Der 2. Weltkrieg


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Der 2. Weltkrieg

 
23.09.01 23:50
D A S   J A H R H U N D E R T   D E R   K R I E G E

Adolf Hitler wollte Europa erobern und löste einen Weltbrand aus, mit Japan als Verbündetem und Amerika als Gegner. In den sechs Kriegsjahren starben mehr Zivilisten als Soldaten. Am Ende war Deutschland zerstört und Europa geteilt - und zwei Supermächte beherrschten die Welt.


War der Zweite Weltkrieg eine Fortsetzung des Ersten? Ja und nein. Beide Weltkriege waren letzte Versuche eines europäischen Staates, die Vormachtstellung auf dem Kontinent zu erringen und damit zu einer Weltmacht aufzusteigen.

Spanien hatte es im 16. Jahrhundert versucht, Frankreich in der zweiten Hälfte des 17. und im 18. Jahrhundert, Napoleon versuchte es weiter bis 1815. Im 19. Jahrhundert war England die stärkste Weltmacht, es trug in Europa von 1815 bis 1914 zum Gleichgewicht der Kräfte bei, mit hundert weltkriegsfreien Jahren. Dann trat Deutschland zweimal an, 1914 und 1939.

Das heißt nicht, daß Deutschland 1914 allein für den Kriegsausbruch verantwortlich gewesen wäre. 1939 strebte Hitler zuallererst die Vorherrschaft über Europa und das europäische Rußland an - weniger aus Bescheidenheit als aus Berechnung. Es ist fraglich, ob Hitler noch an die Eroberung anderer Erdteile dachte, etwa an ein deutsches Kolonialreich, und letztlich an eine Auseinandersetzung mit den Vereinigten Staaten.

Gewiß ist, daß eine deutsche Vorherrschaft über ein Europa mit dem europäischen Rußland und in der Folge eine Duldung dieser Vorherrschaft durch Großbritannien und die USA das Dritte Reich zum Weltreich gemacht hätten, allen anderen mehr als ebenbürtig.

Hätte es ohne Adolf Hitler einen Zweiten Weltkrieg gegeben? Höchstwahrscheinlich nicht, gewiß nicht 1939.

Wie dem auch sei: Deutschland hatte - trotz seiner Verluste im Ersten Weltkrieg, trotz der darauffolgenden Erniedrigung und Gebietsverluste durch den Versailler Vertrag, trotz der Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1933 - eine bemerkenswerte Kraft bewiesen, schon bevor Hitler 1933 die Macht ergriff und diese Vitalität dann natürlich verstärkte.

Es ist anzunehmen, daß Deutschland 1939 auch ohne Hitler die wichtigste Macht Kontinentaleuropas geworden wäre und Frankreich in seiner dominanten Rolle ersetzt hätte. Ob daraus ein Krieg entstanden wäre, können wir nicht wissen. Wir können nur für unwahrscheinlich halten, daß ein solcher Europakrieg zu einem Weltkrieg ausgeartet wäre. Weder Großbritannien noch Amerika wären bereit gewesen, die Einhaltung des Vertrags von Versailles mit einem neuen Krieg durchzusetzen.

Ob Deutschland für eine Vorherrschaft in Europa prädestiniert war, können wir nicht sagen. Hitler jedenfalls glaubte es. Und er konnte die Mehrheit seines Volkes überzeugen. Dies erklärt die außerordentlichen Erfolge der deutschen Wehrmacht und Industrie im Krieg, die sechs Jahre lang dem ungeheuren Kräfteaufgebot der weltgrößten Mächte widerstanden.

Ohne das deutsche Volk hätte Hitler das nicht erreichen können. Doch diese sechs Jahre eines gewissen nationalen Zusammenhalts und der Disziplin - zwar lückenhaft und zum Teil brutal erzwungen, doch im Rückblick sehr beachtlich - waren undenkbar ohne Hitler.

Hier liegt Hitlers besondere Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg. Und hier erklärt sich auch, warum der Zweite Weltkrieg - nicht nur in seinen Ausmaßen - doch etwas anderes war als eine Fortsetzung des Ersten.

Vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts herrscht (auch unter Historikern) die Tendenz zu einer Betrachtungsweise historischer Entwicklungen, die wirtschaftliche und soziale Kräfte für vorrangig, ja für entscheidend gegenüber der Rolle von Persönlichkeiten und politischen Führern hält. Das läßt sich sicher nicht auf Hitler oder den Zweiten Weltkrieg anwenden, auch nicht, wenn man an Churchill, Roosevelt oder Stalin denkt.

Hier liegt der erste große Unterschied zwischen 1914 und 1939. Selbst ein entschiedener Gegner Wilhelms II. wird nicht behaupten, der Kaiser allein sei für den Krieg von 1914 verantwortlich gewesen. 1939 aber war es Hitler allein. Seinetwegen sind die Ursachen des Zweiten Weltkriegs einfacher erklärbar als die des Ersten.

