnachten und Neujahr ist zwar noch fast eine Woche Handel, aber in dieser Zeit folgt der Markt ganz eigenen Gesetzten.
Wirklich interessant wird also, was der Markt am Anfang des neuen Jahres macht.