Vollkommen richtig, fill. Spekulation besteht darin, sich irgendwie eine Meinung über den zukünftigen Verlauf der Kurse zu bilden, dieses handwerklich umzusetzen und dann zu hoffen, dass man recht bekommt. Wobei man eben nur hoffen kann, denn wissen tut man nichts. Der Hoffnung - wenn du willst auch der Selbsttäuschung - wird dann dadurch Ausdruck verliehen, indem man seinen Input in der entsprechenden Richtung filtert und Gegenteiliges ignoriert, schönt, wie auch immer. Das ist vollkommen normal und eigentlich richtig, denn ansonsten wäre man paralysiert oder würde ständig seine Position drehen. Was beides Kontraproduktiv wäre.
So mancher Anleger meint jedoch, bei erfolgreicher Spekulation den Markt durch überlegenes Wissen und Können geschlagen zu haben. Doch fast immer handelt es sich nur um Glück, dem vielleicht etwas nachgeholfen wurde. Schließlich ist Wirtschaft so komplex, dass sie eigentlich niemand längere Zeit voraussagen kann. Wer das mittels "Analyse" und "Prognose" behauptet ist entweder (bei Erfolg) ein Scharlatan oder (bei Mißerfolg) ein Spinner. Kein Wunder also, dass noch kein "Guru" längere Zeit am Stück recht bekam. (Wenn das jemand behauptet, verschweigt er die Fehlanalysen)
Um das mal an meinem Beispiel eines technischen Anlegers klarzumachen: Mein HS funktioniert. Doch ich habe keinen Schimmer, WARUM. Warum steigen Kurse fast immer weiter, wenn sie bis zum Tag X (dem Signaltag) auf eine ganz bestimmte Weise gestiegen sind? Ein HS ist kein Navi, dass die Zukunft genau kennt. Ein HS ist einfach Strichverlängerung, nach dem Motto: Was 100x funktionierte, funktioniert auch beim 101. Mal. Was jedoch zugegeben ein besserer Schnitt ist, als bei jedem Bauchtrade zu erzielen sein kann. Trotzdem würde ich nicht behaupten, dass gerade das aktuelle Signal unfehlbar ist. Denn es handelt sich ja nur um (hohe) Wahrscheinlichkeit, abgeleitet aus den empirischen Erfahrungen der Vergangenheit.
Der Vorteil eines technischen Traders liegt ME einfach drin, nicht Gefahr zu laufen, sich in einer aussichtslosen Position zu verrennen, also zu versuchen schlauer als der Markt zu sein, weil man Glück mit Können verwechselt. Schließlich gibt es kein sachlicheres Kriterium als den Kurs selbst.
Kurz: Die Kunst und Schwierigkeit beim Spekulieren ist 1) keine handwerklichen Fehler zu machen und 2) sich jederzeit angemessene Flexiblität zu bewahren. Was man und in welche Richtung man spekuliert ist relativ nebensächlich, wenn man bei Versagen der spekulation richtig und rechtzeitig reagiert.
Trööööööööööööööööööö