Hitlers Leistungen in den sechs Jahren vor 1939 waren doppelter Art. Es gelang ihm, die große Mehrheit des deutschen Volkes hinter sich zu bringen. Seine inländischen Gegner unterschätzten seine politischen Fähigkeiten, die ausländischen unterschätzten die - oft brutalen - Ergebnisse seiner Staatskunst.

Die Jahre 1933 bis 1939 brachten ihm fast nichts als Erfolge: Deutschland verließ den Völkerbund, die mehrheitlich katholischen Saarländer stimmten mit überwältigender Mehrheit für die Vereinigung mit dem Dritten Reich. Hitler verkündete Deutschlands Wiederaufrüstung und das Ende der Versailler Beschränkungen. Er fegte den Locarno-Pakt beiseite und besetzte die entmilitarisierte Rheinlandzone.

Er verbündete sich mit Mussolinis Italien, er annektierte Österreich sowie Teile der Tschechoslowakei, besetzte schließlich den Rest der Tschechischen Republik und dann das Memelland. All das mit der erzwungenen stillschweigenden Einwilligung der anderen Großmächte: Frankreichs, Großbritanniens, sogar Sowjetrußlands und der Vereinigten Staaten.

1939 war Deutschland die stärkste Macht Europas, mächtiger und größer als Bismarcks zweites Deutsches Reich. Anders als jener hatte Hitler dies sogar ohne Krieg erreicht. Sein offener territorialer Anspruch erstreckte sich auf Danzig und den sogenannten polnischen Korridor, und auch diese Ziele hätten vielleicht noch durch Verhandlungen erreicht werden können. Doch Hitlers Absichten gingen weiter: Er wollte die Unabhängigkeit Polens beseitigen, wenn nicht gar Polen zum Satelliten Deutschlands machen; die Polen widersetzten sich - und das Ergebnis war der Zweite Weltkrieg.

Die Entscheidung für einen Krieg ist oft die Frage nach dem Wann. 1914 hatten die Spitzen vieler europäischer Staaten, wenn auch ungern, geglaubt, falls es Krieg geben müsse, dann lieber gleich als später, ihre verhängnisvollste Fehlkalkulation. 1939 verrechnete sich Hitler in ähnlicher Weise: Er glaubte, die Zeit arbeite gegen ihn, Franzosen und Briten hätten mit der verstärkten Aufrüstung begonnen, und in wenigen Jahren sei Deutschlands militärischer Vorsprung dahin. (Diese Einschätzung deckte sich mit seiner innersten Überzeugung, nicht lange zu leben.)

Ein weiterer schwerer Fehler war die Besetzung der tschechischen Restrepublik im März 1939, sechs Monate nachdem Briten und Franzosen der Einverleibung des Sudetenlandes und der Reduzierung der Tschechoslowakei zu einer Art deutschem Satellitenstaat zugestimmt hatten, und das sechs Monate nach seiner Erklärung, keine weiteren territorialen Ansprüche in Europa zu stellen.

Sein Einmarsch in Prag im März 1939 ließ die öffentliche Meinung in Großbritannien drastisch umschlagen. Die Appeasement-Politik des damaligen britischen Premiers Neville Chamberlain war gescheitert. Chamberlain glaubte nun, der einzige Weg, Hitler abzuschrecken, sei, ihm klarzumachen, daß ein deutscher Angriff auf Polen Krieg mit Großbritannien (und Frankreich) bedeute. Damit bot die britische Regierung zum erstenmal in der Geschichte des Landes einem Staat in Osteuropa eine Garantie und ein Bündnis an. Doch die Hoffnung, Hitler so abzuschrecken, war vergeblich.

Denn Hitler errang einen neuen Überraschungserfolg: seinen Pakt mit Stalin, dem Führer der Sowjetunion (mit dem berüchtigten Geheimen Zusatzprotokoll, in dem beide Vertragspartner Nordosteuropa und Polen unter sich aufteilten) - obwohl der Antikommunismus 20 Jahre lang das Hauptargument in Hitlers Propaganda gewesen war. Er hoffte vergebens, dieser Pakt werde die Briten abhalten.

Am 1. September 1939 griff Deutschland Polen an. Zwei Tage später erklärten Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg.

Einerseits zerstoben Hitlers Hoffnungen, denn Briten und Franzosen hielten Wort. Andererseits behielt er recht: Briten und Franzosen hatten zwar den Krieg erklärt, nicht aber angegriffen.

Acht Monate hindurch fanden keine richtigen Kämpfe statt, außer auf See. Amerikanische Journalisten tauften diese seltsamen acht Monate "the phony war" - in Frankreich hießen sie "drôle de guerre". Ein passenderer Name wäre wohl "Krieg wider Willen" gewesen, denn die Völker Europas, die sich noch an das schreckliche Blutbad des Ersten Weltkriegs erinnerten, brachten wenig bis gar nichts von der Begeisterung auf, mit der sie oder ihre Väter 1914 in den Krieg gezogen waren.

Kurz: Im Jahre 1939 fürchteten die meisten Völker Europas den Krieg; Hitler fürchtete ihn nicht.

