Rückgang des Handelsdefizits
USA schrumpfen sich gesund
von Martin Kaelble (Berlin)
Das US-Handelsbilanzdefizit ist im November auf den niedrigsten Wert seit 2003 geschrumpft. Der Handelsbilanzsaldo lag bei minus 40,4 Mrd. $, nach revidiert minus 56,7 Mrd. $ im Vormonat. Ein neuer Umstand trägt dazu bei: Die Amerikaner sparen.
Das wurde am Dienstag mitgeteilt. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Defizit weiter deutlich schrumpft", sagte Bernd Weidensteiner, Ökonom der Commerzbank. Vor allem das geringere Ölpreisniveau und die erhöhte Sparneigung der Amerikaner dürften den Fehlbetrag im laufenden Jahr weiter verringern.
Volkswirte beklagen seit Jahren ein enormes Ungleichgewicht im US-Außenhandel. Die Aussichten auf eine Korrektur haben sich während der Krise der Weltwirtschaft allerdings zuletzt verbessert. Ein Außenhandelsdefizit liegt vor, wenn in einer Periode mehr Waren eingeführt als ausgeführt werden. In diesem Fall erhöhen sich die Schulden des Landes, denn der Fehlbetrag muss durch Kapitalzuflüsse aus dem Ausland finanziert werden. Die US-Wirtschaft verbuchte seit 1976 in jedem Jahr ein Minus in der Handelsbilanz.
"Der massive Rückgang des Defizits im November hatte mehrere Ursachen", sagte Heinrich Bayer, Volkswirt bei der Postbank. Der Niedergang des Ölpreises und die mengenmäßig geringeren Öleinfuhren hätten das Importvolumen verringert. "Zudem gaben auch die übrigen Importe stärker nach als die Exporte", sagte Bayer. Die Exporte sanken um 5,8 Prozent zum Vormonat, die Importe dagegen sogar um zwölf Prozent. Einige Volkswirte sehen das kritisch: "Eine Kombination aus sinkenden Ein- und Ausfuhren ist allgemein ein schlechtes Zeichen für die US-Wirtschaft", sagte Roger Kubarych, US-Chefvolkswirt von Unicredit.
Für die Entwicklung der US-Handelsbilanz insgesamt sind die Zahlen vom November jedoch kein schlechtes Signal. Viele Experten halten das chronische Handelsbilanzdefizit langfristig für äußerst problematisch. Das konstante US-Defizit geht mit globalen Ungleichgewichten einher. Im gleichen Maße, wie die USA ihren Fehlbetrag anhäufen, verzeichnen andere Länder Überschüsse - zuletzt vor allem China. Auf den mittlerweile größten Lieferanten für die USA entfielen schon 2007 rund 16,9 Prozent aller Einfuhren.
Nach einer Verringerung des chinesischen Exportüberschusses sieht es derzeit aber nicht aus. Zwar war das Außenhandelsplus im Dezember laut der chinesischen Zollbehörde mit rund 39 Mrd. $ leicht rückläufig. Im Gesamtjahr 2008 stieg das Ausfuhrplus jedoch nach Berechnungen der Dekabank erneut deutlich: Es lag bei 295 Mrd. $ nach 262 Mrd. $ im Vorjahr. Und auch 2009 dürfte der Überschuss eher konstant bleiben als schrumpfen. "Sinken die chinesischen Exporte, fallen zumeist auch die Importe, denn sie sind zu einem guten Teil Inputfaktoren für die Ausfuhrprodukte", sagte Janis Hübner, Volkswirt bei der Dekabank.
Trotz des chinesischen Exportüberschusses sehen Ökonomen das US-Handelsdefizit weiter abnehmen. Dabei wird der Dollar-Kurs nach Ansicht des Commerzbank-Ökonomen Weidensteiner allerdings keine große Rolle spielen: "Wir erwarten in diesem Jahr eher eine leichte Aufwertung der US-Währung." Der wichtigste Faktor sei stattdessen der niedrige Ölpreis. Das habe bereits 2008 eine enorme Entlastung für das US-Handelsdefizit gebracht. Denn Ölimporte machen einen beträchtlichen Teil der Einfuhren aus. Bleibt der Ölpreis 2009 niedrig, könnte das daher auch in diesem Jahr das Defizit schmälern. "Zugleich bremst zwar die schwache Weltkonjunktur die amerikanischen Exporte", sagte Weidensteiner. "Am Ende des Jahres dürften wir unterm Strich jedoch eine weitere Verringerung des Außenhandelsdefizits sehen."
2006 lag das Defizit noch bei rund 750 Mrd. $, ein Jahr später waren es noch rund 700 Mrd. $. 2008 dürfte es nach Schätzung der Commerzbank bereits auf 670 Mrd. $ geschrumpft sein. Das entspräche einem Anteil des BIPs von 4,7 Prozent. "2009 könnte der Anteil sogar auf 3,5 Prozent sinken", sagte Weidensteiner. Das sei dann ein deutlich gesünderes Niveau: "Ein Defizit von unter vier Prozent des BIPs könnte die US-Wirtschaft wohl auch längere Zeit verkraften." Besser noch wäre ein Wert von unter drei Prozent. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir das in den nächsten Jahren erleben", sagte der Volkswirt.
Dafür sei vor allem die Sparneigung entscheidend: "Mittelfristig benötigen die USA eine höhere Sparquote", sagte Weidensteiner. "Die notwendige Verhaltensänderung zeichnet sich derzeit bereits ab." Es werde mehr gespart und weniger konsumiert. "Bleibt das so, sind die USA auf einem guten Weg."
Quelle: www.ftd.de
"Die Aktienbörsen werden im wesentlichen von Psychopathen bevölkert."
Altkanzler Helmut Schmidt