Frankfurt (Reuters) - Die Europäische Zentralbank (EZB) wird den Leitzins am Donnerstag unverändert lassen, nach Erwartung vieler Analysten aber ein Signal für die nächste Zinserhöhung im Mai geben.
Die EZB hatte Ende 2005 die Zinswende eingeläutet und den für die Bankenrefinanzierung maßgeblichen Schlüsselzins im Dezember und März um jeweils 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent angehoben. Der um die Inflationsrate von zuletzt 2,2 Prozent verringerte Realzins liegt damit noch immer kaum über Null.
EZB-Ratsmitglieder hatten zuletzt betont, die niedrigen Zinsen stimulierten weiterhin die Konjunktur und es gebe Risiken für die Preisstabilität. Da sich der Aufschwung nach jüngsten Daten verstärkt, und die Inflationsgefahr damit zunimmt, wird die EZB nach Überzeugung von Volkswirten den Zins in diesem Jahr noch zwei oder drei Mal auf dann 3,00 oder 3,25 Prozent anheben.
Ein Zinsschritt im Mai gilt als sehr sicher, nachdem EZB-Ratsmitglieder die Markterwartungen für diesen Termin nicht zu dämpfen versucht hatten. Zwei von drei Volkswirten hatten bei der monatlichen Reuters-Umfrage vergangene Woche auf den Mai getippt. Am Geldmarkt wird schon spekuliert, ob die übernächste Erhöhung im Juli oder August ansteht.
Die EZB gibt den Zinsbeschluss um 13.45 Uhr bekannt. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird die Einschätzung des Rates um 14.30 Uhr auf der Pressekonferenz in Frankfurt kund tun. Die Experten an den Finanzmärkten sind gespannt, mit welchen Formulierungen der EZB-Chef dieses Mal das weitere zinspolitische Vorgehen erklären wird. Auf der Pressekonferenz im Februar hatte Trichet mehrfach die "Wachsamkeit" der Währungshüter angesichts der Risiken für die Preisstabilität betont. Zudem hatte er die Markterwartungen über eine Zinserhöhung im März als vernünftig bezeichnet und damit deutliche Hinweise auf die Absicht der EZB gegeben.
Allerdings hatte der EZB-Rat sich bisher nicht vorab auf einen Plan festgelegt, wie oft und in welchem Zeitabstand die Zinsen erhöht würden. Zu unsicher war bisher, ob der Aufwärtstrend beim Wachstum nicht wieder abbrechen würde wie in den vergangenen Jahren mehrfach. Dirk Schumacher, Volkswirt von Goldman Sachs, warnt deshalb davor, klare Ankündigungen von Trichet zu erwarten. Die EZB warte weitere Wirtschaftsdaten ab und wolle sich nicht einengen. "Er wird niemals einen Zinsschritt so bestätigen, wie die Leute das gerne hätten", sagte er. Die EZB werde den Märkten die Ungewissheit nicht völlig nehmen.