Mit neuen Strategien und Taktiken der Kriegsführung eroberte die deutsche Wehrmacht Polen. Darauf stieß der neue Verbündete Rußland nach und holte sich - gemäß der geheimen Abmachung mit Deutschland über den Verlauf der Trennungslinie - ein großes Stück Ostpolens.

Briten und Franzosen versuchten, weitab von zu Hause eine Front zu errichten, in Skandinavien. Hitler kam ihnen zuvor. In einer gewagten Operation besetzten die Deutschen Dänemark und eroberten Norwegen. Noch bevor das erledigt war, befahl Hitler der Wehrmacht, am 10. Mai 1940 in Westeuropa anzugreifen. Holland ergab sich nach fünf Tagen, Belgien nach etwa zwei Wochen, Frankreich in knapp sechs. Nur Großbritannien unter der neuen Führung Winston Churchills hielt stand.

Damals kam Hitler seinem Ziel, den Krieg zu gewinnen, am nächsten. Er hoffte, nicht ganz unbegründet, die Briten seien bereit, mit ihm zu einem Abkommen zu gelangen. Soweit kam es jedoch nicht. Wiederum spielte eine einzelne Persönlichkeit eine entscheidende Rolle - Churchill.

Zugleich kroch der riesige Schatten Amerikas - und der Rußlands - langsam über den Rand Europas. Der Schatten eines Weltkriegs fiel auf den europäischen Krieg.

Zwanzig Jahre zuvor hatten sich Amerika und Rußland - aus ganz unterschiedlichen Gründen - aus Europa zurückgezogen. Das sollte sich jetzt ändern.

Schon 1939 war deutlich geworden, daß die Sympathien des Präsidenten Franklin D. Roosevelt, seiner Regierung und der Mehrheit des amerikanischen Volkes Großbritannien gehörten.

Ungeachtet aller isolationistischen und pazifistischen Tendenzen ließ die US-Regierung 1940 Schritt für Schritt von ihrer Neutralität ab und stellte sich an die Seite Großbritanniens. Die Amerikaner meinten, dies tun zu können, ohne sich in einen wirklichen Krieg verstricken zu müssen. Sie täuschten sich.

Stalin setzte sich über die internationale kommunistische Ideologie hinweg und verfolgte eine nationalistische russische Expansionspolitik, ähnlich der mancher Zaren. Er glaubte, dies durch gute Beziehungen zu Hitler erreichen zu können. Auch er täuschte sich.

Im Juli 1940 mußte Hitler widerstrebend erkennen, daß die Briten weiterkämpften. Er bemerkte Generälen gegenüber, daß Großbritannien nur zwei Hoffnungen habe: Amerika und Rußland. Gegen Amerika konnte er nichts unternehmen. Doch würde Rußland erst eliminiert sein, dann wäre Großbritanniens letzte Hoffnung auf dem eurasischen Festland dahin und Deutschland praktisch unschlagbar.

Dies war Hitlers Hauptgrund für die Vorbereitung einer Invasion Rußlands, wichtiger als seine "Lebensraum"-Philosophie, die gelegentlich zur Rechtfertigung für seine Anhänger diente. Doch sollte fast ein Jahr bis zum deutschen Überfall auf Rußland vergehen.

In der Zwischenzeit überrollte Hitler den Balkan, weil er seinem Verbündeten Mussolini helfen mußte, und gewann einen neuen Verbündeten, Japan, mit dem ausdrücklichen Ziel, die Vereinigten Staaten dadurch aus dem europäischen Krieg heraushalten zu können.

Hier kommen wir nun zum entscheidenden Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs - auch das ein Unterschied zwischen beiden Kriegen. Im Ersten gab es keine solche Zäsur, jedenfalls nicht bis August 1918, kurz vor Kriegsende.

Im Zweiten Weltkrieg aber fielen die Entscheidungen schon Jahre vor Kriegsende, nur um zwei Tage getrennt, jedoch an zwei entgegengesetzten Enden der Welt.

Am 22. Juni 1941 überfiel Hitlers Wehrmacht Rußland, in der Hoffnung auf einen Sieg vor Jahresende. Am Tag zuvor befahl Hitler den deutschen Seestreitkräften im Atlantik, keinesfalls auf amerikanische Schiffe zu schießen. Beides nützte ihm nichts.

Anfangs schien der deutsche Blitzkrieg in Rußland noch sensationell: Über drei Millionen Russen wurden gefangengenommen, die Deutschen gelangten bis kurz vor Moskau. Am 5. Dezember 1941 jedoch ereilte sie der russische Gegenangriff: Vor Moskau wurden sie gestoppt. Es war der erste große erzwungene Rückzug der deutschen Wehrmacht in mehr als zwei Jahren.

48 Stunden später, im subtropischen Pazifik, riß der japanische Angriff auf Pearl Harbor Amerika in den Krieg - zwei wahrlich entscheidende Ereignisse: Erstens war aus dem europäischen Krieg ein Weltkrieg geworden, zweitens konnte Hitler ihn nicht mehr auf seine Weise gewinnen.

Von dem Moment an änderte sich seine Strategie. Hitler hatte eine Reihe kurzer Feldzüge geplant. Jetzt stand ihm ein langer Krieg bevor. Er hatte einen europäischrussischen Krieg beabsichtigt. Jetzt war er in einen echten Weltkrieg verwickelt, mit Japan als Verbündetem und Amerika als Gegner. Eine Folge davon war sein verspäteter Befehl, die deutsche Industrie und Wirtschaft völlig in den Dienst der Kriegsproduktion zu stellen.

Weiterhin machte Hitler es sich zur Aufgabe, die gewaltige, in seinen Augen unnatürliche Koalition seiner Feinde zu sprengen - die der Russen und der Anglo-Amerikaner, der Kommunisten und der Kapitalisten. Er mußte einen von ihnen endgültig besiegen (zu dem Zeitpunkt vorzugsweise Rußland), wodurch Deutschland auf dem europäischen Kontinent unschlagbar geworden wäre und seine Feinde (vorzugsweise die Amerikaner) früher oder später mit ihm hätten verhandeln müssen.

Diese Überzeugung beherrschte seine Strategie und Denkweise bis zu seinem letzten Tag. Sie wurde stillschweigend von vielen seiner Heerführer und seinem Volk akzeptiert oder geteilt. Anders als 1918 kämpften die Deutschen bis zum bitteren Ende.

Natürlich bröckelte der Bund seiner Feinde, aber erst 1945, zu spät für ihn. Denn wenn seine so unterschiedlichen Gegner Churchill, Roosevelt und Stalin je ein gemeinsames Ziel hatten, dann war es dieses: Hitler mußte vernichtet und Deutschland besetzt werden.

(Verglichen damit herrschte unter Hitlers autoritären Verbündeten weniger Einigkeit: Nach 1941 war Deutschlands größter Feind Rußland, der Hauptfeind Italiens Großbritannien, der Japans Amerika.)

Hier ist zu bedenken, daß trotz Kopernikus und Magellan die Welt politisch gesehen erst um 1900 rund wurde. Bis 1900 waren alle Weltmächte europäische Mächte gewesen. Anders als diese, Großbritannien eingeschlossen, besaßen die USA keine Territorien jenseits ihrer eigenen Grenzen.

Kurz vor 1900 änderte sich das. Die Vereinigten Staaten und Japan legten sich weit entfernte Besitzungen zu, wobei Japan nach dem asiatischen Kontinent griff.

Sechs Jahre vor der russischen Revolution von 1917 setzte eine Revolution in China der 4000jährigen Monarchie ein Ende - es war der Beginn der stückweisen Auflösung Chinas. Es lag ganz im Sinne Japans, diesen Prozeß zu fördern, und diente ihm geradezu als Hauptgrund, auf der Seite der Alliierten am Ersten Weltkrieg teilzunehmen.

Als einzige unter den Großmächten widersetzten sich die USA einer Verstümmelung Chinas. Sie vermochten immerhin 20 Jahre hindurch, Japan ohne große militärische Interventionen zu dämpfen. Doch 1931 beschlossen die japanischen Militärs, die chinesische Mandschurei zu besetzen. Damit war dort nicht nur die militärische Präsenz Japans, sondern ein japanischer Satellitenstaat etabliert.

Entsprechend läßt sich aus fernöstlicher Sicht argumentieren, daß der Zweite Weltkrieg schon 1931 begonnen hatte, während er aus der europäischen Perspektive 1939, aus der russischen und amerikanischen erst 1941 anfing.


Rußland vermochte Japans schrittweisen Vormarsch in China nicht zu bremsen. Das war einer der Hauptgründe für den russisch-amerikanischen Vertrag von 1933, der auch die Anerkennung der UdSSR durch Amerika enthielt - vielleicht eine Art Vorläufer ihrer militärischen Allianz im Zweiten Weltkrieg.

1938 hatte Japan fast die gesamte chinesische Küste von der sibirischen bis zur indochinesischen Grenze erobert und besetzt, mitsamt den größten Städten Chinas. Zugleich mit der Militarisierung der japanischen Regierung traten prodeutsche und extrem nationalistische Elemente auf, vor allem in der Armee.

Die deutschen Siege von 1940, der Zusammenbruch der Kolonialmächte Frankreich und Holland, der tödliche Kampf, in dem Großbritannien lag, ermutigten die Japaner, ihr Reich nach Französisch-Indochina, später nach Niederländisch-Ostindien und bis nach Burma auszudehnen.

Rußland war militärisch imstande, einen Versuch Japans, in die Mongolei einzurücken, zurückzuschlagen; doch die einzige Großmacht, die Japan effektiv Einhalt gebieten konnte, waren die Vereinigten Staaten.

In dieser Erkenntnis bot Hitler im September 1940 den Japanern ein Drei-Mächte-Abkommen an, das sie sofort annahmen. Japan glaubte, die eigene Situation weiter zu stärken, indem es im April 1941 einen Neutralitätsvertrag mit Stalin unterzeichnete.

Als Deutschland die Sowjetunion überfiel, hatten die Japaner drei Optionen, über die im Kronrat entschieden wurde: Rußland anzugreifen, gegen die USA und Großbritannien vorzugehen oder sich für einige Zeit aus dem Krieg herauszuhalten.

Japan kam zu dem Schluß, daß Krieg mit den Vereinigten Staaten am wenigsten zu vermeiden sei. Tatsächlich hatten die Amerikaner Japan zunehmend unter wirtschaftlichen Druck gesetzt. Der Kaiser und die Konservativen hofften immer noch, irgendein Abkommen mit den USA schließen zu können. Doch Washington forderte unter anderem den Rückzug der Japaner aus China. Das war unannehmbar für Tokio.

Also begannen die Japaner ihren Krieg am 7. Dezember 1941 mit einem Überraschungsangriff auf die amerikanischen Besitzungen im Pazifik. Dieser Angriff war erschreckend erfolgreich, aber gleichzeitig der gröbste Fehler im gesamten Krieg: Japan überfiel die Vereinigten Staaten, nachdem die Briten und nachdem die Russen Deutschland standgehalten hatten.

Als Folge von Pearl Harbor erklärte Hitler einige Tage später den Vereinigten Staaten den Krieg. Viele halten dies für seinen größten Fehler. In Wahrheit hatte er keine Wahl: Im Atlantik herrschte seit Monaten ein unerklärter Krieg zwischen amerikanischen und deutschen Seestreitkräften, und zu dem Zeitpunkt konnte Hitler seinen Vertrag mit Japan nicht einfach verletzen.

Inzwischen erwies sich eine Entscheidung Roosevelts und der amerikanischen Stabschefs, die schon Monate früher gefallen war ("Rainbow 5"), als folgenschwer für den gesamten weiteren Verlauf des Krieges. Die amerikanische Führung, mit der Möglichkeit eines Zweifrontenkrieges konfrontiert, beschloß, daß im Falle eines Krieges gegen Deutschland und Japan die Zerschlagung Deutschlands den Vorrang habe und danach Japan an der Reihe sei.

Es war eine kluge Entscheidung, wenn sie auch nicht unbedingt im Einklang mit dem amerikanischen Volk stand, das damals lieber gegen die Japaner als gegen alle anderen kämpfte.

So schien also der Zweite Weltkrieg nach 1941 im großen und ganzen aus drei Kriegen zu bestehen:

dem anglo-amerikanischen Krieg gegen Deutschland und Italien im Westen und Süden Europas,

dem deutschen gegen Rußland in Osteuropa und

dem japanischen gegen Amerikaner, Briten und Chinesen in Ostasien und im Pazifik.
Daß diese drei Kriege miteinander zusammenhingen, erklärt sich aus bestimmten chronologischen Übereinstimmungen.
Ganz gleich, wie entscheidend der mehrfache Wendepunkt im Dezember 1941 war, die rein militärischen Zäsuren dieser drei Kriege folgten erst Monate später:


In den ersten sechs Monaten des pazifischen Krieges errangen die Japaner einen überwältigenden Sieg nach dem anderen. Auch die deutsche Wehrmacht überstand die ersten Zwangsrückzüge des Winters 1941/42; im Sommer zog sie in die Tiefe Rußlands bis zum Kaukasus und belagerte Stalingrad an der Wolga. Die Engländer erlitten Niederlagen in Libyen und Ägypten.

Doch im Laufe des Jahres 1942 änderten vier Ereignisse die Lage: Im November errangen die Briten in der ägyptischen Westsahara bei El Alamain einen entscheidenden Sieg über die deutsch-italienischen Truppen und zwangen sie endgültig zum Rückzug. Einige Tage später landeten amerikanisch-britische Verbände in Marokko und Algerien, was schließlich zur vollständigen Vertreibung der Achsenmächte aus Nordafrika führte und ein Sprungbrett nach Italien errichten half. Weitere 13 Tage später war die deutsche 6. Armee nach einer gutgeplanten russischen Gegenoffensive vor und in Stalingrad eingekesselt. Zur gleichen Zeit wurden die Japaner auf Guadalcanal zurückgeworfen.

Bis auf wenige Gegenoffensiven befanden sich die deutschen, italienischen und japanischen Armeen seitdem ständig in der Defensive; doch ihre Kraft und Entschlossenheit blieben noch eine Weile ungebrochen, nur Italien ergab sich im September 1943.

Churchill verstand das, vielleicht warnte er deshalb sein Volk, daß der November 1942 nicht der Anfang vom Ende, sondern erst das Ende vom Anfang sei. Er verstand auch, daß die größten Schlachten dieser Kriege in Rußland stattfanden.

Die Briten konnten Italien weitgehend allein besiegen, die Amerikaner konnten Japan weitgehend allein besiegen, doch weder die Anglo-Amerikaner noch die Russen allein konnten Deutschland besiegen.

Als die Anglo-Amerikaner schließlich im Juni 1944 in Frankreich landeten, kam auf drei deutsche Divisionen an der Ostfront eine Division im Westen. Diese Abhängigkeit von der Stärke Rußlands sollte gegen Kriegsende schwerwiegende Konsequenzen haben.

Die anglo-amerikanischen Rüstungsgüter, die seit Ende 1941 nach Rußland verschifft wurden, waren gewaltig - 8,5 Millionen Tonnen -, selbst wenn das meiste davon erst 1943/44 ankam. Ohne sie wären Tempo und Umfang des Sturms der Russen von Stalingrad und Kursk nach Berlin unmöglich gewesen. Die Anglo-Amerikaner erkannten den Beitrag Rußlands zum gemeinsamen Sieg dankbar an, die Sowjetregierung die Hilfe aus dem Westen dagegen nicht.

Eine der Ähnlichkeiten zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg war die Rückkehr zum Landkrieg, nach Jahrhunderten, in denen Seestreitkräfte Kriege entschieden hatten. Dadurch wurde unter anderem die Vormachtstellung Großbritanniens begründet, ein Resultat seiner Fähigkeit, Güter und Truppen schneller auf dem See- als auf dem Landweg transportieren zu können.

Roosevelt (anders als Churchill) erkannte den Wandel nicht: Noch 1941 sagte er, Seemacht sei der Schlüssel zur Geschichte. In gewisser Hinsicht - und für einen bestimmten Kriegsschauplatz, nämlich den Pazifik - mochte dies noch gelten, für Europa jedoch nicht.

Die Motorisierung der Armeen änderte alles. Hitler wußte, daß es den statischen Krieg der Schützengräben des Ersten Weltkriegs nicht mehr geben würde. Nicht nur der reine Truppentransport, sondern der schnelle Vormarsch ganzer bewaffneter Verbände war entscheidend geworden.

Der U-Boot-Krieg war sehr wichtig , im Atlantik wie im Pazifik (deutsche U-Boote überwogen hier, amerikanische dort), er vermochte dem Feind schweren Schaden zuzufügen, doch der Kriegsausgang hing immer noch von der Eroberung und der Besetzung ganzer Länder durch Massenheere ab.

Nun kam der Luftkrieg hinzu. Panzer, Flugzeuge und Luftschiffe waren zuerst auf und über den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs erschienen, wenn auch eher sporadisch; ihre Auswirkungen auf den Krieg blieben unbedeutend.

Vor dem Zweiten Weltkrieg glaubte man allgemein, daß große Luftangriffe das Wesen des Krieges insgesamt verändern würden, daß, wenn ganze Städte plötzlich in Schutt und Asche sänken, eine feindliche Nation gezwungen sei, sich rasch zu ergeben. Das trat so nicht ein. Die enormen Einsätze der Luftwaffen erbrachten nicht die erwarteten Ergebnisse, außer ganz zum Schluß, im Krieg gegen Japan.

Die ersten Bombenangriffe auf spezifische industrielle oder militärische Ziele wirkten sich weniger aus. Als 1940 der deutsche Plan fehlschlug, einen Großteil der britischen Jagdflugzeuge und Luftstützpunkte zu zerstören, ordnete Hitler die Bombardierung Londons und anderer britischer Städte an. Das führte zu großen Zerstörungen, war jedoch nicht kriegsentscheidend.

Briten und Amerikaner glaubten erst, daß massive Bombenangriffe Deutschland zum Aufgeben zwingen könnten, so daß eine großangelegte Invasion in Westeuropa vielleicht gar nicht nötig sei. So machten ihre Bomber oft keinen Unterschied mehr zwischen zivilen und militärischen Zielen, sondern zerstörten ganze Städte. Doch selbst das war nicht entscheidend; die Rüstungsproduktion in Deutschland stieg weiter an bis Herbst 1944.

Dennoch konnte eine starke Luftwaffe in doppelter Hinsicht wichtig sein: einmal im gezielten Einsatz von Fallschirmtruppen und, taktisch gesehen noch wichtiger, im Einsatz von Flugzeugen als eine Art fliegender Artillerie.

Das war relevant zu Lande und zu Wasser. Auf See konnten von Flugzeugen abgeworfene Bomben und Torpedos Schlachtschiffe zerstören (die Japaner machten es 1941 vor), das neue, wichtige Kriegsgerät war der Flugzeugträger, eine mobile Plattform, die scharenweise die Flugartillerie entsenden konnte.

Entscheidend war die Rolle der Luftwaffe bei der wesentlichen Zäsur im pazifischen Krieg, der Schlacht von Midway im Juni 1942. Sie wurde von Hunderten amerikanischen und japanischen Flugzeugen geschlagen, deren Basen, die Flugzeugträger, oft weit voneinander entfernt außer Sichtweite lagen. Manche von diesen wurden nicht durch feindliche Kriegsschiffe, sondern durch Flugzeuge versenkt, die von ihren Trägern gestartet waren.

Auch zu Lande erwies sich die Luftwaffe als effektiv, wenn sie militärische Ziele zerstörte und ganze Kampfverbände an der Front dezimierte.

Damit kommen wir zum wesentlichsten und furchtbarsten Unterschied zwischen den beiden Weltkriegen. Im Ersten Weltkrieg blieb die damals traditionelle Unterscheidung von Militär und Zivilisten noch allgemein gewahrt; außer in unmittelbaren Kampfgebieten und durch die Folgen der schlechten Ernährung erlitt die Zivilbevölkerung wenig Verluste.

Für den Zweiten Weltkrieg galt dies nicht mehr. Die Zahl der Zivilisten, der Frauen, Kinder und Alten, die in manchen Städten durch Luftangriffe oder Artillerie umkamen, überstieg oftmals die militärischen Verluste an der Front. Ganze Städte wurden weitgehend zerstört, erst in Holland und Großbritannien, dann in Rußland und schließlich in Deutschland. Bei den Luftoffensiven gegen Dresden, Hamburg, Berlin und Tokio starben mehr Menschen als beim Abwurf der Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki.

Dies war jedoch nur ein besonders grauenhaftes Detail in einem Krieg, den eine früher unvorstellbare Barbarei kennzeichnet. Das Dritte Reich und Stalins Sowjetunion vertrieben ganze Menschengruppen, die als feindlich oder auch nur unzuverlässig eingestuft worden waren. Millionen anderer Menschen wurden zu Sklavenarbeit in Arbeitslager deportiert, vor allem von den Deutschen. 1941 gingen sie dazu über, die meisten Juden nicht mehr auszuweisen, sondern massenhaft zu vernichten. Wenn wir die Anzahl der ermordeten Juden einbeziehen, wenigstens 5,3 Millionen, ergibt sich: Im Zweiten Weltkrieg starben mehr Zivilisten als Soldaten.

Doch auch in der Kriegsführung selbst verschwand der alte Unterschied zwischen Soldaten und Zivilisten. In Polen, auf dem Balkan, in Rußland und später in jedem von den Deutschen besetzten Land kämpften viele mit Handfeuerwaffen als Partisanen gegen die Besatzer. Manchmal war ihr Einsatz bemerkenswert, mit oft schrecklichen Folgen. Die Brutalität dieser Art zu kämpfen (und ihrer Vergeltung) erinnerte an vergangene Jahrhunderte - Homo homini lupus, Männer (und Frauen) verhielten sich wie wilde Tiere.

Dies zeigte sich ebenfalls in der unglaublichen Mißhandlung von Kriegsgefangenen, vornehmlich an der deutschen Ostfront: Von über 3 Millionen sowjetischen Soldaten, die 1941 in deutsche Gefangenschaft gerieten, starben bereits bis Dezember 1,4 Millionen, da die Deutschen sie nicht versorgten. Wenig später brachte der Bedarf der Kriegsindustrie die Deutschen auf die Idee, diese Gefangenen als nützliche Arbeitssklaven einzusetzen - unter schlimmsten Bedingungen.

Eine weitere Neuerung des Zweiten Weltkriegs betrifft die Waffen. Ein Krieg erzeugt fast immer neue Technologien.

Wie im Ersten Weltkrieg taten sich die Deutschen abermals hervor - lange war die Qualität ihrer Flugzeuge und Panzer besser als die ihrer Gegner. Sie profitierten von der Erfindung und Produktion synthetischen Benzins und künstlichen Kautschuks. Gegen Kriegsende entwickelten sie das Schnorchel-U-Boot, das für die Frischluftzufuhr nicht mehr auftauchen mußte, und den Düsenjäger - doch all das kam zu spät, um das Resultat des Krieges noch zu beeinflussen. Radar-, Sonar- und Radiotechniken für die Nachrichtendienste wurden mit wechselnden Ergebnissen auf beiden Seiten erfunden und entwickelt.

Auch die Entscheidung der Deutschen von 1944, weitreichende V2-Raketen zu bauen, trug ihnen wenig ein. Meist auf London gerichtet, zerstörten sie Ziele nichtmilitärischer Art, sie sollten die Moral der Bevölkerung brechen.

Mutatis mutandis - das gleiche galt für die Atombomben, die Amerika mit Hilfe ausgewanderter Wissenschaftler entwickelt hatte. Im August 1945 über Hiroschima und Nagasaki abgeworfen, töteten sie etwa 150 000 Menschen. Sie zwangen - neben der russischen Kriegserklärung an Japan am 8. August - den japanischen Kaiser zur Kapitulation.

Die Atombombe war etwas völlig Neues in der Geschichte der Kriegsführung. Ihr Einsatz quält die Menschheit noch heute. Andererseits ließe sich einwenden, daß sie dem Krieg schließlich ein Ende zu setzen half, der sonst womöglich noch viel mehr Menschenleben gekostet hätte, und daß, so gesehen, die Atombombe eigentlich nur eine sehr große Bombe war.

Wir kommen zum letzten wichtigen Unterschied zwischen den beiden Weltkriegen. Wie der Erste war auch der Zweite Weltkrieg immer noch hauptsächlich ein Krieg zwischen Staaten: zwischen Deutschland, Polen, Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Rußland et cetera. Doch nun kam ein neues, vorher kaum vorhandenes ideologisches Element hinzu.

Im Ersten Weltkrieg hatte es Menschen gegeben, die gegen ihre eigenen Regierungen auftraten und gelegentlich auch als Agenten oder Spione des Feindes handelten. Das war nicht neu, aber selten.

Im Zweiten Weltkrieg wünschten schon Hunderttausende der eigenen Regierung den Untergang und bekämpften sie - und engagierten sich so mehr oder weniger indirekt für den Sieg des äußeren Feindes. Auch in Deutschland gab es solche Männer und Frauen, und einige von ihnen erklommen tragische Höhen, wie die Hitler-Attentäter des 20. Juli 1944.

Es gab Millionen Menschen in Rußland und der Ukraine, bereit, sich mit den Deutschen zu verbünden und an deren Seite zu kämpfen. Es gab Tausende von Franzosen und anderen Europäern, die glaubten, daß ihre Hoffnung in einem deutschen Sieg liegen müsse.

Doch dies war nur ein Abbild der historischen Ereignisse, die sich schon 20 Jahre vor dem Krieg zu entwickeln begonnen hatten. Wir haben gesehen, daß der Sieg über das Dritte Reich nur durch die Allianz der kapitalistischen westlichen Demokratien mit der kommunistischen Sowjetunion möglich wurde - eine unnatürliche, doch damals unvermeidliche Koalition.

Dieses große Dreieck der Weltmächte - westliche Demokratien, russischer Kommunismus und die autoritären Mächte Japan, Italien und besonders Deutschland - bildete das Aufgebot für den Zweiten Weltkrieg. Dieses große Dreieck wiederholte sich weltweit. Es gab Menschen, oft sehr viele, die mit dem sympathisierten, was Deutschland (oder im Osten Japan) darstellte, oder mit dem, was das kommunistische Rußland wollte. In jeder Nation lebten Menschen, die mit den Ideen der westlichen Demokratien sympathisierten - und viele von ihnen waren irgendwann bereit, entsprechend zu handeln.

Einige Länder waren geradezu ein Inbegriff dieser Dreieckskräfte - China etwa, wo im Zweiten Weltkrieg drei Regierungen für verschiedene Landesteile existierten: die Regierung Tschiang Kai-schek, die sich mit den Vereinigten Staaten und Großbritannien verbündete, die kommunistische Regierung unter Mao Tse-tung im Norden und die pro-japanische Wang-Jingwei-Regierung mit Sitz in Nanking.

Andernorts - in Griechenland, Jugoslawien, Italien, selbst in Frankreich - wurde der Zweite Weltkrieg zu einer Art Bürgerkrieg, der in China und Griechenland noch lange nach Kriegsende andauerte.

Als der Zweite Weltkrieg 1945 endete, endete das europäische Zeitalter. Nach 500 Jahren endete auch der Versuch einer europäischen Macht, Weltmachtstatus zu erringen. Nach 800 Jahren endete mit den

Massenvertreibungen die Präsenz großer, einflußreicher deutscher Bevölkerungsgruppen östlich der Oder.

Es war der Beginn der Teilung Europas, der Teilung Deutschlands und, innerhalb Deutschlands, der Teilung Berlins. Dies waren die unmittelbaren Folgen des sogenannten Kalten Krieges, der kurz nach 1945 begann und 1989 endete.

In diesen 44 Jahren argumentierten manche Politiker und Historiker, die russische Revolution von 1917 sei der bedeutendste und folgenreichste Wendepunkt in der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Das ist Unsinn. Vor 1945 existierte kein kommunistischer Staat außer der Sowjetunion. Nach 1945 entstanden kommunistische Staaten in Europa weniger durch Volkes Wille als durch die Präsenz der sowjetischen Macht in Teilen Osteuropas und im Osten Deutschlands.

1945 waren es allein die Vereinigten Staaten, die einen gewaltigen Zwei-Fronten-Krieg mit relativ geringen Verlusten gewinnen konnten, das einzige Land außerdem, das nicht bombardiert wurde.

Seit 1917 überzieht nicht der Kommunismus den Erdball, sondern die Amerikanisierung. In Westeuropa, auch in Deutschland, führte das Ende des Zweiten Weltkriegs zu einer Wiederherstellung demokratischer Regierungen mit US-Hilfe.

Die beiden Gebirgsketten, die die Landschaft des 20. Jahrhunderts bestimmen, historisch gesehen ein kurzes Jahrhundert von 1914 bis 1989, sind die beiden Weltkriege, in deren Schatten wir bis 1989 gelebt haben.

1945 begannen das atomare Zeitalter und die Präsenz zweier Supermächte - der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.

Viele Deutsche, auch Hitler, glaubten, daß die beiden Sieger einst zwangsläufig zusammenstoßen würden. So kam es, doch der Konflikt führte zu keinem neuen Weltkrieg, vor allem nicht, weil nach 1945 weder Amerikaner noch Sowjets riskierten, die Trennungslinien in Berlin, in Deutschland und in Europa zu überschreiten.

Darüber hinaus ist immerhin denkbar, daß der Zweite Weltkrieg nicht nur der letzte große europäische Krieg, sondern auch der letzte Weltkrieg zwischen einzelnen Staaten gewesen sein könnte.

Gruß
Happy End

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